[Wr. Theaterzeitung, 48. Jg., Nr. 106, 10.5.1854, S. 447]

Aus der Kunstwelt.

Eine unserer renommiertesten Buchhandlungsfirmen hat zu den Feierlichkeiten der Allerhöchsten Vermählung einen Kunstbeitrag geliefert, der als erfreuliches Zeichen eines Strebens anerkannt werden muß, dem nach und nach die größten Resultate gelingen müssen. Es ist dies nämlich ein aus der Buchdruckerei von Wallishausser jun. hervorgegangenes Blatt in gr. Fol., von dem uns, um ein schönes Gedicht von Joh. Nep. Vogl gruppirt, eine sinnige Zeichnung in Farbendruck entgegentritt. Der Gedanke und seine Durchführung von Dr. Elsinger (Cajetan) – läßt nichts zu wünschen übrig. Von den in ovalen Rahmen gefaßten Bildnissen der beiden Majestäten, in symmetrischem Schwunge ausgehend, fällt eine Laubarabeske zu beiden Seiten des den Mittelpunct einnehmenden Gedichtes leicht und ungezwungen herab. Die Basis des Ganzen ist von zwei Landschaften und Engeln als Träger der Allerhöchsten Wappenschilde gebildet.
Der Farbendruck erregt bei dem Beschauer das festlichste Gefühl – es herrscht in dem Ganzen eine Einfachheit, die rührt, eine Wärme, die erquickt. Und doch tritt es so anspruchslos auf, daß wir fast der Aufopferung an Arbeit vergessen, die in diesen par [sic] Blättern enthalten ist. Das ist es auch, worauf wir, um ehrlich zu sein, hinweisen müssen. Es handelt sich nicht um Kritik, sondern um Anerkennung. Wallishausser gibt dieses Blatt als ersten Versuch des ehrenhaftesten Bestrebens. Möge die verdiente Aufmunterung nicht fehlen. Wir denken übrigens, daß Kunstorgane das Blatt in nähere Betrachtung ziehen werden.