(Haus-, Hof- und Staatsarchiv, General-Intendanz, Karton 63, Burgtheater, 1868, 1869)

Kündigung per 1. Jänner 1869

1123 N.O. 1123 B. 1868.
GJ. GJ.

In Folge Beschlusses
der Operntheater Organisirungs
Co[mmissi(?)]on
bezüglich der Theaterzettel=
lieferung.

Bericht
an das H[ochlöbliche] kk Ob[er]sthof[mei]steramt
15. O[cto]ber 1868.

Die Hofoperntheater Organisi=
rungs
Co[mmissi]on hat in ihrer am 12.
d.M. abgehaltenen Sitzung unter
anderen Gegenständen auch die
Theaterzettelfrage behandelt,
und mich gebeten, den dieß=
falls gefaßten Beschluß -
bezweckend die Kündigung des
mit der kk Hoftheat. Drucke=
rei Wallishauser abgeschlosse=
nen Vertrages – der hohen
Genehmigung zu unterbreiten.
Die Coon ist nemlich [sic!]
durch den Reisebericht des
Oek. & Cassadirektors Knapp
zur Kenntniß jenes Vertra=
ges gelangt, welchen die
Berliner=Hofbühne mit dem
Buchdruckerei Besitzer Lit=
fass
wegen Lieferung des täg=
lichen Bedarfs an Theaterzetteln
abgeschlossen hat.
Die Hauptpunkte dieses Contrac=
tes
sind:
./.

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Littfass hat täglich 440 Exem=
plare auf Druck u. 50 auf
Schreibpapier, sowie jeden
durch Abänderung der Vorstellun=
gen oder Wechsel der Rollen
u.dgl. bedingten Nach=
druck unentgeldlich [sic!] zu liefern;
dagegen wird ihm der Verkauf
der ausschließliche Absatz, im
Wege des Abonnements od. tägl.
Verkaufes zu
besonders im Contracte normir=
ten Preisen überlassen.
Für jede Verzögerung der
Ablieferung unterliegt Litt=
fass
einer Conventionalstrafe
v. 5 Thl bis zu 300 Thlrn;
Hat zu diesem Behufe eine
Caution v. 200 Thlr, u. zahlt
überdieß für das alleinige
Verkaufs Recht einen jährl.
Pachtschilling v. 500 Thalern.
Dieser Vertrag läuft
seit dem J. 1853 unverändert
fort.
An den hiesigen kk Hofthea=
tern ist dagegen die Lieferung
der Theaterzetteln der Wallishau=
ser’schen
Hoftheat. Druckerei über=
tragen, welche dieses Geschäft
seit fast 70 Jahren, mit alleiniger
Unterbrechung der Jahre 1850-
1852, besorgt, in welchen die
k.k. Hof u. Staatsdruckerei damit

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betraut war.
Nach dem im J. 1852 mit Wallis=
hauser’s Druckerei
abgeschlossenen u. im
Großen noch zu Recht bestehen=
den Contracte liefert dieselbe
täglich 156 Stück Zettel in Placat
form auf Druck
21 Zettel in Placs auf medial Postpapier
1000 Stk kleine auf Druckpapier
für jedes Hoftheater um
den Betrag v. 5 f 10 u. 5 f CMze
(nunmehr seit 19.März 1867
gegen 3 % tigen Nachlaß) zalbar [!]
von jedem Hoftheater;
überdieß zalen [!] die kk Hof=
theater derselben für den Druck
der Repertoir Austheilungen
mit 2 f 45 x u. 2 f CMze per
Woche, sowie jede durch eine
Abänderung notwendig werden=
de Nachlieferung ebenfalls
mit 2 f.
die Auslagen, die hiedurch
den kk.Hoftheatern erwachsen,
belaufen sich
auf eine Gesamtsumme m. 3-
4.000 f jährlich.
Der grelle Abstand in
dem dießbezüglichen ökonomie Zweige zwischen
den Hoftheatern hier u. in Ber=
lin liegt bei Vergleich der bei=
den Contracte klar vor Augen,
u. die Coon beeilte sich deß=
halb umsomehr auf eine Abän=
derung dieser auf den Hofthea=
tern Cassen ruhenden Last zu
drängen, als auch eine nähere

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u. gründliche Untersuchung der Frage:
ob nicht hiedurch die Interessen
# gefährdet werden des Publikums # für welches offen=
bar die kk Hoftheater die Gratis=
lieferung der Theaterzettel be=
sorgen,
die Coon zur Änderung ihrer
Ansicht nicht bewegen konnte :/:

:/. Die Coon hat sich daher
einstimmig dafür ausgespro=
chen, daß der mit Wallishau=
ser
abgeschlossene Contract
nach dem im §.8. vorbe=
haltenen monatl.Kündigungsrechte
am 1.Jänner 1869 gekün=
digt werde; hat jedoch in Anbe=
tracht dessen, daß diese Firma
seit sovielen Jahren in der
exactesten Weise den Zettel=
druck besorgte, den
u. sich nicht den
mindesten Vorwurfe
einerUnregelmässigkeit ausgesetzt
hat, den Wunsch ausge=
sprochen, daß die beiden Oeko=
nomie
Verwaltungen ermäch=
tigt würden, den Wallishau=
ser
schon jetzt von der bevor=
stehenden Kündigung des Ver=
trags in Kenntniß geben
u.mit ihm vorerst
in Unterhandlung treten zu dürfen.
So sehr ich die Bemühungen
 

der Coon über die Behandlung ./.
einer in die ökon. Gebarung
der kk Hoftheater sotief ein=
schneidenden Frage dankend aner=
kennen muß, u.daher

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vollkommen einverstanden bin,
daß der Wallishauser’sche Contract
sobald als möglich gekündigt wer=
de, eben sosehr trete ich auch den
Rücksichten bei, welche die Coon
bei dem Antrage wegen also=
gleicher Verständigung der Firma u. Auf=
name [sic!] der Unterhandlung
geleitet haben, weil letztere
die Möglichkeit in Aussicht stellt,
daß – wenn überhaupt die Dru=
ckerei auf Übername des Absatzrechtes
im Abonnement u. Einzeln Ver=
kauf eingeht –
mit 1. Jänner 1869 – als dem
zur Eröffnung eines Abonnements
günstigsten Zeitpunkte
der neue Contract ins Leben
treten könnte.
Ich erlaube mir dennoch das
p. ehrfurchtsvollst zu bitten
dem Antrage wegen Kündigung
des Wallish. Contractes,... sowie
wegen alsoglei=
cher Inangriffname der
Unterhandlung, welche
die beiden von der Coon vor=
geschlagenen Oekonomen zu lei=
ten sein wird die h.
Genehmigung zu ertheilen, wo=
bei ich gehorsamst bemer=
ke, daß ich nicht erman=
geln werde das Ergebniß der
sobald es mir von =
dem p.zur Schlußfassung
wird zu unterbreiten.
Münch[-Bellinghausen]
656 Lind [?]

(Haus-, Hof- und Staatsarchiv, General-Intendanz, Karton 63, Burgtheater, 1868, 1869)

1134 N.O. 1134 B. 1868.
GJ. GJ.
Praes: 23.Nov.68
Ob[er]sthofmeist[er]amt mit
der Genehmigung zur Kündigung
des Wallishauser’schen Con=
tractes.

20/11 Z.5680 Dekret
an den kk Hofburgthoek.
& Cassa Direktor, H.Knapp.
21.O[cto]ber 1868.

In Entsprechung des von der
Organisirungs Coon des kk
Hofoperntheaters gestellten
Antrages hat das kk Obsthof=
meisteramt mit h.Erlasse
v. 20.dM Z.5680 genehmigt,
Hofburgtheat. Dion daß der mit der Wallishauser’
schen Hoftheat.-Druckerei wegen
Druck u. Lieferung der Hof=
theaterzettel
abgeschlossenen Con=
tract mit 1. Jaenner 1869 ge=
kündigt, jedoch wegen künftiger
Beistellung derselben die
Unterhandlung durch Sie u.
den Hofopthoekonomen Ritter
v. Steinhauser allsogleich
vorgenommen werde.
Ich beauftrage Sie demnach
zur Durch=
führung vorstehenden An=
ordnungen das Geeignete im
Sinne der Orga=
nisirungs Coon mit dem obgenann=
ten Oekonomen, welchen Sie
hievon verständigen wollen,
zu veranlassen, u. das Re=
sultat ihrer Unterhandlung
vorerst der Coon zur Begut=
achtung nach vorangegan=
gener Einholung des Gutachtens
der Commission mir vorzule=
gen.
Münch

1134 B 1868
G.J.
In Erledigung des Berichtes vom 15.d.M.
Z.1123 genehmigt man, daß nach dem von der
k.k. General = Intendanz unterstützten Antrage
der Organisierungs Commission des k.k. Hof=
operntheaters der in Bezug auf den Druck
und die Lieferung der Hoftheaterzettel mit
der Wallishauser’schen Druckerei bestehende
Contract mit 1.Jänner 1869 gekündigt,
jedoch wegen der künftigen Beistellung der
Theaterzettel die Unterhandlung durch den
Ökonomie = und Cassen Direktior Knapp
und den Hoftheater = Ökonom E.Ritter von
Steinhauser allsogleich vorgenommen werde.
Über das dießfällige Resultat sieht man
dem Berichte der k.k.General = Intendanz
entgegen,
Der k.k. Erste Obersthofmeister
Hohenlohe

Vom kk Obersthofmeisteramte
Wien, am 20.Novemb. [1]868
Jos.v.Heidt


1208 B 1868
GJ

Hohe kk. General Intendanz!

Als Obmann des Subcomité zur An=
rechnung günstigerer Bedingnisse bei der
künftigen Lieferung der Theaterzetteln
erlaube ich mir zwei Offerte des
Wallishauser u. Heine zur hohen Ent=
scheidung vorzulegen.
Nach vorgenommener Prüfung beider An=
träge weiset das Offert des Heine
weit günstigere Bedingnisse nach, indem
derselbe nicht nur das Anschlagen u.
Austragen der Zettel übernimmt und
dafür eine kleine Entschädigung an=
spricht sondern auch noch bei sämtlichen
Administrations Drucksorten
einen 20 % Nachlaß gewährt.
Im Falle sich Eine hohe General Inten=
danz für Heine entscheiden sollte
bitte ich gehorsamst um die hohe Wei=
sung zur Abschließung des betreffenden
[Seite 6]
Contractes.

Einer hohen General Intendanz
treu ergebener Diener

Knapp
19/12 [1]868


1208 B. act 1208 B. 1868.
GJ. GJ.

Hofb[ur]gth[eater], oek.u.Cassa Dion
legt zwei Offerte der
Firma:Wallishauser u.
Gustav Heine wegen künfti=
ger Lieferung der Hofthea=
ter Zettel vor.
Bericht
an das H.kkObsthofstramt.
19. Dez. 868.

Das p hat mit dem Erlasse
v. 20. Nov. Z 5680 die Bewilli=
gung den Auftrag ertheilt, den gegenwärtig
mit dem Lieferanten der Hof=
theater Zettel J .B.Wallishau=
ser
bestehenden Contract x
am 1. Jänner 1869 zu lösen, u.
die Einleitung zu treffen, damit der
künftige Bedarf an Theater=
zetteln auf eine, den ökonomi=
schen Rücksichten entsprechenden
Weise gedeckt werde.
Zu diesem Behufe habe ich
vorerst von dem erwähl=
ten SubComité der tagenden
Hoftheat. Organisirungs Coon die
Anza[h]l [!] der täglich benöthigt wer=
denden Theaterzetteln festsetzen
lassen, welchem Auftrage
dasselbe durch die An=
gabe entsprach, daß sowol !

Seite 2

für das Hofburg – wie Hofopern=
theater in Zukunft eine Liefe=
rung von tägl. 150 großen
u. 200 kleinen Theaterzetteln
genüge.
Auf Grund dieses Bedarfs=
nachweises haben nun die Firma
J. B. Wallishauser u. der
Eigenthümer des Fremdenblattes
Gustav Heine zwei Offerte
mit den, in der ehrf. Beila=
./. ge angeschlossenen Eingaben
überreicht, deren Bedingungen
zusammengefaßt sich folgender=
massen darstellen:
Beide liefern die tägl. er=
forderlichen 150 großen Zetteln
um den ermäßigten Preis v.
1 f 50 x für jedes Theater,
u. die 200 kleinen, sowie die
durch Abänderung notwendig wer=
denden kleinen Annoncen unentgeldlich [!].
Heine besorgt das Anschla=
gen u. Austragen der Zetteln
gegen eine billige Entschädigung wärend
bei Wallishauser dieses Geschäft
durch eigends [!] von den Hoftheatern
bezalte [!] u. angestellte Indivi=
dien vorgenommen werden müßte.
Die übrigen Drucksorten
als Rep liefert Wallishau=
ser
zu den jetzt bestehenden

20/11 Z.5680 Seite 3
Preisen, wärend [!] Heine von die=
sen noch einen 20 % tigen Nach=
laß zugesteht.
Heine wünscht aber über=
dieß, daß seine Druckerei vom
Tage der Liefe=
rung den Titel: Gust. Hei=
ne’s kk Hoftheater. Druckerei
führen dürfte.
Wenn gleich diese Offer=
te von den in Berlin bestehenden
Beschaffungs Modalitäten noch
wesentlich verschieden sind, so
zeigt doch eine einfache
Berechnung, daß bei Anname [!]
eines dieser Offerte den kk Hoftheat gegen
den bisherigen Usus eine Gesammt Er=
sparung v. nahezu 2500 f zu=
geht; da ferner noch unter diese
Preise herabzugehen schwerlich
eine andere Firma sich finden
lassen wird, so dürfte für
die künftige Bestellung der
Theaterzetteln nur zwischen diesen
beiden Offerenten zu wählen sein.
Bei Vergleich der Bedingni=
sse wird die Wahl jedoch nicht
schwer fallen, da das Anerbie=
ten des Gustav Heine
billiger gegen jenes seines
Mitconcurrenten ist; ich muß
mich daher unbedingt für die

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Anname [!] des von Heine gestell=
ten Antrages umsomehr aus=
sprechen, als derselbe vorder=
hand nur um einen 5 jähr. Contract
ansucht.
Im Falle der h.Genehmi=
gung, daß die künftige Lieferung
der Hoftheaterzettel dem Eigen=
thümer des Fremdenblattes Gust.
Heine u.z.v.1.Juli 1869 an
übertragen werden darf,
würde ich durch den RechtsCon=
sulenten zur Sicherung der
Hofärar. Interessen einen Con=
tract
über sämtliche Details
abschließen lassen, den ich seiner
Zeit vor der Unterzeichnung
dem h.p. zur Einsicht vorzule=
gen nicht unterlassen werde.
Die Bitte Heine’s wegen
Führung des obgenannten Titels
stelle ich gehorsamst befürwortend der h.
Entscheidung anheim.

Münch