Johann Baptist
Wallishausser I.
1757–1810
Gestochen von Theodor Mayerhofer (geb. 1855) nach einem heute leider verschollenen Ölgemälde, abgebildet in Mayer, Anton: Wiens Buchdrucker-Geschichte, Bd. II, Wien: Wilhelm Frick, 1887, S. 151. Der stets gut gekleidete Wallishausser I. zeichnet selbstbewusst als „bürgerl. Buchhändler, Buchdrucker und Verleger“.
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Die Vorfahren Johann Baptist Wallishaussers I. Der Stammvater der Familie Wallishausser in Hechingen ist der aus Hattenhofen in Oberbayern, zum Kreis Landsberg gehörig (wo auch ein Pfarrdorf Walleshausen liegt), gebürtige Bernhard Wallishauser [sic]. Er heiratete im Jahre 1649 (nach dem Ende des 30jährigen Krieges) Magdalena Kipftin aus Hechingen. Sie war leibeigen und besaß ihren Vermögensanteil von den Eltern, während sein Vermögen den Besitz von zwei Pferden ausmachte. Er muss dem Soldatenstand angehört haben, denn im folgenden Jahre ist einmal vom Wachtmeister Wallishauser die Rede. Im selben Jahr, und zwar am 1. 9. 1649, wurde der „ehren- und mannhafte Bernhard Walleshauser [sic!] aus Hattenhoven aus Oberbayern“ auf vierteljährige Kündigung als Stadtwachtmeister und Zoller in Dienst genommen und hatte die Wachen im Schloss, an den Stadttoren und auf der Stadtmauer aufzustellen. Ferner hatte er dafür zu sorgen, dass die Fremden, Reiter wie Fußgänger, an den Toren angehalten und wegen der an „unterschiedlich orthen besorglich crassierenden infectionskrankheiten examiniert“ und gegebenenfalls dem Oberamtmann oder den Räten vorgeführt wurden. Im Jahr 1654 wird er in das Hechinger Bürgerrecht aufgenommen. Sein Todesjahr wird mit 1660 angegeben. Einer seiner drei Söhne, Johannes Wallishauser, verheiratet sich am 14. Oktober 1673 mit Anna Maria, der ehelichen Tochter des Siebmachers Georg Ocker oder Obher. [Zollerheimat. Blätter zur Förderung der Hohenzollerischen Heimat- und Volkskunde, 8. Jg. (1939), Nr. 12, S. 76; weiters: Hohenzollerische Heimat, 1. Jg. (1951), Nr. 3, S. 47.] Das siebente der gemeinsamen neun Kinder war der am 1. Oktober 1684 geborene Mauritius Wallishausser, dessen Beruf nicht feststellbar ist und der sich am 27. 6. 1711 mit Christine Güntherin vermählte. Deren viertes Kind war der am 12. 2. 1717 geborene Antonius Wallishausser, der als Hafnermeister und auch als Hofhafner tätig war und am 23. 4. 1746 Maria Barbara Freidmannin heiratete. Dieser Ehe entstammten zehn Kinder, das siebente war der am 9. 7. 1757 getaufte Johannes Wallishauser, der spätere Buchhändler [Matriken des Katholischen Pfarramtes St. Jakobus in Hechingen am 9. Juli 1757].
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Von Hechingen nach Wien Für das Jahr 1782 heißt
es in der „Chronik der Stadt Hechingen“: „Johann Baptist Wallishauser
zog nach Wien und wurde dort Begründer eines angesehenen Verlags
mit Druckerei“ [Egler, Ludwig: Chronik der Stadt
Hechingen, Hechingen: Selbstverlag der Stadt Hechingen, 1980, S. 179].
Durstmüller formulierte: „Die Art und Weise, wie Johann Baptist
Wallishauser zum graphischen Gewerbe stieß, könnte Nestroy
erfunden haben. Er stammte aus Hohenzollern-Hechingen und war Kammerdiener,
als es ihn nach Wien verschlug.“ [Durstmüller,
Anton: 500 Jahre Druck in Österreich. Wien: Hauptverband der graphischen
Unternehmungen, (1981)–(1988). Bd.
I, S. 265] Nicht zu eruieren
ist, ob er allein kam oder mit einem seiner Herren. Anzunehmen ist jedoch,
dass er im Gefolge seines damaligen Herren nach Wien kam und erst hier
den Entschluss fasste, sich dem Buchhandel zu widmen. |
Kulturzentrum Wien In zeitgenössischen Beschreibungen Wiens heißt es: „Wien ist unstreitig eine von den herrlichsten, prächtigsten, und reichsten Städten Europens [sic]. Der kaiserlich königliche Hof; eine große Zahl der vornehmsten und ansehnlichsten Familien, die hier ansäßig sind; mehr als dreißig hohe und niedere Rathscollegien; etliche und funfzig Aemter und Kanzleyen, welche alle mit Präsidenten, Directoren, Räthen, Sekretarien u s. f. hinlänglich besetzt sind, lassen nebst einer Menge auswärtiger Gesandten, Minister, Residenten, Agenten, und vieler andern ansehnlichen Personen, leicht ein Urtheil von dem großen Aufwande fällen, der hier gemacht wird, das Geld in beständigem Umlauf bringet, und jedem Nahrungsstande zum Vortheil gereichet.“ [Weiskern, F. W.: Beschreibung der k. k. Haupt und Residenzstadt Wien, als der dritte Theil zur österreichischen Topographie. Wien: Joseph Kurzböck, 1770. S. 3f.] Der Verlags- und Buchforscher Karl Klaus Walther sah Wien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einer „kulturell führenden Rolle“ [Walter, Karl Klaus: „Eine kleine Druckerei, in welcher manche Sünde geboren wird“. Bambergs erster Universitätsbuchhändler. Bamberg: Universitäts-Verlag, 1999. (=Bamberger Studien und Quellen zur Kulturgeschichte, Bd. 1). S. 33.]. — „In Wien, der Hauptstadt der deutschen Größe, sucht man den Mittelpunkt der Wissenschaften. Die Wienstadt ist die Schule der Provinzen, sie ist die Gesetzgeberin des Nationalgeschmacks, sie ist das Muster Deutschlands.“ [Baumeister (Hrsg.): Über das Bethaus der reformierten Gemeinde, nebst einer Kritik über den Gräfl. Pallast auf dem Josephsplatz, mit vorausgeschicktem Eingang. Wien 1784. S. 24.] Oder wie der Dichter Alois Blumauer meinte: „Ist nicht Wien der Mittelpunkt, um den sich Deutschlands kleinere und größere Planeten drehen? Ist es nicht – zumal jetzt – das Augenmerk von ganz Europa. [...] wenn die deutsche Literatur, wie sie jetzt ist, noch weiter rücken soll, so müsse sie von Wien aus weiter geführt werden.“ [Alois Blumauer’s Sämmtliche Werke, IV. Wien: Moritz Stern, 1884. S. 252.] In einer Beschreibung der Stadt Wien aus dem Jahr 1797 läßt sich nachlesen, was die vielen Haushalte adeliger Familien im Jahr ausgaben: „18 fürstliche Häuser [...] jedes im Durchschnitt [...] jährlich 200.000 Gulden [...] ungleich größere Anzahl von gräflichen Häusern, die zwischen 50[.000] und 100.000 Gulden jährlich aufwenden [...] Die Häuser von Wechslern und Agenten [...] machen ebenfalls einen jährlichen Aufwand von 10[.000] bis 20.000 Gulden. Würden diese großen Häuser ihren Aufwand vermindern, so würde sich der Absatz der Natur- und Kunstproducte, folglich auch die Zahl, der Fleiß der Produzenten vermindern. [...] das Publicum muß es denen großen Häusern vielmehr Dank wissen, daß sie prächtig und freygebig zu leben fortfahren.“ [Neuster wienerischer Wegweiser für Fremde und Inländer, vom Jahre 1797. Oder kurze Beschreibung aller Merkwürdigkeiten Wiens. Wien: Camesina, 1797. S. 9 und 10.] Noch in der Zeit des Biedermeiers hatte „Oesterreich nächst England den reichsten Adel in Europa und einige adelige Häuser“ genossen „mehr Einkünfte als mehrere der deutschen Bundesstaaten zusammen“ [Wien, wie es ist. Erster Theil. Leipzig und Löwenberg, Eschrich und Comp., 1833. S. 18.]. Sicherlich hat Johann Baptist Wallishausser all diese Zitate nicht gelesen, aber sie sind vielleicht bezeichnend dafür, welchen Ruf Wien als größte deutschsprachige Metropole Europas damals genoss. Ein weiterer Grund, der Wallishausser bewogen haben mag, war die (vorübergehende) Liberalisierung des Buchhandels (auch für Ausländer) im Jahr 1781. Bereits im Februar dieses Jahres zirkulierten die von Joseph II. initiierten „Grund-Regeln zur Bestimmung einer ordentlichen künftigen Bücher Censur“. Der berühmte dritte Paragraph lautete: „Kritiken, wenn es nur keine Schmähschriften sind, sie mögen nun treffen, wen sie wollen, vom Landesfürsten an bis zum Untersten, sollen, besonders wenn der Verfasser seinen Namen dazu drucken läßt, und sich also für die Wahrheit der Sache dadurch als Bürge darstellt, nicht verboten werden, da es jedem Wahrheitsliebenden eine Freude sein muß, wenn ihm selbe auch in diesem Wege zukömmt.“ [Zit. nach Bodi, Leslie: Tauwetter in Wien. Frankfurt am Main: Fischer, 1977. S. 49]. Nach eingehender Diskussion der „Grund-Regeln“ durch verschiedene Regierungskommissionen wurden sie am 11. Juni 1781 in fast unveränderter Form veröffentlicht. Unmittelbar nach der Publikation dieses Zensurdekretes stieg in Wien das Erscheinen von Broschüren explosionsartig an, „wie es in der deutschsprachigen Literatur des 18. Jahrhunderts einzigartig ist“ [Bodi S. 117]. Johann Pezzl verglich in seiner „Skizze von Wien“ das „bekannte unzählbare Broschürenheer“ nach dem „kaiserlichen Handbillet über die Preßfreiheit“ mit einem „Heuschreckenheer“ [Zit. nach Bodi S. 117]. Zwischen April 1781 und September 1782 erschienen nach einer Schätzung von Johann Alois Blumauer (geb. 1755, gest. 1798) etwa 1200 Broschüren (die Nachdrucke nicht miteingerechnet; genau: 1172 Broschüren) [Alois Blumauer’s Sämmtliche Werke, IV, Wien: Moritz Stern, 1884, S. 252]. Anton Ferdinand Geißau oder Geusau listet in seinem „Alphabetischen Verzeichnis derjenigen Broschüren und Schriften, welche seit der erhaltenen Preßfreiheit herausgekommen sind“, Wien: Sebastian Hartl, 1782, zumindest etwa 800 Titel auf, nach Blumauer „Makulatur“ [Zit. nach Bodi S. 121], „heute gedruckt, morgen gelesen und übermorgen vergessen“ [Karoline Pichler, Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, 1844, I, 73]. Reinhart Wittmann sprach von einer „kaum überschaubaren Flut belletristischen und politischen, satirischen und insbesondere religionskritischen Tagesschrifttums“, „völlig einzigartig in der deutschen Literaturgeschichte“ [Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels, München: Beck, 1991, S. 14] und vom „modernsten Phänomen literarischer Produktion und Rezeption im 18. Jahrhundert“ [dass., S. 172]. Reinhart Meyer sprach in seiner Kritik von Claudio Sartoris „I libretti italiani a stampa dalle origine al 1800“ [in: Das 18. Jahrhundert, 21. Jg., H. 2, 1997, S. 211], von Wien als von einem „europäischen Kulturzentrum“ – in keiner anderen deutschen Stadt des 17. und 18. Jahrhunderts wurden dermaßen viele Theaterstücke geschrieben oder Opern komponiert. Wien hatte „eine gar nicht zu überschätzende Bedeutung für die deutsche Literatur-, Musik-, Theater- und Kulturgeschichte“ [Meyer, dass., S. 212]. |
Die Geschäftsära Johann Baptist Wallishaussers I. (1783/84–1810) Mayer schreibt in seiner Buchdruckergeschichte:
„Seine besondere Vorliebe für Lectüre und der dadurch veranlasste
Ein- und Austausch von Büchern brachte in ihm den Plan zur Reife,
sich in Wien als Antiquariats-Buchhändler niederzulassen.“
[Mayer, Anton: Wiens Buchdrucker-Geschichte. Wien: Frick,
1887. Bd. II, 150, leider ohne genauere Quellenangabe] Ein halbes Jahr später, am 19. April 1784, erhielt Wallishausser die „Dispensation von seiner auswärtigen Geburt“ als „Büchertrödler“ [WStLA, Hauptregistratur 1783–84, H–Z, B ½, S. 518, Fasc. 8/407/784, Akt leider nicht mehr vorhanden]. Wallishauser gibt nicht auf. Er sucht nun nach einer anderen Möglichkeiten, sich mit dem Verkauf von Büchern beschäftigen zu können. Nicht lange danach, nur ein dreiviertel Jahr später, kauft er sich einen Trödler-Kammerschein:
„Den 6. Juni 1784 hat Herr Johann Baptist Wallishauser durch producirten Kammerschein dato 20. Mai 1784 dargethann, daß er von der Frau Sabina Zwerenzin ihren bürgerlichen Stadt Tändler Kammer Handel erkauft habe, und ist vom h[och]l[öblichen] (Untervorsteher) Georg Wolfinger vorgestellt worden, hat auch die Gebühr erlegt mit 24 Gulden der Frau Zwerenzin sind die zu erlegen gehabte 4 Gulden wegen von ihrem Ehewürth dem Mittel in vorigen Zeiten geleisteten Diensten nachgesehen worden“ [WStLA, Innungsbücher 53/1, Aufnahmebuch Tandler 1626–1858]. Sabina Zwerenz war Gattin eines Versatzamt Schatzmeisters und verstarb am 5. Jänner 1788. In ihrer Verlassenschaftsabhandlung ist genau festgehalten, dass ein Betrag von 850 Gulden, der als Kaufpreis festgelegt war, von J. B. Wallishauser zu entrichten war: „[...] eine von dem H[och]l[öblichen] Johann Wallißhauser der wegen des von unserer Mutter Sabina Zwerenzin seel. verkaufter Bürgerl: Stadt=Tandler Gewerb. samt Vorrath den 1ten April 1784 ausgestelt mit jährlichen Ratis per: 100 f [Gulden], nebst 4 procento Interehse [Zinsen] zubezahlen vorgesehene Obligation per: 850 f [Gulden] annoch haftend pr: 550,- Mit Interehse von 1ten bis 6ten Jenner 1788 a 4 proc. 22 Kreuzer“. Außerdem erfährt man aus diesen Verlassenschaftsunterlagen, dass Wallishauser sich (zu einem ungenannten Zeitpunkt) zusätzlich 350,- Gulden ausgeliehen hat. Auch die Zinsen dieser Schuld, die in den wenigen Tage vom 1. bis zum 6. Jänner 1788 erwuchsen, werden genau vermerkt: 14 Kreuzer. [WStLA, Officiosa [Zivilgerichtsakten] Akt/Fasz. 2/44/1788] Die Tandler waren sehr straff organisiert.
Es gab eigene Tandlerstatuten, die ersten im Jahre 1623 mit neun Artikeln.
Die zu Wallishausers Zeiten aktuellen Statuten
hatten bereits 17 Artikel und galten seit 1761. Die Zahl der Tandler war
im Stadtgebiet auf achtzehn beschränkt. Jeder der 18 Stadttandler
hatte auch einen Stand. Ein Nicht-Bürger war als Tandler „gänzlich
verboten“ [WStLA Innungsbücher B53/2, Statuten
der Tandler]. Deshalb hatte Wallishauser auch um eine „Dispensation
von seiner auswärtigen Geburt“ angesucht. Im Archiv der Stadt Wien
[Buch B 10/1785, Steuerbücher unbehaustes Catastrum]
findet sich auf S. 23 der „Dandler in der Stadt“ Johann Baptist Wallishauser,
mit einer Steuerleistung von 8 Gulden, desgleichen [Buch
B 10/1785, Steuerbücher unbehaustes Catastrum] zwei Jahr später.
(Zum Vergleich: Mit dieser Steuerleistung lag Wallishauser im Mittelfeld.
Andere Tandler zahlten beispielsweise 18, 11, 10, 9, 8, 7 und 3 Gulden.
Die Gesamtsteuersumme aller 16 bis 18 Tandler betrug etwa 150 bis 154
Gulden). |
Familiengründung Nun war er Wiener und hatte sich eine Existenz aufgebaut. Das Geschäft befand sich an einem guten Platz in der Spenglergasse. So konnte es nicht ausbleiben, dass er an eine Familiengründung dachte. Der Heiratsvertrag, den Wallishauser mit der zehn Jahre jüngeren Maria Anna Katharina Fischer abschloss, wurde am 21. Juni 1784 den Behörden übergeben [WStLA, Offiziosa 1783/Buchst. I–Z, Fasz. 3/31/1784]. Die Braut brachte 500,- Gulden, ein Geschenk ihrer Mutter, als Mitgift in die Ehe ein (Punkt 2 des Heyraths-Kontraktes). Der zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alte Bräutigam brachte 1000,- Gulden „baares Geld“ Heiratsgut als „Wiederlage auf Überleben“ ein (Punkt 3 des Heyraths-Kontraktes). „Aus besonderer Liebe“ (und diese Aussage beruht vermutlich auf der Wahrheit) brachte er noch „seine bürgerliche Handlung“ in die Ehe ein, „dergestalten jedoch, daß unter bemeldeten Handel ausser der Freyheit und Gerechtsamen und Waaren Lager nicht bestanden seyn“ (Punkt 4 des Heyraths-Kontraktes). „Der überlebende Theil“ der Ehegatten sollte „der Haupt-Erb, und den etwa aus dieser Ehe übrig bleibende Kinder nichts als den Pflicht Theil hinaus zu geben schuldig seyn“ (Punkt 6 des Heyraths-Kontraktes) [WStLA, Officiosa, I–Z, Repertorium in Abhandlungs- und Waisensachen vom 1. November 1783 bis letzten Dezember 1784, Numerus des Exhibit 15206, Fasc. 3/31]. Die Ehe wurde am 27. Juni 1784 in der Pfarre Sankt Peter geschlossen, Wallishauser wurde damit auch der Vormund seiner minderjährigen Ehefrau [Trauungs-Matrikel St. Peter liegen in der Pfarre St.Michael ein, Fol. 13 Rz 31]. Als seine erste eruierte Wohnadresse wird im Trauschein Tuchlauben 575 (heutige Nummer 10) angegeben, die Braut wohnte am Graben 589 (heutige Nr. 27, Parfümerie Nägerle & Strubell). Als Mitunterzeichner des vorhin erwähnten Ehevertrages und im Trauungsbuch der Pfarre St. Peter von 1784 scheint als Trauzeuge Georg Engel, Maitre Tailleur, auf. Georg Engel war offenbar ein guter Freund Wallishausers, auch wenn er ihn im August 1796 wegen ausständiger Geldforderungen verklagte. Vier Monate nach der Eheschließung,
am 30. Oktober 1784, leistete Wallishauser den Bürgereid. Im Bürgereidsbuch
unterfertigte er wie folgt: „Johann Baptist Wallishausser, bürgerlicher
Statt Tändler, [von] Georg Erhardt als Vorsteher vorgestehlt [sic]“
[WStLA, Bürgereidsbücher vom 12. Jänner
1782 bis 18. Dezember 1788, S. 117, 30. September 1784]. Hier unterzeichnete
er erstmals mit "Wallishausser", wechselte
aber in der Folgezeit noch unter den beiden Versionen. „Johann Wallishauser,
Stadttändler, alda [Kohlmarkt] Nr. 138“ lautet der entsprechende
Eintrag in der Wiener Zeitung [WZ Nr. 82, 13. Oktober
1784, S. 2328]. |
Die ersten Geschäfts- und Wohnadressen Um 1785 ist Wallishausser als Buchtrödler oder Antiquar mit seiner ersten Geschäftsadresse „unter den Spänglern“, „neben der schönen Ungarin“, (Ladenschild in der Bognergasse), also neben dem Eckhaus nachzuweisen [de Luca, Ignaz: Wiens gegenwärtiger Zustand unter Josephs Regierung. Bd. II. S. 31, Bücherantiquarien]. Spängler- oder Spenglergasse hieß vor 1862 der Beginn der heutigen Tuchlauben, die früheren Tuchlauben (bis 1862) begannen einst ungefähr in der Mitte der heutigen Tuchlauben und führten zum Hohen Markt [Kisch I, 136; Czeike, Felix: Hist. Lex. d. Stadt Wien, V, 486].
Diesen Eintrag finden wir in „Wiens gegenwärtiger Zustand unter Josephs Regierung“, 2. Band, erschienen 1787 bei Philipp Wucherer. Auf Daniel Hubers Wien-Plan „Scenographie“, gezeichnet 1769–1773, gedruckt 1778, können wir das Haus Ecke Spänglergasse – Bognergasse sehen, in dem Wallishausser sein Antiquariat hatte. Die Gasse rechts ist die Bognergasse. Bei der Beschriftung Pauterthor (Pailertor) senkrecht findet sich die Spänglergasse.
Die erste gemeinsame Wohnadresse
nach der Eheschließung 1784 war Bognergasse 224. Wie im Biedermeier
üblich zog die Familie um, sobald eine Wohnung abgewohnt war. So
erklären sich die vielen Wohnadressen.
Der Eingang in das Geschäft Wallishaussers dürfte sich in der Wallnerstraße 2 befunden haben [Messner II, 48]. In diesem Hause befand sich auch die Trattnerische Buch- und Zeitungshandlung [de Luca, Ignaz: Beschreibung der kaiserl. königl. Residenzstadt Wien. Wien: Kurzböck, 1785. S. 167] des Sohnes des Johann Thomas Edler von Trattnern, Joseph Anton Trattner, Buchhändler seit 1777 [WStLA, Repertorium zu den Merkantil-Dokumenten I, 1763–1797, fol. 217].
Ein für die Buchhändler
und Buchdrucker wichtiges Hofdekret ist im N. Ö. Gewerbe-Register
im Jahre 1786 unter dem Buchstaben B vermerkt: Buchdruckereien Bestimmung
Hofdekret für Buchhändler. Laut den Akten im Niederösterr. Landesarchiv [NÖLA 1787, A–Z, S. 21, Aktenzahl 4379/A 16] suchte Johann Baptist Wallishausser schon 1787 um Verleihung einer „Buchhandlungsfreiheit“ an. Es ist beachtlich, mit welcher Ausdauer und Zähigkeit Wallishausser innerhalb von 4 Jahren sich Schritt für Schritt seinem Ziel genähert hat, in Wien ein etablierter Buchhändler zu werden, angefangen mit der Befreiung von seiner ausländischen Geburt, der Aufnahme in den Bürgerstand, Eheschließung mit einer Wienerin, Geschäft und Wohnung an einer "feinen" Adresse – Kohlmarkt war sehr klug gewählt, da die Nähe der Burg ein reges Passantenaufkommen ahnen läßt und sich hier ein Geschäft an das andere reihte. Im selben Jahr beginnt Wallishausser mit den Anzeigen in der Wiener Zeitung.
Die erste gibt er am 25.8.1787 auf, sie beinhaltet 17 Schauspiele, darunter „Die Räuber“ von Friedrich Schiller. Die meisten Schauspiele sind in seinem Verlag erschienen, obwohl er noch keine Buchhandlungsfreiheit hatte, jedoch bereits eifrig verlegte. In einer Gemeinschaftsanzeige für den „Wr. Taschenkalender für das Jahr 1789“ am 19.11.1788 scheinen Trattner und Mößle, Hörlinger und Gräffer, Wappler und Wallishausser usw. auf. Dies läßt darauf schließen, dass er sich schon einige Geschäftsfreunde erworben hat. Am 6.12.1788 erscheint der 1. Band der hinterlassenen Werken von Friedrich II., König von Preussen. Dieses Werk wächst bis 1792 auf 30 Bände an. Es haben sich sicher Interessenten gefunden, aber waren es so viele, dass sich diese Auflage rentiert hat? Am 15.9.1790 erscheint Wallishausser das erste Mal als Herausgeber des „Wiener Taschenkalenders zum Nutzen und Vergnügen auf das Jahr 1791“ (Näheres siehe Werksverzeichnis), auch seine diversen ausländischen Geschäftsbeziehungen werden in diesem Jahr erwähnt. 1792 annonciert Wallishausser die Wienerische Landbibliothek, eine über drei Seiten gehende Einschaltung, und es gibt auch immer wiederkehrende Gemeinschaftsanzeigen mit anderen Buchhandlungen. Die Graphik gibt uns auch Aufschluss darüber, in welchem eingeschränkten Masse Wallishausser die Krisenzeit über annoncierte. Wallishausser wird Buchhändler Am 23. 7bris [September] 1788 sucht Wallishausser neuerlich um „Verleihung des Buchhandels“ an, die am 26. September 1788 [WStLA, Merkantilakt W 48 / 1. Reihe 1810] mit nachfolgender „Bewilligung für Buchhandlungsfreiheit“ erfolgte. [WStLA, Repertorium zu den Merkantil Dokumenten B.I 1783–1797; Nö. LA Gew.Reg. A 1788/B VII Buchstaben H–Z, 38 und 129; A 1789/A–Z 8, Nö. Reg. Nr. 9, Buchstabe „W“]. Es wird festgehalten, dass er ehebaldigst sein Tandlergewerbe zurückzulegen habe. Jedoch erst ein Jahr später, am 20. August 1789, gab Wallishausser seinen „Kammerhandel“ an einen gewissen Herrn Häschritt weiter [WStLA, Innungsbücher, Verzeichnis aller bürgerlichen Händler S. 58]. Gleichzeitig findet sich die letzte Steuerbelegung als Trödler [Niederöst. Landesarchiv A 1789, A–Z, S. 38, Aktenzahl 112/A 115, S. 1f]. Im Jahr 1788 wird auch seine Tochter Anna Maria Katharina geboren, die später auch unter der Aegide Theresia Wallishausser im Geschäft mitarbeitete und eine große Hilfe für ihre Stiefmutter war. Erst 1820, nachdem ihr Bruder J. B. Wallishausser II. die Geschäfte übernommen hatte, heiratete sie Johann Nepomuk Passy aus der bekannten Schriftstellerfamilie Passy. |
Im März 1790 strengte J. B.
Wallishausser gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten eine Klage gegen
die Lohnkutscher an, da diese die Gehenden behindern und die Schaufenster
verstellten. „Die Innhaber der Wohnungen und Gewölben
in der Stadt in den Hauptstrassen haben hi[e]rorts anschlüssige Bittschrift
um Abschaffung der Vorstadts Lehen Kutschern vor ihren Wohnungen und Gewölben
eingereicht.“ So steht es in einem achtseitigen Akt der Polizei
Hofstelle. [Öst. Staatsarchiv, Polizei Hof-St., Perger
Akte XI B32] Am 13.9.1790 wird als fünftes
Kind in der Stadt 1147 (heute Dorotheergasse 6) Johann Baptist Georg geboren
[Taufbuch Pfarre St. Michael]. Dieser Sohn setzte
ab 1820 als Nachfolger der Stiefmutter Theresia Wallishausser die Tradition
der Buchhandlung fort. Wie aus einigen Anzeigen in der Wiener Zeitung ersichtlich, pflegte Wallishausser einen regen Geschäftsverkehr mit ausländischen Buchhandlungen. Leider sind uns außer den Namen und den Standorten der Geschäftspartner keine detaillierten Geschäftsbewegungen bekannt. Nur einmal hatten wir das Glück, genaue Abrechnungen über eine dieser Verbindungen zu finden. 1791–1798 war die Firma Montag et Weiss in Regensburg ein wichtiger Geschäftspartner von Johann Baptist Wallishausser. Über einige Jahre können wir die Bücherlieferungen, hauptsächlich seiner eigenen Verlagswerke, an diese Buchhandlung verfolgen.[Deutsche Bibliothek in Leipzig, Sign. 17/158-161] Die Kontenabrechnungen sind uns erhalten geblieben, ebenso einzelne Briefe, und hier ist es interessant, über die verschiedenen Arten des Transportes zu lesen. So wird gemeinsam mit dem Buchhändler Schaumburg das Bücherpaket per Schiff gesendet. 1835 wurde die Buchhandlung Montag et Weiss von G. J. Manz übernommen. |
Wallishausser als Nachdrucker Der unbekannte Verfasser eines
1791 in Halle erschienenen Buches mit dem Titel „Reisen durch Ungarn und
Deutschland“ rechtfertigte den Nachdruck mit dem seiner Ansicht nach zu
hohen Preis der Originalausgaben. „Wer weiß, ob sich die Aufklärung
in Ungarn und in Österreich ohne Herrn Trattner so stark entwickelt
hätte?“ [Zitiert nach Kókay S. 78]. Zu diesem Thema haben wir in der
Wiener Zeitung eine „Ankündigung“: „Man weiß,
daß in Berlin eine deutsche Auflage von Voltair’s sämtlichen
Schriften erscheint, und daß jeder Band derselben 2 Gulden kostet.
Dieser hohe Preis hat eine auswärtige Buchhandlung bewogen, sich
um jenen Theil des lesenden Publikums, welchem die Berliner Auflage zu
theuer ist, ein nicht unwesentliches Verdienst zu erwerben, und solchemnach
von den Werken dieses allbekannten Schriftstellers einen viel wohlfeileren
Abdruck der Berliner Auflage zu veranstalten. Von diesem Abdruck ist bereits
der erste Band hier angekommen und bey Unterzeichnetem in Kommission zu
haben. Die Auflage selbst ist in Median Oktav, auf saubern Papier, mit
reinen Lettern abgedruckt, und der erste Band ist mit dem wohlgetroffenen
schönen Portrait des berühmten Verfassers geziert. Da von dieser
Auflage nichts einzeln verabfolget wird, und kein Exemplar defekt werden
darf; so ist erforderlich, daß bey jeder Ablieferung eines Bandes
stäts auf den folgenden die Vorauszahlung gegen Quittung geleistet
werde. Jeder Band kostet nicht mehr als 36 kr. Bey Aushändigung des
ersten wird mithin zugleich der nämliche Betrag für den folgenden
erlegt, und diese Ordnung wird, bis zu Ende der ganzen Sammlung, beybehalten.
Die Pränumeration wird bey Unterzeichnetem, welcher den Kommissionsverschleiß
Auflage für die k. k. Erbländer übernommen, gegen alsogleiche
Ablieferung des ersten Bandes und gegen Schein auf den zweyten, mit 1fl.
12 kr. angenommen, der auch für die richtige Ablieferung haftet.
Den 21.Oktober erscheint der zweyte Band und diesem wird alle 3 Wochen
einer nachfolgen. Wien den 29. September 1789. |
Ein Bericht über Wiens Buchwesen von 1793 Hochinteressant ist die Beurteilung der Wiener Buchhandels- und Buchdruckerszene in den anonym erschienenen „Vertrauten Briefen zur Charakteristik von Wien“ von 1793: „Die beste Buchhandlung ist die Gräfersche auf dem Jesuitenplatz, wo man die besten Werke des Auslands findet, und wo man mit Bescheidenheit, und zuvorkommender Höflichkeit; zwo seltene Metavre bei der Wiener-Buchhändler-Zunft! Gerne, und bald bedient wird. Nach dieser sind die Kurzbekische, Wapplerische, Stahelsche und Degensche, die einige gute Verlagsschriften geliefert, aber selten einen Vorrath von ausländischen Werken des Geschmacks haben. Fremde beklagen sich mit Recht, über die unhöfliche Begegnung der Herren und Diener der litterarischen Magazine, die oft eine unanständige Sprache führen, und den Mann blos nach dem Kleide, und der vollen Börse beurtheilen, aber freilich giebt es ja in dieser Zunft, Edle Herren (den Namen nach,) und Ritter des heiligen Römischen Reichs, die Ihre Ritterzüge gegen die Makulatur-Ballen gemacht, und ihre ritterliche Ehre an gutwillige Autoren verpfändet haben. Viele so genannte Buchhandlungen, handeln mit Contrebande, und treiben das Gewerbe der Nachdrucker, an ihrer Spitze steht der Edle von Trattner, der sich durch seine Ehrliche Praxis, NB. Nach dem Catechismus aller Leute, die sich an fremde Haabe vergreifen – Haus und Hof, Geld und Gut, Kinder und Rinder, und alles, was zur Leibes Nahrung und Nothdurfte gehört, erworben hat. Seine edlen Cumpane Schneider in Carlsruhe, Göbel, der Troppauer Fabrikant [Traßler, Anm. O. S.], der die Werke des Genies durch abscheuliche Sprach- und Drukfehler verhunzet hat. Ein Sammer und Rehm, die Niederlagen von Löschpapier aus Carlsruhe haben, und ein Wallishäuser [!] zu Wien, der sich durch den Nachdruck der Werke Friedrichs des Großen versündigt hat, haben es durch alle ihre Kniffe und Pfiffe, nicht so weit als dieser Original-Kniffkopf bringen können, der sogar die Götter des Olimps, auf die Zinne seines Hauses postiert hat.“ [Vertraute Briefe zur Charakteristik von Wien. Görlitz, bei Hermsdorf und Anton, 1793, Erster Theil, S. 208–09.] Über die Ausübung des
Buchhändlers galten damals folgende Bestimmungen: |
Bedeutung des Theaterwesens im 19. Jahrhundert In einer Zeit ohne elektronische Medien kam dem Theater ein höherer Stellenwert zu als heute. Diese Feststellung dürfte für Wien besonders zutreffen: „Das Schauspiel ist der Mittelpunkt des Wiener Lebens. Der Stolz, die Sehnsucht und das Vergnügen der Wiener. Was dem Pariser die Journale, das sind dem Wiener die Theaterzettel. Er studiert, glossiert und memoriert sie. [...] Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Wiener Theaters war der Mangel an vielen sonstigen geistigen Instituten. [...] Das Theater ist hier noch ein geistiger Mittelpunkt, nicht bloß ein Ort der Unterhaltung wie in vielen anderen Städten.“ [Laube, Heinrich: Reisenovellen, Bde. 1–2: Leipzig: Wigand, 1834: Bde. 3–4: Mannheim: Hoff, 1836, zitiert nach „Reise durch das Biedermeier“, Wien: Andermann, 1946, S. 297 und 299f.]
Das alte Burgtheater am Michaelerplatz Theaterzettel Die Theaterzettel des späten
18. und frühen 19. Jahrhunderts – vor allem der Hoftheater
– stellen neben ihrem informativen Wert auch eine Fundgrube an Kuriositäten
dar. Zuweilen wurden sie gleichsam als Mitteilungsblatt verwendet: Neben
Hinweisen auf besondere Veranstaltungen, wie Bälle während des
Faschings oder musikalische Akademien, bat die Hoftheaterdirektion auch
immer um Verständnis für Debutanten, sowie sie auch Erkrankungen
von Schauspielern meldete. Geänderte Einlasszeiten und Eintrittspreise
wurden angekündigt, ebenso wie die besondere Verwendung des Eintrittsgeldes,
z. B. als Benefizien für Autor und Schauspieler, mitgeteilt wurde.
Weiters fanden sich oft Hinweise auf die Buchhandlungen, wo näher
Interessierte die Textbücher oder das Notenmaterial erwerben konnten.
Auch die Gründe für eine eventuelle Spielplanänderung,
unter anderem auch Nichtgefallen des Stückes beim Publikum, waren
nachzulesen. Die Verlautbarung von Verlust und Fund persönlicher
Gegenstände gibt das beste Beispiel des Kommunikationscharakters
dieser Theaterzettel [Grossegger, Elisabeth: Das Burgtheater
und sein Publikum. Bd. 2, Halbband 1, S. 388]. Bereits 1793 bis 1795 übernahm Wallishausser den Druck der National-Hoftheater-Stücke [Wiener Zeitung, 2.3.1793, S. 16]: Ankündigung Mit Vergnügen mache
ich dem hochschätzbaren Publikum bekannt, daß ich, vermög
Kontrakt, den Druck und Verlag der neu aufzuführenden Originaltheaterstücke
auf 3 Jahre von der k. k. National-Hoftheater Regie übernommen habe.
Es wird daher in Zukunft jedes auf dem k. k. National-Hoftheater neu aufzuführende
Stück bey der ersten Aufführung sowohl in meiner Buchhandlung,
als auch bey beyden k. k. Theaterkassen und Logenmeistern zu haben seyn;
auch diejenigen Stücke, welche zwar schon auswärtig gedruckt
sind, und doch in dem k. k. Hoftheater aufgeführt werden, werden
ebenfalls von mir neu aufgelegt, und auch bey mir und an oben genannten
Orten zu haben seyn. Da ich mir es bey allen meinen Unternehmungen zur
ordentlichen Regel mache, dem hochschätzbaren Publikum alle meine
Ausgaben auf eine erleichterte Art in die Hände zu liefern, so habe
ich mich auch hier entschlossen, einen ordentlichen Weg der Subscription
vorzuschlagen. Man subscribirt nähmlich bey mir Endes Genanntem auf
das ganze Jahr 1793 mit 1 fl. und zahlt bey der Abnahme für jedes
neu erscheinende schon broschirte Stück 12 kr. Sollte es sich aber
ereignen, daß neue Stücke aufgeführt würden, von
welchen die Herren Autoren die Auflage derselben der hiesigen k. k. Hoftheater
Regie nicht überließen, so werden diese Stücke gleich
bey ihrer auswärtigen Erscheinung von mir in meiner gleichförmigen
Auflage nachgedruckt werden. Unterm Jahre kann aus der Subscription nicht
ausgetreten werden, und nach verflossenem Jahre ersucht man diejenigen,
welche etwa austreten wollten, solches auf ihre Scheine vormerken zu lassen,
wo sie alsdenn für ihren Subscriptionsbetrag fünf nach einander
folgende neue Stücke erhalten. Die Anzahl der neu erscheinenden Stücke
kann eigentlich nicht angegeben werden, doch kann sich solche beyläufig
von 15 bis auf 24 Stücke belaufen. Jedes neue Stück ist am Tage
der ersten Aufführung zu haben, und kostet außer der Subscription
bey mir und den k. k. Theater-Kassen und Logenmeistern 17 kr. Es sind
zwar für dieses Jahr schon drey neue Stücke durch die k. k.
National-Hoftheaterregie gedruckt worden, nähmlich 1) Das Incognito,
ein Originallustspiel in vier Aufzügen, von F. W. Ziegler. 2) Die
Kriegslist, ein Lustspiel in einem Aufzuge, von M. S. Weickard. 3) Der
Kerkermeister von Norwich, ein Schauspiel in vier Aufzügen nach einer
wahren Begebenheit; und obwohl diese Stücke in ungleichen Auflagen
erschienen sind, so wird meine Ausgabe doch durchaus schön, in gleichem
Formate und korrect, so wie mein schon gegenwärtig bestehendes Bürgerglück
erscheinen. Man wird jeden Jahrgang in Bände nach der Bogenzahl eintheilen,
so daß ungefähr vier bis fünf Stücke einen Band ausmachen
werden, wozu ein Titel und schönes Titelkupfer, von Herrn K. gestochen,
geliefert werden wird, welches die Herren Subscribenten um 7 kr., die
nicht Subscribirten aber um 10 kr. erhalten. – Die Herren Subscribenten
erhalten also bey ihrem Eintritte gegen Erlag 1 fl. den vom Verleger unterzeichneten
Schein und obige drey Stücke, jedes für 12 kr. – Längsten
in 14 Tagen erscheint ein neues Originalstück. Wallishausser wurde 1805 k. k. Hoftheatral Buchdrucker, namentlich auffindbar ist er erstmals am 16. Februar 1807 als „Theatral Buchdrucker“. Mit einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren stellte der Verlag, später die Druckerei, die Theaterzettel für beide Hoftheater über 60 Jahre her, und zwar bis zum Jahre 1868.
Theaterzettel vom 26. Februar 1807 1809 haben wir in der Wiener Zeitung [8.4.1809, S. 16] eine Ankündigung Mit Bewilligung einer hochlöbl. k. k. Hoftheater-Direktion, hat Unterzeichneter schon unterm 18. April v. J. angefangen, täglich einen dreyfachen Komödienzettel von obenbenannten Theatern herauszugeben, worauf alles enthalten ist, was die grossen Anschlagzettel enthalten, und auf diesen Zettel monatliche, viertel- halb- und ganzjährige Pränumeration angenommen. Der gnädige und gütige Beifall, welcher dieser Unternehmung bezeugt wurde, hat den Unternehmer bewogen, diesen Zettel ferner fortzusetzen, und einen zweyten Jahrgang, nähmlich vom 18. April 1809 bis zum 18. April 1810 täglich herauszugeben. Der Pränumerationspreis ist:
Wer selbige in seiner Wohnung zu haben wünscht, zahlt extra für das Hintragen:
In die Vorstädte
zu tragen kostet es ein Drittheil mehr. Zu mehrerer Bequemlichkeit
sind diese Zettel auch täglich Abends bey den Eingängen in die
Theater um zwey Kreuzer zu haben. Johann Baptist Wallishausser,
Lesekabinett Mit der Zeit gehend zeigte J.
B. Wallishausser Interesse an einem Lesekabinett. In welchem Jahr er es
eröffnete, ist uns nicht bekannt, im Vorwort der Bücherliste
der Leihbibliothek datiert er sie aber mit 1784. Die Lesekabinette kamen
aus Frankreich. In Paris kann man die Anfänge bis 1701 zurückverfolgen,
obwohl es sicher schon vorher vereinzelte Lesekabinette gab. In England
gab es die Circulating Libraries oder Reading Rooms. Als ihr Begründer
gilt mit seiner 1726 eröffneten Edinburgher Anstalt der schottische
Volksdichter Allan Ramsay. Herrn Binz am St. Stephansfreythof. Die Grenze zwischen Lesekabinett und Leihbibliothek war sehr verschwommen. In Deutschland und Österreich wurden die Lekturkabinette und Leihbibliotheken am Ende des 18. und in den ersten Dezennien des 19. Jahrhundert von der einsetzenden Reaktion aus Argwohn behelligt oder aufgehoben. Am 3. August 1798 untersagte ein Hofdekret für die gesamten Erblande alle Lesekabinette die „statt einigen Nutzen zu schaffen vielmehr schädlich geworden“ seien. Leihbibliothek Aus dem Jahr 1789 haben wir von Wallishaussers Leihbibliothek schon ein Bücherverzeichnis, in dem er angibt, bereits seit fünf Jahren eine Lese-Bibliothek zu führen. Es ist anzunehmen, dass sich die Leihbibliotheken aus den Lesekabinetten entwickelt haben und zu einer dauerhaften Einrichtung wurden. Die Bedingungen, unter welchen Jedermann dieser Leihbibliothek beitreten konnte, haben wir in einem LINK angeführt. Wieder hilft uns hier die Sperrs-Relation der Gattin aus dem Jahre 1799 weiter. Wir haben Aufzeichnungen in Form einer genauen Liste des Bücherstandes für die Leihbibliothek, und zwar:
Die Leihbibliothek verfügte
somit über 6.310 Bände. An der Gliederung können wir sehen,
wie sehr er sich dem Theater zugewandt hatte, eine Vorliebe, die er Zeit
seines Lebens beibehalten sollte. Er führte offenbar sogar eine Art
öffentliches Tage- oder Notizbuch über sämtliche erschienenen
Theaterstücke: Leopold von Sonnleithner schreibt in seinen „Materialien“:
„19.April Die Überraschung./.. kom.Oper /(Graveaux) oder in
1..A der Miethsmann/ N. d. Franz von Ihle. Notizen re.: Diese Operth kömmt
in dem Theater Almanach und in Wallishausers geschriebenen Tagebuche nicht
vor ...“ [Materalien zur Geschichte der Oper
und des Ballets in Wien. 1te Abtheilung: Die k. k. Hoftheater. Vermächtnis
des Herrn Dr. Leopold Edlen von Sonnleithner. 1873.] 1. Literaturgeschichte Auch die Benützungsbedingungen
sind uns bekannt: Aber auch die Leihbibliotheken fanden keine Gnade vor der Obrigkeit und ein Jahr nach dem Verbot der Lesekabinette erfolgte auch ein Verbot der Leihbibliotheken. Wir finden J. B. Wallishausser 1806 unter „öffentliche Leihbibliothek“ im Klosterneuburger Stiftsfreihof no. 1177. Die Wiederaufhebung des Verbotes erfolgte 1811, Wallishauser scheint sich jedoch ohnehin nicht streng an das Verbot gehalten und die Leihbibliothek nie ganz aufgegeben zu haben. |
Die Krise der Jahre 1794–1798 Schon im Jahre 1794 zeichnen sich
die ersten finanziellen Schwierigkeiten ab, obwohl die Pfändungen
„nur“ ca. 558 fl betragen. Es ist der Beginn dreier Krisenjahre, die im
Jahre 1795 ihren Höhepunkt erreichen. In diesem Jahr betragen die
Pfändungen 14.931 fl. Es sind nicht nur Krisenjahre, es sind auch
Kriegsjahre. Trotz dieser enormen Belastungen kämpft Wallishausser
und es ist bewundernswert, wie er mit allen Mitteln versucht, diese Misere
zu überstehen. Der Grund für den außergewöhnlich
hohen Geldbedarf Wallishaussers dürfte darin zu suchen sein, dass
er ab 1791 mehr als hundert Bde. der „Wienerischen Landbibliothek“ und
im Jahr 1795 nicht weniger als 60 Bde. der „Wiener Theater-Bibliothek“
verlegte, ein finanzieller Kraftakt, den der Verleger nur mit Mühe
verkraften konnte. Nicht zu vergessen der Nachdruck der Werke von Friedrich
II. von Preußen. Außerdem wurde er ja durch die bei den Zwangsversteigerungen
erzielten niedrigen Verkaufserlöse um die Chance gebracht, seine
Bücher mit normalem Gewinn zu veräußern. Unser heutiger Wissensstand reicht
nicht aus, um exakt zu beweisen, ob der Verleger dies trotz des schleppenden
Verkaufserfolges der „Landbibliothek“ oder wegen des guten Geschäftsganges
mit dieser Reihe getan hat, aufgrund der angespannten finanziellen Lage
des Verlages im Jahr 1795 dürfte es wohl eher so gewesen sein, dass
Wallishausser großes Vertrauen zu sich selbst hatte, die Flucht
nach vorne antrat und durch die Aufnahme weiterer Geldmittel die „Theater-Bibliothek“
in Angriff nahm, obwohl er dadurch den Schuldenberg nur noch vergrößerte. Gezwungen durch die schlechte finanzielle
Lage muss J. B. Wallishausser privat in die Vorstadt ziehen, da dort die
Mieten niedriger als in der Stadt waren. Er zieht in die Josefstadt 95,
Zum Blumenkorb, und dort wird am 23. 10. 1796 das 9. Kind Johanna geboren.
Die Patin ist Frl. von Hainke. In den Jahren 1795 und 1798 finden wir
ihren Vater Baron v. Hainke unter den Gläubigern Wallishaussers.
Beim Tod der Mutter wird er Curator der Kinder; diese Tatsachen lassen
den Schluss zu, dass wohl geklagt wurde, um seine finanziellen Ansprüche
sicherzustellen, er aber eigentlich keinen Streit mit dem Beklagten hatte. |
Tod der Gattin im Jahr 1799 Am 22. 4. 1799 starb Maria Anna
Wallishausser in der Stadt Nr. 1105 an Erschöpfung, nachdem sie drei
Tage vorher einem Sohn das Leben schenkte, der den Namen Franciscus Josephus
Antonius erhielt [Wiener Stadtarchiv, Offiziosa 1799,
Aktenzahl 2/1930/1799, Pfarre St. Augustin, Tauf- und Totenmatriken; und
1799/1448 22.4.1799]. |
Kauf der Druckerei im Jahr 1799 Die Personal- und Firmenunion von
herstellendem und vertreibendem Buchhandel war nur durch den Erwerb einer
Druckerei zu vollenden. Kauf und respect Verkaufs Kontrakt Urkund dessen sind dieses Kontraktes Über Doblier Peter (um 1767–Wien,
3.4.1799) konnte nicht viel eruiert werden: |
Sperrs-Relation von Maria Anna Wallishausser Nun wird die Sperre eröffnet und der Witwer ersucht Dr. von Hainke, als Curator für die minderjährigen Kinder aufzutreten. Es wird nun alles ganz genau aufgelistet. Das gesamte Inventar des Geschäftes, das Inventar des Haushaltes und auch die am Todestag von Maria Anna erstandene Buchdruckerei wird als Aktivposten bewertet. Wir haben die angeführten offenen Kundenkonten herausgegriffen, da sie einen Überblick über die verschiedenen weitverzweigten Geschäftsverbindungen von J. B. Wallishausser ergeben. Außerdem enthält die Sperrsrelation eine Inventarliste sämtlicher Bücher aus dem Lager der Buchdruckerei und der Buchhandlung mit Handgewölbe (Magazin). Erstaunlich ist es, wie intensiv Wallishausser an der Vermehrung seines Bücherbestandes gearbeitet hat. Vier Jahre nach dem Tiefstand seiner Finanzen verfügt er über einen Bestand von 54.540 Exemplaren, eine beachtliche Menge. Zwei Jahre nach dem Tod von Maria Anna wird das Inventar und die Schätzung erstellt. Im Jahre 1803 erfolgt die Abhandlung der Sperre. Bei den Einrichtungsgegenständen werden auch zwei Freundschaftsportraits erwähnt, die in der Sperrrelation von J. B. Wallishausser im Jahre 1810 nicht mehr angeführt werden. Er scheint die Portraits seinen ältesten Kindern geschenkt zu haben, seines dem ersten Sohn Johann Baptist und das der Mutter der Tochter Maria Aloisia. Sein uns erhaltenes Konterfei scheint dieses Freundschaftsbild zu sein.
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Viel Zeit zu trauern blieb Wallishausser sicher nicht, er stand nun mit 6 Kindern da, deren Mutter gestorben war. Die ältesten Töchter mussten schon fleißig mitarbeiten, um diese große Familie in Ordnung zu halten. Durch den Kauf der Buchdruckerei ist eine zusätzliche Arbeit auf ihn zugekommen. Nun fehlte noch die Bewilligung, um die Buchdruckerei unter seinem Namen betreiben zu können, vorläufig lief alles noch unter dem Namen Öhler im alten Lerchenfeld 5 [heute Josefstädterstr. 53] [Hof- und Staatsschematismus, 1800, S. 126, unter Buchdrucker, auch in den Jggn. 1801 bis 1803]. Öhler betrieb seine Druckerei ab 1799 nicht mehr, das Verlagsgewölbe hatte er in der Spiegelgasse [Mayer, Buchdrucker-Geschichte II, 403]. Die Anzahl und die Beschäftigung der Angestellten sind nicht leicht aufzufinden. 1801 ist ein gewisser Johann Nepomuk Schichel in der Position des Buchhalters angestellt und schon 1808 ist der spätere Faktor der Buchdruckerei Philipp Lowitsch bei Wallishausser beschäftigt. Wie in vielen Buchhandlungen üblich, konnte Wallishausser sich auch den Handel mit Portraits nicht entgehen lassen, zur damaligen Zeit eine sehr beliebte Art, seine bevorzugten Dichter oder berühmte Personen konterfeit zu sehen und zu besitzen. So ließ er einige Kupferstiche von berühmten Persönlichkeiten in seinen Büchern so adjustieren, dass er sie als Portraits auch einzeln verkaufen konnte.
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Genehmigung der Buchdruckerei im Jahr 1800 Am 11. März 1800 ist es nun soweit: Wallishausser erhält die Bewilligung zur Errichtung einer Buchdruckerei unter der Voraussetzung, dass er sich den bestehenden „Polizey- und Zensurgesetzen genau unterwerfe und demgemäß benehme“ [Niederöst. Landesarchiv A 1800, A–Z, S. 5, Aktenzahl 4353/A 15, 12401: „Wallishausser Johann Baptist priv. Buchhändler demselben ertheilte Erlaubniß eine Buchdruckerei zu errichten 11 März Magist. Be.“, Steuerleistung: 12 Gulden]. Wir finden die Buchdruckerei noch bis 1803 an obiger Adresse, 1804 lautet sie dann Haarhof 289. Schriftverkehr Viel Correspondenz konnte nicht gefunden werden. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass Wallishausser auch mit dem Herrn Theaterdirektor Goethe in Verbindung stand. von Wien Weimar Herrn Theaterdirecteur. Wien d. 24t März 800. Wohledelgebohrner Herr! Vermög meiner mit Hr. Ziegler k.k. Hofschauspie
= Seite 2 Seite 3 Joh Baptist Wallishauhser Goethe übernimmt 1791 die Leitung des Weimarer Hoftheaters, am 13.4.1817 erfolgt die Entbindung von der Leitung. [Lit. Nachw. Monographie Goethe v. Peter Boerner, rororo] |
Zweite Ehe mit Theresia Maria Anna Weinzetl Nun wenden wir uns wieder dem Privatleben
zu, da es eng mit dem Geschäftsablauf verbunden ist. Bis zur zweiten
Ehe wohnte Wallishausser mit seinen 6 Kindern in der Stadt 381 [heute
Wipplingerstraße 17]. Die zweite Trauung
Wallishausser war am 24. Jänner 1802 in der Kirche zu den neun Chören
der Engel, Am Hof, mit der zwanzig Jahre jüngeren Theresia Maria
Anna Weinzetl, (geboren am 4. 1. 1777 in Wien), wohnhaft im Hause ihres
Vaters Stadt 458 [heute Tuchlauben 3] [Trauungsmatriken,
Pfarre Am Hof 1802]. |
Ausweis des Fonds im Jahr 1802/03 Im Jahr 1802 wurde Wallishausser
„wegen Fondsausweisung“ aktenkundig [NÖLA A 1802,
A–Z, S. 17, keine Aktenzahl; WStLA, Repertorium zu den Merkantil-Dokumenten
I, 1763–1797, fol. 487]. Sicher mit großer Genugtuung schreibt er an das Hochlöbliches k.k. N:O. Mercantil und
Wechselgericht! Bitet seinen in Beylage A Joh. Baptist Wallishausser Buchhändler und Buchdrucker Am 17. März 1803 wird das Gesuch Wallishaussers angenommen und er wird daran erinnert, dass er auch seine Handlungsfirma binnen 8 Tagen anher zu überreichen habe [WSTLA Sign. A3/310, Merkantil-Akte W48].
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Die Bilanz von 1803
Bilance
Um ein Gefühl für den Betrag des Überschusses in der Bilanz zu bekommen, haben wir den Richtwert per August 2006 genommen. So macht der Guldenbetrag von 13.408 fl. 49 x umgerechnet € 173.510,10 aus. [Statistik Austria, Bemessungsgrundlage Aug. 2006]
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Das erste Kind aus zweiter Ehe,
ein Sohn, wird Wallishausser am 17.2.1803 geboren. Drei Monate später
ist der Kleine gestorben. Zu diesem Zeitpunkt wohnt Wallishausser wieder
am Kohlmarkt 266 [Matriken Pfarre St. Michael]. Der Eingriff der Obrigkeit in den
pesönlichen Spielraum war sehr groß. Am 30. April 1804 wird
ein Hofdekret erlassen, in dem verordnet
wird, dass nach einem Todesfall sämtliche hinterlassenen Bücher,
egal ob es sich um große oder kleine Büchersammlungen handelt,
genauestens erschlossen und dem Bücherrevisionsamt vorgelegt werden
müssen [Diözesanarchiv 1804]. |
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Standort Klosterneuburger Hof, Neuburger Gasse 1177 (1111), heutige Plankengasse 7 Nach der Aufhebung des Stiftes St. Dorothea durch Dekret Josephs II. fiel das Gebäude 1782 an das Stift Klosterneuburg [Kisch I, 102; Girardi, Margarete: Wiener Höfe einst und jetzt, Wien: Erwin Müller 1947, S. 115f. (mit falscher Datierung 1806–22)]. Während des Baues wurde auch vom Stift Kosterneuburg noch die Bezeichnung kleiner Dorotheerhof Richtung Dorotheum und großer Dorotheerhof Richtung Graben verwendet. Das Stift legte großen Wert darauf, dass der kleine Dorotheerhof 1804 fertiggestellt wurde. Hochlöbl. N.Ö Landesregierung Klosterneuburg d.1ten September 1804 Gaudenz Probst
Nach der Fertigstellung wurden die Gebäude als Klosterneuburger Freyhof bezeichnet, getrennt durch die neue Gasse. Über den Bau gibt es natürlich viele Handwerkerrechnungen, besonders interessant war der Fund des Ziegelverbrauches, ca. 1,822.000 Stück wurden benötigt. 45.000 Stück kosteten 864 f 30 xr. [Archiv Klosterneuburg, Karton 790, Nr. 1].
Klosterneuburger oder auch kleiner Dorotheerhof benannt, in der Neuburgergasse 1177 [Archiv des Stiftes Klosterneuburg, Planmappe 23, STAKI, PZ 356-362 Fassade]. „Die Wohnungen in den beiden schönen Häusern in der Neuburgergasse (erst 1864 wurde sie in Plankengasse umbenannt) gehörten zu den modernsten und komfortablesten in Wien und waren sehr begehrt“ [Röhrig, Floridus: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Neue Folge, Bd. 9, 1975. Wien. In Kommission bei Hermann Böhlaus Nachfolger, 1975. S. 57]. Wo sich der Eingang in die Wallishaussersche Buchhandlung und Leihbibliothek ganz genau befunden hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Da die Wallishaussersche Buchhandlung und Leihbibliothek bereits im Jahr 1805 genannt wird, und zwar vor Georgi [vor der Mietzahlung], kommt der 1806 erbaute große Dorotheerhof auf der Seite zum Graben hin, nicht in Frage, es muss demnach der bereits 1804 fertiggestellte Teil Nr. 1177 (=1111), heutige Plankengasse 7, Standort des Wallishausser-Geschäftes gewesen sein [Schimmer, Karl August: Ausführliche Häuser-Chronik der innern Stadt Wien, Wien: Matthäus Kuppitsch, 1849, S. 215; Messner, Robert: Die innere Stadt. Wien 1996. Bd. I, S. 203]. Aufgrund der Adressenangaben in Redl und Pezzl [Redl, Anton: Handlungs Gremium Schema d. Kaiserl. Haupt- und Residenzstadt; Pezzl, Joh[ann]: Beschreibung und Grundriß der Haupt- und Residenzstadt Wien. Dritte, vermehrte Auflage Wien: Degen, o. J. [1808 oder 1809]; Pezzl, Joh.: Beschreibung der Haupt- und Residenz-Stadt Wien. Vierte viel vermehrte Auflage Wien, 1816. Bey Chr. Kaulfuß und C. Armbruster. Gedruckt bey Anton Strauß] dürfte sich die Druckerei in der Spiegelgasse befunden haben. An dieser Adresse verblieb die Druckerei sicher bis zur Lösung des Vertrages mit dem Obersthofmeisteramt über den Druck der Theaterzettel. Die Adresse der Druckerei ist mit dem späteren Standort der „Theatraldruckerei Spiegelgasse 14“ ident [Häuser- Gassen und Strassen-Plan. Wien: Brüder Böhm, 1863]. Mit der Adresse Weihburggasse 982 ist Johann Baptist Wallishausser ab 1805 erstmalig als „k. k. Hoftheatral-Buchdrucker“ nachweisbar [Vollständiges Auskunftsbuch oder einzig richtiger Wegweiser in der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt, Wien 1805, S. 198; Durstmüller I, 265]. Im Jahre 1856 feierte die Wiener Theater-Zeitung, hrsg. von Adolf Bäuerle, ihr 50-jähriges Bestehen. In einem Absatz wird darauf verwiesen, dass Wallishausser im Jahre 1806 einen Ball gab. In dieser Anekdote wird auch deutlich, wie Wallishausser versuchte, die besten Leute mit wenig Geld zur Mitarbeit zu veranlassen. Wir haben noch ein weiteres Beispiel seiner Geschäftsgebarung: Ignaz Franz Castelli schreibt in den „Memoiren seines Lebens“: „... im Jahre 1805 erschienen meine ersten poetischen Erzeugnisse bei Wallishaußer in Wien auf Löschpapier mit Lettern, die so unrein waren, als wenn sie mit Tinte auf dieses Fließpapier geschrieben wären, unter dem Titel: Rosenfelds poetische Versuche.“ Wallishausser wird Castelli nicht viel oder gar nichts für seine Gedichte bezahlt haben. Er verlegte und förderte damit gleichzeitig einen jungen Dichter, wenn auch nicht in einer schönen Ausgabe. Folgender Ausschnitt gibt Auskunft über den Druck der Schweizerfamilie: „Ich ließ den Text auch gleich bei der ersten Aufführung bei Wallishaußer drucken und verlangte von diesem als Honorar nichts als 25 Freiexemplare ... Weigl hat seine Musik zur „Schweizerfamilie“ an alle Theater verkauft, mein Buch ging mit in den Kauf, da es für 30 kr. gedruckt zu haben war. Wallishaußer hat davon 6 Auflagen gemacht, und ich habe kein Honorar mehr gesehen, und das mit Recht, da ich bei der ersten Auflage keines forderte und auch keine Bedingungen für die folgenden festsetzte.“ [Castelli, J. F.: Memoiren meines Lebens. S. 129, 156.] Trotz allem Ärger blieb Castelli durch etliche Jahrzehnte hindurch in steter Verbindung mit dem Verlag Wallishausser. Auch Joachim Perinet schreibt in
einem Theaterstück sarkastisch über die Journal-Flut jener Tage:
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Tod der Tochter Aloisia Am 1.3.1806 stirbt 20jährig die älteste Tochter Aloisia. Wir haben keine Möglichkeit, das Leben dieser jungen Frau zu rekonstruieren, es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, dass es sehr arbeitsreich war. Beim Tod ihrer Mutter war sie 13 Jahre alt, als der Vater mit 6 minderjährigen Kindern das Leben meistern musste. Ein Großteil der Arbeiten in der Familie wurde sicher von ihr geleistet. Sie starb bei den Elisabethinerinnen auf der Landstraße. Der Vater verzichtete zu Gunsten der Geschwister der Toten auf sein Erbe, es handelte sich um nur 50 fl., das Erbe nach der Mutter. [WStLA, Officiosa 1806, W/S 188, Wallishausser Aloisia] |
Firmenstandorte Johann Baptist Wallishaussers I.
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Tod Johann Baptist Wallishaussers Nach einem Leben, das von Höhen
und Tiefen gezeichnet war, starb Johann Baptist Wallishausser I. am 22.
Februar 1810 in seiner Wohnung in der Stadt Nr. 1017 [Pfarre
St. Stephan, Sterbebuch 1810]. Das Testament lautet: Johann Baptist Wallishauhser als Testa Joseph Ernst als Erbetener Zeige Johann Gentilhuom Wallishaussers Gattin Therese besserte einen Tag nach dem Ableben Ihres Gatten das Testament zugunsten der sieben Kinder um ein Viertel ihres Anteils auf: p 23 Febr 810 Gemäß dem zitierten Verlassenschaftsakt hinterließ Wallishausser folgende Kinder aus erster Ehe: Maria Anna, 22 Jahre alt, Johann Baptist, 19 Jahre alt, Antonia, 16 Jahre alt, Johann, 14 Jahre alt, sowie Franz, 11 Jahre alt. Aus seiner zweiten Ehe mit Theresia, geborene Weinzettl, stammten noch die beiden Kinder Karl [Carl Paul] und Theresia (5 und 4 Jahre alt). Er verfügte testamentarisch, dass die Buchdruckerei und Buchhandlung so lange fortgeführt werden sollten, bis sämtliche Forderungen an die Verlassenschaft getilgt wären [Mayer, Buchdrucker-Geschichte. II, 151]. Damit sicherte Wallishausser den Fortbestand der Betriebe zumindest auf einige Jahre. (Beide Geschäfte waren mit Buch-, Wechsel- und anderen Schulden überlastet [zit. nach Mayer II, 151], wohl eine Folge der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse der Kriegsjahre 1805 und 1809). Der Wert der Buchdruckerei wurde von dem Universitätsbuchdrucker Matthias Andreas Schmidt mit 2036 Gulden beziffert. Hätte Therese Wallishausser alles (zum Schätzwert) verkauft, wäre ein Rest von immerhin 12.516 Gulden Bancozetteln geblieben, wovon die Witwe als Universalerbin freilich noch den sieben genannten Kinder ihre Pflichtteile auszuzahlen gehabt hätte [Mayer, Buchdrucker-Geschichte. II, 151]. Johann Baptist Wallishausser I.
hatte noch persönlich als Vormund und Kurator Dr. Cajetan Schöller
bestimmt. Nach dem Tod von J. B. Wallishausser am 22. Februar 1810 wird die Sperre eröffnet. |
Die Vermögenslage Johann Baptist Wallishaussers I. am Ende seines Lebens Anläßlich Johann Baptist Wallishaussers Tod wurde das gesamte Privatvermögen durch die Sperrs-Relation bis ins letzte Detail erfasst. Dies gestattet einen detaillierten Einblick in die Lebensverhältnisse des Verlegers und Buchhändlers. Es ist auffällig, dass er über 22 Gilets verfügte und auch sonst eine große Kleidungsauswahl für einen Bürgersmann hatte. Diese Sorgfalt bei der Kleidung scheint er aus der Zeit seiner Tätigkeit als Kammerdiener beibehalten zu haben. Einblick in sein Privatleben bietet der Ausweis der licitando verkauften Verlassenschafts-Sachen.
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Die Bilanz von 1810 BILANZ
f= Gulden, xr= Kreuzer Das wir in der Buchhandlung des Herrn Joh. Baptist
Wallishauser seel: das Waarenlager, und in der Buchdruckerey den Werth
desselben nach der uns vorgelegten Inventur revidirt den Bücher
und Cassa Stand untersucht, und obige Billanz hiemit richtig
befunden haben, bezeugen wir mit unserer eigenhändig Unterschrift. Wieder rechnen wir den reinen Handlungsfonds in Euro um. Für das Jahr 1810 beträgt der Umrechnungskurs 1 Gulden = 9,38 €. Der Handlungsfond von 12.593 fl 41 xr beträgt somit 118.132,60 € [Statistik Austria, Bemessungsgrundlage September 2006]. Diese Bilanz kann als Schlusspunkt des Lebens von J. B. Wallishausser I. betrachtet werden. Wir versuchten, aus den überreichen Unterlagen, die uns durch jahrzehntelange Forschung zur Verfügung standen, das Wichtigste herauszufiltern, um ein abgerundetes Bild über den Begründer der Wallishausser´schen Buchhandlung, des Verlags und der Druckerei aufleben zu lassen und seinen bemerkenswerten Lebensweg und Aufstieg vom Kammerdiener zu einem etablierten und angesehenen Buchhändler festzuhalten.
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