HHuStA, Obersthofmeisteramt 1887

Hohes k. k.
Obersthofmeister-Amt

Johann Baptist Wallishausser,
unter der protokollierten Firma
J. B. Wallishausser, Buchdruckerei
Besitzer in Wien, VIII. Lenaugasse 19

bittet um gnädige Ver-
leihung des Hof-Titels
für sein Buchdruckerei-
gewerbe

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Hohes k. k. Obersthofmeister-Amt!

Ich nehme mir hiermit die Freiheit dem ergebensten Wunsch, den Hoftitel für mein Buchdruckerei-Geschäft zu erlangen, Ausdruck zu geben und denselben nachstehend zu begründen.
Das von mir im Hause N° 19 Lenaugasse VIII. Bezirk in Wien mit einer Filiale in der Dorotheergasse N° 7. I. Bezirk in Wien, unter der protocollirten Firma „J. B. Wallishausser“ betriebene Buchdruckerei-Geschäft, wurde bereits im jahre 1800 von meinem Großvater Joh. Bapt. Wallishausser gegründet, ist von diesem auf meinen Vater Joh. Bapt. Wallishausser übergegangen, wurde sohin über dessen im Jahre 1831 erfolgtes Ableben während meiner Minderjährigkeit von meiner Mutter fortgeführt

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und von mir im Jahre 1854 nach erfolgter Großjährigkeitserklärung in den Eigenbetrieb übernommen, so daß dermalen dieses Geschäft bereits seit 87 Jahren ununterbrochen in der Familie besteht.
Schon im Jahre 1803 wurde mein Großvater mit dem Druck der Zettel für die beiden k. k. Hoftheater betraut, welcher Druck bis Ende der Sechziger Jahre zur vollsten Zufriedenheit der h. k. k. Hoftheater-Intendanz ausgeführt worden ist, in Folge dessen auch zur Zeit der Geschäftsleitung durch meine Mutter unserem Geschäfte der Titel k. k. Hoftheater-Buchdruckerei verliehen worden ist.
Im Jahre 1854 bestand noch die ganze Betriebseinrichtung aus einer Schnellpresse kleinen Formates und zwei Handpressen während gegenwärtig in dem Hauptgeschäfte 7 Schnellpressen, 1 Handpresse und 1 Tiegldruckpresse mittels eines Gas-Motors, in dem Filialgeschäfte aber 2 Schnellpressen,

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1 Handpresse und 2 Tiegldruckpressen mit Handbetrieb in Verwendung sind.
Nach dieser Schilderung der Entstehung und der Ausdehnung, welche gegenwärtig mein Geschäft erlangt hat, gestatte ich mit jene persönlichen Verhältnisse anzuführen, welche ich in der vorliegenden Angelegenheit, für berücksichtigungswürdig halten zu können glaube.
Gleich nach Uebernahme des Geschäftes von meiner Seite wurde ich gelegentlich der Vermählung Sr. k. und k. apost. Majestät unseres gnädigen Herrn und Kaisers für die Unterbreitung eines von J. N. Vogl verfaßten und von mir in typografischen Kunstdruck ausgefertigten Festgedichtes ausgezeichnet.
Außerhalb meines Geschäftes war ich stets bestrebt humanitäre und kirchliche Zwecke zu fördern, indem ich durch mehrere Jahre Armenvater des VIII. Bezirkes war und zur Beschaffung des Fondes für eine werthvolle Orgel in der Josefstädter Pfarrkirche und für den

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Ausbau des Thurmes an derselben, durch persönliche Leitung, Sammlungen und Veranstaltungen mehrerer Concerte und Theater-Vorstellungen thätigst wirkte.
Auch bei der Rückkehr der k. k. Truppen aus der Herzegowina nach der Occupation derselben betheiligte ich mich finanziell und persönlich an dem Empfange und der Bewirthung derselben, wofür mir gemeinschaftlich mit den anderen Mitgliedern des diesfälligen Comités die allerhöchste Anerkennung zu Theil geworden ist.
Ferner wurde ich durch das Vertrauen meiner Mitbürger in den Auschuß des VIII. Bezirkes gewählt, welches Amt ich jedoch wegen Mangel an hinreichender Zeit demselben ordnungsgemäß entsprechen zu können, nach drei Jahren wieder zurückzulegen mich genöthiget sah.
Weiters bekleide ich seit 12 bis 15 Jahren das Amt eines beeideten Schätzungscommissärs,

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bin seit einer Reihe von Jahren Mitglied des Vorstandes des Gremiums der Buchdrucker und wurde vor zwei Jahren in die n. ö. Handels- und Gewerbekammer und von der Gewerbeschulkommission zum Gewerbeschulinspektor gewählt.
Außerdem bin ich Mitgründer und Mitglied vieler humanitärer und wissenschaftlicher Vereine und zwar: Gründer des Journalisten und Schriftsteller-Vereines „Concordia“, des ornithologischen Vereines, der Gesellschaft der Musikfreunde, des Josefstädter Kirchenmusikvereines, ferner Mitglied des n. ö. Gewerbevereines, des graphischen Clubs, mehrerer Krankenvereine, des Vereines für verwahrloste Kinder, für entlassene Sträflinge, des Spar- und Unterstützungsvereines für Kinder, für Ferien-Colonien, Seehospice, und Ehrenmitglied des Thierschutzvereines.
Indem ich schließlich noch beifüge,

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daß ich auch Bürger von Wien und auch Realitätenbesitzer bin, stelle ich die ergebenste Bitte:

Das hohe k. k. Obersthofmeister-Amt geruhe mir bezüglich meines Buchdruckerei-Geschäftes die Auszeichnung des Hof-Titels gnädigst zu Theil werden zu lassen.
Wien, den 27. April 1887.

Wallishausser