Johann Baptist
Wallishausser II.
Abbildung in Mayer, Anton: Wiens Buchdrucker-Geschichte, Bd. II, Wien: Wilhelm Frick, 1887, S. 197.
|
Über die Usancen des Buchhandels im 19. Jahrhundert gibt es ausreichend Literatur, aus der im LINK kurz zitiert wird [Wengler, Eduard: Erklärendes Fremdwörterbuch für Buchhändler, Leipzig 1855. – Wengler, Eduard: Usancen-Codex für Buchhändler und Geschäftsverwandte. Mit Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse und Rechtsfragen und Erklärung buchhändlerischer Ausdrücke, Leipzig 1859. – Schürmann, August: die Usancen des Deutschen Buchhandels und der ihm verwandten Geschäftszweige, Halle 1867. Zitiert nach: Das Memorandum der Leipziger Kommissionäre von 1846. Herausgegeben und eingeleitet von Thomas Keiderling. Mit einem Geleitwort von Brockhaus Kommissionsgeschäft. Kornwestheim bei Stuttgart: Brockhaus Kommissionsgeschäft, 1999. S. 75–87]. Die Wallishaussersche Buchhandlung war Zeit ihres Bestandes eine Verlagsbuchhandlung, also Sortimentsbuchhandlung und gleichzeitig Verlag. Es sind daher alle beschriebenen Gepflogenheiten sowohl von der Käufer- wie auch der Verkäuferseite interessant.
|
Johann Baptist II. gibt schon 1819 ein sehr selbstbewusstes Rundschreiben heraus, ohne die nötigen Bewilligungen von Amtswegen zu besitzen. Das früheste bekannte
(gedruckte) Geschäftsrundschreiben der Ära J. B. Wallishausser
II. Wien den 15. December 1819. Seit Jahren ging mein unablässliches Streben
dahin, durch einen guten Verlag meiner Handlung eine Grundlage zu geben,
wodurch sie in der Folge in die Reihe der vorzüglicheren Buchhandlungen
gestellt werden könnte. Ich habe seither einzig nur diesen Zweck
verfolgt, und ihm selbst manch andere Vortheile geopfert; desswegen unterliess
ich auch bis jetzt den Sortimentshandel, und führte mit den Buchhandlungen
ausser Oesterreich keine Rechnung. Von nun an soll diess geschehen und,
alle meine soliden Handlungsverwandten hiemit um Eröffnung eines
Conto geziemend ersuchend, enthalte ich mich einer Aufzählung von
Vorzügen, die den Character des Ausstellers in den gewöhnlichen
Circulären aussprechen sollen, ich glaube genug zu thun, wenn ich
gelobe, stets nach den Grundsätzen eines redlichen Mannes zu handeln,
und es, wie bisher, an Ordnungsliebe in jeder Rücksicht, an pünctlicher
Zahlung nicht fehlen zu lassen. Dass ich mein Wort halte, wird die Zeit
lehren, und ich wünsche nur mit eigenem Masse gemessen zu werden. [Fußnote: Im Laufe des vorigen Jahres
wurden durch diese Handlung folgende Artikel meines Verlags pro Novitate
versandt, und ich ersuche Sie hiermit dringend, genannter Handlung in
der bevorstehenden L. J. M. davon durchaus nichts zur Disposition zu stellen,
sondern alles, was sie nicht debitirten, oder auf feste Rechnungs behalten
wollen, in Natura zu remittiren, damit dieselbe im Stande ist, nach der
Messe mit mir rein abzuschliessen: Aglaja für 1820. – Castelli, dram.
Sträusschen 4r. – Cancellieri, Ceremonien. – Conversationsblatt.
– Grillparzer Ahnfrau. – Dessen Sappho. – Körner, dram. Beyträge,
3 Bde. – Liechtenstern, Uebersicht. – Passy, Odeon. – Schaffenberg, Wetteranzeiger.
– Weissenthurn, Graf Lohrenburg.]
|
Neuer Merkantilakt Vor der Übergabe des Geschäftes
musste noch die finanzielle Situation der Firma geklärt werden.
Wie wir uns erinnern, gab es acht Teilhaber. In der Zwischenzeit sind
drei der Kinder majorenn (großjährig) geworden, für
die vier minderjährigen Kinder bleibt die Vormundschaft Dr. Schöllers
bestehen. Es existiert ein aufschlussreiches Dokument und zwar eine
Eingabe von Dr. Schöller an den Magistrat der Stadt Wien um Genehmigung
des Testaments, in dem Theresia Wallishausser auf das ihr verbliebene
Viertel der Handlung zugunsten der fünf Kinder aus erster Ehe verzichtet.
Den Kindern aus erster Ehe bleibt nun je Kind ein Anteil von Fl 5.500
[das wären umgerechnet lt. Statistik Austria Dez. 2006 € 85.855,--],
den Kinder aus zweiter Ehe ein Anteil von Fl 4.050,--. Wie man daraus
ersehen kann, wurde das Erbe der Kinder von Dr. Schöller und Theresia
bestens verwaltet und vermehrt und die Witwe verhielt sich gegenüber
den Kindern aus erster Ehe ausgesprochen großzügig. Buchhandlungsbefugnis Freyh v. Töger Vom k:k: nö: Merkantil
und Wechselgerichte Zeugniss. Unterzeichnete Vorsteher des
bürgl. Buchhandlungs= Joh. Georg Binz, Phil. Jos. Schalbacher
|
Billanz
Wien den 14. März 1820 J.B. Wallishausser Carl Kupffer Joh. Georg Binz [Wiener Stadt- und Landesarchiv Sign. B 8/2, Repertorium Z:D: Merkantil Dokumente, Band II 1798–1823] Nehmen wir den Umrechnungskurs Dez. 2006 der Statistik Austria von 1 Gulden = € 15,61 für das Jahr 1820, so beträgt der Wert der Firma 11.146 fl 06 xr = € 173.990,62.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Der Schriftverkehr setzt sich fort, es gibt eine neuerliche Bilanz, der Merkantilakt ist auszugsweise als Link nachzulesen. Nur ein wichtiges Dokument aus dem Jahr 1815 heben wir heraus: Nach vorher gepflogenem Einvernehmen mit der
Hoch= Wien den 26. April 1815. Edler von Siber m.p. Col------------------------------------la-----------------------------tion Den 9. Juni 1820 wird Joh. Bapt.
Wallishausser in das Bürgerbuch der Stadt Wien aufgenommen. Vorgestellt
wird er von Joh. Georg Binz, Vorsteher des Buchhändler Gremiums [WStLA
B 12/1820 Bürgereids-Buch 1820. S. 152].
Anzeige Meiner Firma, die ich bey der mir hierorts
verliehenen Buch= Urkund dessen meine eigenhändige Fertigung. J.B.Wallishausser Wir müssen etwas zurückgreifen, um auch sein patriotisches Wesen hervorzuheben. In den Jahren 1807 und 1808, also mit 17 bzw. 18 Jahren war Johann Baptist Corporal bei der Bürgerwehr [WStLA, Sign. A 283/Standeslisten der Bürgerwehr].
Auch die Wohnsituation hatte sich geändert, er wohnte in der Stadt 1184, in der Dorotheergasse, sicher in einer größeren Wohnung als in der Tuchlauben. Die Familie war ja noch immer groß, die Kinder sind in der Zwischenzeit erwachsen geworden, die finanzielle Lage hat sich gebessert. Heute trägt das Haus die Nr. 6, es ist dasselbe Haus, in dem Franz Grillparzer in den Jahren 1821 bis 1823 wohnte. Das Geschäft war nach wie vor in der Neuburgergasse. Bereits im selben Jahr, am 28.10.1820, erscheint eine Anzeige in der Wiener Zeitung, Intelligenzblatt, Seite 779. Mit dieser Adresse beginnt nun die Ära der Buchhandlung und des Verlags am Hohen Markt. Das Haus Hoher Markt Nr. 543 (heutige Nr. 3) um ca. 1850 [Kaiser, Hans Jörg: Die Rekonstruktion der Fassaden am Hohen Markt in Wien. VWGÖ, 1987. (Architektur und Städtebau, Österr. Kunst-u. Kulturverlag, 1. Bd.)] Geschäftsstandorte in der Ära Wallishausser II.
|
Annoncen Wie aus dem unten angeführten Diagramm ersichtlich, hat Johann Baptist dem Medium Zeitung einen größeren Stellenwert eingeräumt als seine Stiefmutter. Wir erfahren z.B. über den Unterricht zu Seiden=Culturen für den österr. Kaiserstaat von Herrn Joseph Blaskovits, Seiden=Culturs=Director, eine Radicalkur für Wasserscheue, über Pferdezucht und Pflege des Gartens, Länder und Völkerkunde, den berühmten Wandsbecker Bothen, etc. Es wurden nicht nur Bücher über Theater und Oper annonciert, obwohl diese Sparte im Vordergrund stand, sondern alle Zweige der Literatur waren vertreten. Einen Titel wollen wir noch anführen: „Das Weib im gesunden und kranken Zustand“ und das nachfolgende Buch „Der Schönheitsfreund oder ärztlicher Rathgeber die Schönheit zu erhalten“.
Die Buchhandlungen annoncierten nicht nur Bücher, sie waren auch Anlaufstellen für verlorene Gegenstände, wie z.B. „Zitternadeln“, oder auch Anzeigen freier Wohnungen. Im Oesterreichischen Beobachter
finden wir z. B. folgende Anzeige: Wie erinnerlich haben wir schon bei Johann Baptist I. erwähnt, wie Bäuerle beschloss, die Theaterzeitung zu gründen. In seinem Blatt hat Bäuerle auch einen Literarischen Wegweiser, und zwar schreibt die Redaktion: „Literarischer Wegweiser. Diese Rubrik wird fortan die neusten Erscheinungen im Gebiethe der Literatur berühren. Alle neuen Bücher, Zeitschriften, Journale, Broschüren ec. ec. sollen darin beleuchtet und besprochen werden, auch oft nur kurze Anzeigen, dass sie erschienen sind, vorkommen. Schriftsteller und Buchhändler, welche ihre neuesten Werke wollen ankündigen und beurtheilen lassen, schicken von Büchern und Broschüren zwey Exemplare an die Redaktion, wofür sodann eine unpartheyische Schilderung und Anzeige erfolgt.“ Wallishausser hat auch diese Gelegenheit genutzt, und Wert auf Buchbeschreibungen gelegt. Auch über „Aglaja“ gab es jedes Jahr eine Beschreibung, die voll des Lobes war. („Die Redaktion macht sich’s zur angenehmen Pflicht das Publikum auf ein, in der Buchhandlung bey Hrn. Wallishausser neu erschienenes, und Sr. Excellenz dem in außerordentlichen Sendung hier befindlichen Hrn. Bothschafter Demeter von Tatistscheff zugeeignetes Gedicht: „Elegie auf den Tod Seiner Russisch Kaiserlichen Majestät Alexander des Ersten“, aufmerksam zu machen.“) In den 20er-Jahren des 19 Jahrhunderts hat die Anzahl der Zeitungen und Zeitschriften sehr stark zugenommen. So finden wir in diesem Zeitraum ca. 50 Zeitungen und 200 Zeitschriften, also eine Vielfalt der verschiedensten Informationen und dadurch wurde es notwendig, in den unterschiedlichsten Zeitschriften Bücher zu inserieren.
|
Obersthofmeisteramt Schon 1819 suchte Wallishausser um ein Zeugnis bei dem Obersthofmeisteramtes an, das ihm auch ausgestellt wird. [HHStA/OmeA/Karton 287/1817/196] Vom 21. März 1819 findet sich ein Akt, in dem J. B. Wallishauser um die Ehrenstelle eines k. k. Hofbuchhändlers ansucht, er lautet: Euer Majestät Wien den 12ten März 1819 allerunterthänigst
treugehorsamster Dieses Ansuchen um den Titel eines k.k. Hofbuchhändlers hat Wallishausser zu einem ungünstigen Zeitpunkt eingereicht, da er 1819 noch Geschäftsführer bei Theresia war und sich gerade im Übergang zum selbstständigen Buchhändler befand. Diese Tatsache und auch die Größe des Geschäftes waren die Gründe, warum sein Ansuchen abgelehnt wurde, allerdings nicht ganz zu Recht, da im Gesuch genügend Gründe für die Verleihung des Titels angeführt waren. [HHStA, OMeA/Karton 266/1820/Akt 20–261]. Diese Ablehnung scheint Wallishausser sehr verletzt zu haben. Die unter Theresia begonnene Zusammenarbeit mit dem Obersthofmeisteramt wurde nun weiter fortgeführt und ausgebaut. 1822 wurde folgender Revers getroffen: Revers Da die von Seite des k: k: Obersthofmeisteramtes
benöthig= Wien den 11t September 1822 Durch dieses Dokument bekommt
man einen guten Einblick, wie schwer es war, Geschäftsverbindungen
zu halten und unter welchen Bedingungen. Trotzdem war Wallishausser Zeit
seines Lebens mit dem Obersthofmeisteramt in Verbindung geblieben, da
es eine regelmässige Einnahme für die Buchdruckerei bedeutete
und auch prestigemässig wichtig war. Regelmäßig zum Militär-Quartal
(das Militärjahr wird gerechnet von Oktober bis Oktober) legte Wallishausser
seine Rechnungen für die Druckarbeiten
dem Obersthofmeisteramt vor. Später wurde die Verrechnung auf
normale Quartalsabrechnung umgestellt. Die Rechnungen für die Druckarbeiten
für das vergangene Quartal werden einen ganzen Monat später
gelegt, zu welchem Zeitpunkt die Bezahlung erfolgte, ist nicht ersichtlich.
Für uns heute außergewöhnlich ist auch die folgende Anzeige für die österliche Fußwaschung der zwölf armen Männer und Frauen. [HHStA, Obersthofmeisteramt/1822/7/61] Beim Druck der Hofansagen und Theaterzettel scheinen sich häufig kurzfristige Änderungen ergeben zu haben, da Wallishausser die Möglichkeit bekommt, gleich im Theater die Drucksorten anzufertigen. Jetzt beginnt wieder der Kreislauf der Anträge von einer an die andere Abteilung des Hofes. Die Direktion der Hoftheater unter Direktor Graf v. Dietrichstein schickt ein Ansuchen an den Obersthofkämmerer. Hochgeborner Graf! Postwendend ergeht an das Obersthofmeisteramt folgendes Schreiben: Auf das Einschreitten der k.k. Hoftheater Direktion Daraus ersehen wir, wie viele Instanzen nötig waren, um diesen Auftrag durchzuführen. Die Hoftheaterdirektion trägt den Wunsch beim Kaiser vor, der gibt den Wunsch mit Zustimmung an den Oberstkämmerer, diese Abteilung schreibt an das Obersthofmeisteramt, dieses schreibt an die Generalhofbaudirektion, diese beauftragt die durchzuführende Abteilung und nebenbei natürlich noch den Hofr. V. Settele auf die Preisminderung der Druckarbeiten zu achten.
|
Polizei Hofstelle J. B. Wallishausser war ein rühriger Verleger und so überreichte er jährlich ein Exemplar seines Taschenbuches „Aglaja“ seiner Majestät dem Kaiser als Beweis seines Strebens für die Ehre der vaterländischen Industrie. Es zeichnete sich vor allem durch typographische Eleganz und meisterhaft ausgeführte Kupferstiche aus. Im Jahre 1824 ehrte Kaiser Franz Wallishausser für seine Leistungen und ließ ihm einen brilliantenen Ring überreichen. Diesen Akt haben wir als LINK [Öst. Staatsarchiv, AVA Pol. Hofst. Akt 8051/1824]. Das war aber nicht die einzige Verbindung mit der Polizei Hofstelle, denn J. B. Wallishausser erledigte auch deren Druckarbeiten. So finden wir 1831 einen Akt über gelieferte Verzeichnisse der in Wien erschienenen Werke vom März 1826 bis Ende Dezember 1830. Leider liegt dem Akt kein Verzeichnis bei. Vor 1823 wohnte J. B. Wallishausser
in der Dorotheergasse 1118, über die Ausstattung dieser Wohnung schrieb
Franz Gräffer: Aus diesem Jahr haben wir auch einen Nachweis über einen Angestellten Wallishaussers, Herrn Kriebitz, Faktor in der Wallishausser’ schen Buchdruckerei. Wohnhaft in der Stadt 471. [WStLA Officiosa /1823/FS 2/ Akt 943]. Diesen Angestellten finden wir auch noch im Jahre 1831 in der Buchdruckerei. [WStLA, Merk. Akt. 177/FS 3/S 85/Okt.1831]. |
Kauf des Hauses in der Josefstadt 48–49 Entweder 1824 oder 1825 erwarb J. B. Wallishausser die Häuser 48 und 49 am Glacis in der Josefstadt. Die beiden Häuser wurden auch „Michaelerhaus“ genannt, da im 18. Jahrhundert eine Zeit lang das Collegium St. Michael hier im Hotrakt (erbaut 1776), dessen dreiachsiger Mittelrisalit durch eine Pilastergliederung betont und von der 1945 verstümmelten Statue des Erzengels Michael bekrönt wird, untergebracht war. Über den Ställen gab es eine Plastik eines Pferdekopfes. Ergänzt wurde das Objekt durch einen schönen Garten mit einer Esche, die heute unter Naturschutz steht [Czeike, Felix: Wr. Bezirkskulturführer, VIII. Josefstadt. Wien: Jugend und Volk, 1980. S. 53]. Nicht unwesentlich war sicher, dass man auch gut essen konnte: „Am Glacis St. Michael 49. Garten. Mittags und Abends wird man mit Speisen bedient“. [„Der Prater in Wien“ zur fünfzigjährigen Jubelfeier der Eröffnung des Praters. Als eines Vergnügungsortes für Jedermann. Nebst einem Verzeichnisse aller in Wien befindlichen öffentlichen Gärten und Bäder. Wien 1826. Gärten in der Vorstadt, Josephstadt, Seite 31.] 1825 ließ sich J. B. Wallishausser II. als frischgebackener Hausbesitzer rechts einen zwei Stockwerk hohen Seitentrakt anbauen. Am 17. November 1826 bekam er den Bescheid der k. k. nö. Landesregierung zugestellt, dass es „keinem Bauführer gestattet“ sei, „von dem von der competirten Behörde genehmigten Bauplan auch nur im geringsten abzuweichen“. Also musste er Fenster, die er in die Mauer zum Nachbarhaus einsetzen liess, wieder zumauern, da es den Bauvorschriften nicht entsprach. [WStLA Baukonsense 8. Bez., Unterkammeramt 11710/1835, 2. Reihe. Sch A 33/63 u. 11791/1826]
Vasquez, Carl Graf: Der k. k. Polizey Bezirk Josephstadt. Wien 1827. Etwa 1826–1827 verlegte J. B. Wallishausser die Buchdruckerei, die bisher am Hohen Markt mit fünf hölzernen Pressen betrieben wurde, in sein Haus in der Josefstadt. Er legte großen Wert auf eine typographisch schöne und geschmackvolle Ausstattung seiner Verlagswerke und hatte sich auch auf diesem Gebiet bereits einen hervorragenden Ruf erworben. Da er nun über genügend Platz verfügte, konnte er auch die Buchdruckerei nach seinen Wünschen gestalten und ausbauen. Leider ist es nicht möglich, die Konskriptionsbögen genau der Zeit nach zu ordnen, da die Bezeichnung der Jahre nicht ganz stimmt.
|
Konskriptionsbogen 182? Josefstadt
48/49
Friedrich Scheurer war der spätere Geschäftsführer in der Wallishausser’schen Buchhandlung. Konskriptionsbogen Josefstadt 48
Franz Grillparzer wohnte in diesem Haus, um den Druck seiner Dramen zu überwachen [Czeike, Felix: Bezirkskulturführer Josefstadt. S. 53]. Konskriptionsbogen 1830
Fremden Tabelle 1830 Josefstadt 48–49
Interessant ist auch die letzte Zeile: Eduard Hügel, geboren 1817, ist also spätestens ab 1830 in Wien nachweisbar. Er wohnte zunächst im Haus Johann Baptist Wallishaussers in der Josephstadt Nr. 48 und 49 und war später in der Herrengasse 6 als Buchhändler und Verleger tätig, und zwar ab 1847 in der Firma Jasper, Hügel und Manz, ab etwa 1854 in der Firma Jaspers Witwe und Hügel und danach bis ungefähr 1875 als Alleininhaber einer (Verlags-) Buchhandlung.
|
Stift Klosterneuburg
Für Wohltätigkeitszwecke wurde immer schon gesammelt. Es ist interessant, den Erfolg einer solchen Bemühung aufzuzeigen und da kam uns ein Fund im Archiv des Stiftes Klosterneuburg zu Gute. Der k. k. Rath und Archivdirektor der Hofkammer Johann Georg Megerle von Mühlfeld hat der k. k. Landesregierung das Anerbieten gemacht, die Abdrücke jener Erinnerungstafel, „in welcher die während der Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz I. in das Leben getrettenen vorzüglichen Institute tabellarisch zusammen gestellt erscheinen, zum Besten des Blinden Institutes, und zunächst der künftigen Gründung eines Stiftungsplatzes“ in der Art zu verkaufen, dass die, durch das Einwirken der k.k. Landesstelle und der Kreisämter dafür eingehenden Geldbeträge über Abzug des Erzeugungspreises diesem Zwecke gewidmet werden sollen. Bei Wallishausser gibt es eine zwei Seiten lange Ankündigung des Druckes des Werkes. Wir haben von einigen Ortschaften die Subscriptionsbögen und hier finden wir z. B. Obermeidling 0, Kritzendorf 0, Weidling 0, Ottakrinn [sic] 0 Subscriptionen. Im ganzen sind 33 Exemplare auf Velin und 39 Exemplare auf Schreibpapier zusammengekommen, die von der Stiftsherrschaft Klosterneuburg abgerechnet werden [Stift Klosterneuburg, Archiv, Karteikarten-Wallishausser, Karton 3657, Nr.60].
|
Das Ende der Leihbibliothek
Im Jahre 1827 gibt es im NÖ. Landesarchiv einen Akt, in dem Joh. Bapt. Wallishausser um Übertragung seiner Leihbibliotheksbefugnis auf seinen Bruder Franz ansucht. 1828 wird die Rückgabe der Befugnis angenommen, aber Franz bekommt die Bewilligung zur Eröffnung der Leihbibliothek nicht. Leider sind auch diesmal keine Akten vorhanden [NÖ Landesarchiv. Gewerbereg. A 1827 Bd. 46 u. A 1828, Bd. 47], nur im Staatsarchiv, AVA-Polizeihofstelle liegt ein Dokument auf, es ist aber ein Brandakt und nur teilweise lesbar. Da zu dieser Zeit keine Leihbibliotheksbefugnisse mehr ausgegeben wurden, und die Behörden versuchten, die bestehenden Befugnisse zu vermindern, um die Leihbibliotheken ganz aufzulösen, wurde Franz mitgeteilt, er könne keine Befugnis bekommen, obwohl er festhielt, er wolle ja keine neue Befugnis, sondern nur die seines Bruders Joh. Bapt. und dass er alle Voraussetzung für die Führung einer Leihbibliothek besitze, da er für 15 Jahre Zeugnisse über seine Tätigkeit in der Buchdruckerei, im Buchhandel, aber auch in der Leihbibliothek, vorgelegt habe. Er habe schon Bücher angekauft, ein Lokal gemietet und die Kaution von fl 5000 bereits erlegt, also mögen sie ihm doch die Befugnis erteilen, da es um seine Existenz gehe. Alles nützte nichts, die Leihbibliotheks-Befugnis von Joh. Bapt. wurde eingezogen und Franz bekam sie nicht [Öst. Staatsarchiv/AVA/Polizeihofstelle Akt 737/1828]. Daraufhin wurde er Schriftsteller und brachte sich recht und schlecht durch, da er meistens einen Teil des Gewinnes der Veröffentlichungen für wohltätige Zwecke spendete. Er war Ehrenbürger der Stadt Teplitz [ÖNB, Sign. MFS 5754, Wr.Theaterzeitung 22.12.1831/S 620] und starb völlig verarmt 31jährig am 27. Nov. 1832 an der Brustwassersucht.
|
Familiengründung J. B. Wallishausser war 1829 ein wohlhabender Buchhändler und seine Verlagswerke waren durch ihre korrekten und topographisch schönen Ausführungen bekannt. Besonders durch sein Taschenbuch „Aglaja“ war er im In- und Auslande bestens bekannt. Er war also eine „gute Partie“. Relativ spät, am 20. April 1829, heiratete J. B. Wallishausser im 39. Lebensjahr Josepha Theresia Tusch, Tochter des Franz Tusch Kappen- und Hutüberzugmachers seel. und der Theresia Tusch, wohnhaft Spittelberg 131, in der Kirche St. Ulrich. Die Braut war 27 Jahre. Die Beistände waren Anton Edler von Würth, Herrschafts- u. Hausbesitzer, wohnhaft Stadt 1098 und Johann Hähnel fürstl. Colloredoscher Rath, Stadt 943 (Schwager von Joh. Bapt.). Das Glück schien perfekt, ein Jahr später wurde die Tochter Pauline geboren, die Patin war Anna Passy, die ältere Schwester Wallishaussers. Ein Jahr danach kam der Stammhalter zur Welt, aber zu diesem Zeitpunkt muss Wallishausser schon krank gewesen sein. Das Söhnchen bekam den Namen Johann Baptist und die Patin war die Großmutter Theresia Schöller.
Correspondenz Wir haben glücklicherweise einen noch vorhandenen Schriftverkehr in der Wiener Stadt- u. Landesbibliothek. So schreibt Ignaz Franz Castelli 1831 an Joh. Bapt. Wallishausser: „Werther Freund! Ich bin wieder da, und wenn vom dramatischen Sträußchen etwas zu corregiren ist, so ersuche ich es nur mir wieder in mein Bureau zu schicken. Da ich nun von Ihnen für das Sträußchen 1000 fr, für die Ihnen gelieferte Erzählung 50 fl- zusammen 150 f zu empfangen habe, so bitte ich dem Uiberbringer hievon gleich 50 fl einzuhändigen, die übrigen 100 fl werde ich und zwar 50 fl am 1ten November und 50 fl am 1ten Dezember abholen lassen, jedesmahl gegen Empfangsschein, wovon der erste beiliegt. Ihr bereitwilliger JF Castelli“ [WStLB, HSS IN 40542]. Aus diesem Schreiben ist ersichtlich,
dass Castelli seinen anfangs gehegten Groll [1805] gegen Wallishausser
vergessen hat und ein gutes Einvernehmen bestand. Etliche Schreiben, auch
den Schriftverkehr mit Grillparzer, der ein sehr freundschaftlicher war,
haben wir als Beilage verlinkt. Außerdem
haben wir eine Kostenübersicht für die Werke „König
Ottokars Glück und Ende“ und „Der Diener zweier Herren“,
die uns Aufschluss über die Kosten Wallishaussers bei deren Druck
aufzeigen. Das internationale Ansehen Wallishaussers kann man auch aus
einem Schreiben des Buchhändlers Georg Joachim
Göschen in Leipzig an Baron v. Münchhausen ersehen, in dem
er diesem Wallishausser als seriösen Verleger empfiehlt. „d.26. Die.1828 Ich schäme mich indem ich die Feder ergreife um an Ihnen zu schreiben, lieber Herr Wallishauser ich muß Ihnen wortbrüchig erscheinen, aber urtheilen Sie nicht zu hart von mir, ich bin nicht so, schuldig als Sie es vielleicht meinen. Familienangelegenheiten und eine Reise in die Niederlande die ich unternehmen musste, und von der ich erst im Spätherbst zurückkehrte, waren an der Verzögerung der Hinsendung der für Ihre Aglaia Ihnen versprochenen Erzählung Schuld. Sie ist jetzt beinahe vollendet, ich kenne das Format Ihrer Aglaie nicht genau, nach meiner Rechnung wird sie fünf bis sechs Bogen füllen, und ich frage an, ob sie Ende Januar zu spät käme, um noch in das Taschenbuch von 1830 aufgenommen zu werden, wäre dieses der Fall, so gebe ich sie Herrn Sauerlaender für sein Rheinisches Taschenbuch, dessen beständige Mitarbeiterin ich bin, und bin bereit Ihnen künftigen Herbst eine andere auf das Jahr 1831 zu schreiben, wenn Sie es wünschen. Haben Sie die Güte mir mit umgehender Post eine freundliche Antwort auf diese Anfrage zu schicken, und zürnen Sie nicht Ihre Ergebene J .Schopenhauer.“ [ÖNB, HSS, Sign. 12/81-1] Auch in diesem Schreiben lesen wir, dass mit Wallishausser gerne zusammengearbeitet wurde und so kann daraus geschlossen werden, dass der Bekanntheitsgrad des Verlages Wallishausser ein wesentlich größerer war als der seines Vaters. Auch über eine Reise nach Leipzig haben wir eine Aufzeichnung, obwohl er sicher öfters in Leipzig gewesen war. Der Eintrag im Passprotokoll lautet:
|
Es gibt einen Akt der Staatskanzlei, im dem es um ein Privilegium der Großherzoglichen Badischen Regierung von 1825 gegen den Nachdruck von Grillparzers "Ottokar" geht. Hierin wird der österreichische Gesandte in Karlsruhe bemüht, diese Angelegenheit in Cassel zu klären, da Wallishausser die Gebühren schon erlegt hat [HHuStA, Staatskanzlei, Karton 25, Korr. 1825 VII-1826 VII]. Die Möglichkeit, günstig
Papier einzukaufen, ließ sich Wallishausser nicht entgehen, als
Anton Strauß k.k. priv. Buchdrucker und Eigentümer der Papierfabrik
in Unterwaltersdorf 1827 verstarb und in der Verlassenschaft seine Papiervorräte
versteigert wurden. Unter den Kauflustigen waren die Fa. Salzer, Kaufmann
Sieger, die Franzenthaller Papierfabrik, verschiedene Buchhändler
und Buchdrucker, sowie J. B. Wallishausser. Bei der Versteigerung konnte
Wallishausser als Meistbietender unter anderem
|
Gesellschaft der Musikfreunde Die Gesellschaft der Musikfreunde wurde im Jahre 1812 gegründet. Schon 1815 scheint J. B. Wallishausser bei den unterstützenden Mitgliedern auf. 1825 ist er unter den wahlfähigen Mitgliedern. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und bleibt es bis zu seinem Tod. 1828 ist auch Franz Wallishausser bei den unterstützenden Mitgliedern [Ges. der Musikfreunde. Sign. 8399/125/1. Verzeichniß und Mitglieder d. Ges. d. Musikfreunde d. österr. Kaiserstaates].
Aber aus reinem gesellschaftlichen Prestige war Wallishausser nicht Mitglied der Gesellschaft. Er versuchte auch hier Aufträge für die Druckerei zu erlangen, was ihm auch gelang. Zu finden waren Monatsberichte der Gesellschaft der Musikfreunde für die Jahre 1829 und 1830, die auf Kosten der Gesellschaft in Commission bei T. Haslinger, Musikalienhändler in Wien, bei J. B. Wallishausser gedruckt wurden [Ges. d. Musikfreunde. Sign. 30/11 ad II]. So druckte er auch für Herrn von Paganini die Plakate für dessen Konzert am 27. Juni 1828 [Wien-Bibliothek, Handschriftensammlung, Sign. 228.037]. Interims-Note für Hrn. v. Paganini´s Conzert am 27. Juny 1828.
Saldiert
|
Die letzten Monate Mit 41 Jahren, mitten im Geschäftsleben stehend, sehr aktiv und umtriebig, muss J. B. Wallishausser sich schon so krank gefühlt haben, dass er im Februar 1831 die, ihm sicher sehr am Herz gelegene, Buchhandlung seiner jungen Frau schenkte, die mit einem einjährigen Kind und wieder schwanger schon voll ausgelastet war. Schenkungsurkunde Kraft welcher ich Endesgefertigter Johann Bapt.Wallis= J. B. Wallishauser Ich nehme diese
|
Am 14. August 1831 erstellt Johann Baptist sein sehr durchdachtes Testament: Testament Im Nahmen der allerheiligsten Dreyeinigkeit
Gott
|
Wallishausser schreibt das Testament nicht mehr eigenhändig, es wird diktiert und beim Setzen der Unterschrift sieht man, wie mühsam ihm das Schreiben fällt: mit zittriger Schrift setzt er seinen Namenszug unter sein Testament. Es war ihm bewusst, dass sein Leben zu Ende geht, aber erst Monate später, am 11. Oktober 1831 nachts um 12 Uhr, erfolgt sein Ableben. So ist ein derart hoffnungsvolles Leben durch die Tücke einer Krankheit frühzeitig beendet worden. In der Wiener Zeitung finden wir unter den Verstorbenen am 11. Oktober den Eintrag: „Hr. Johann Baptist Wallishausser, k.k. privil. Buchdrucker und Buchhändler, dann Hausinhaber Nr. 48 und 49 in der Josephstadt, alt 41 Jahr, an der Gehirnentzündung.“ [ÖNB WZ Rolle 106/S 1342]. Die Sperrs-Relation Johann Baptist Wallishausser wird eröffnet. In der kurzen Zeitspanne seines Lebens hat J. B. Wallishausser sehr gut gewirtschaftet, wie wir aus folgender Inventur und Schätzung zum Zeitpunkt seines Todes ersehen können. Immerhin hinterließ er einen reinen Aktivstand von 15.410,23 fl. Rechnen wir dieses Vermögen mit Bemessungsgrundlage Dez. 2006 (Statistik Austria) um, so ergibt das € 266.751. Nicht mitgerechnet die Schenkung an seine Gattin Josefine von fl. 8000 (€ 138.480). Wallishausser hinterließ seiner Witwe damit eine fundierte Grundlage, auf der sie nun erfolgreich aufbauen konnte.
|