Johann Baptist Wallishausser II.
1790-1831

Abbildung in Mayer, Anton: Wiens Buchdrucker-Geschichte, Bd. II, Wien: Wilhelm Frick, 1887, S. 197.

 

Über die Usancen des Buchhandels im 19. Jahrhundert

gibt es ausreichend Literatur, aus der im LINK kurz zitiert wird [Wengler, Eduard: Erklärendes Fremdwörterbuch für Buchhändler, Leipzig 1855. – Wengler, Eduard: Usancen-Codex für Buchhändler und Geschäftsverwandte. Mit Berücksichtigung der Rechtsverhältnisse und Rechtsfragen und Erklärung buchhändlerischer Ausdrücke, Leipzig 1859. – Schürmann, August: die Usancen des Deutschen Buchhandels und der ihm verwandten Geschäftszweige, Halle 1867. Zitiert nach: Das Memorandum der Leipziger Kommissionäre von 1846. Herausgegeben und eingeleitet von Thomas Keiderling. Mit einem Geleitwort von Brockhaus Kommissionsgeschäft. Kornwestheim bei Stuttgart: Brockhaus Kommissionsgeschäft, 1999. S. 75–87]. Die Wallishaussersche Buchhandlung war Zeit ihres Bestandes eine Verlagsbuchhandlung, also Sortimentsbuchhandlung und gleichzeitig Verlag. Es sind daher alle beschriebenen Gepflogenheiten sowohl von der Käufer- wie auch der Verkäuferseite interessant.

 

Johann Baptist II. gibt schon 1819 ein sehr selbstbewusstes Rundschreiben heraus, ohne die nötigen Bewilligungen von Amtswegen zu besitzen.

Das früheste bekannte (gedruckte) Geschäftsrundschreiben der Ära J. B. Wallishausser II.
[Handschriftlicher Zusatz: ] Hrn. Heyse in Bremen.

Wien den 15. December 1819.

Seit Jahren ging mein unablässliches Streben dahin, durch einen guten Verlag meiner Handlung eine Grundlage zu geben, wodurch sie in der Folge in die Reihe der vorzüglicheren Buchhandlungen gestellt werden könnte. Ich habe seither einzig nur diesen Zweck verfolgt, und ihm selbst manch andere Vortheile geopfert; desswegen unterliess ich auch bis jetzt den Sortimentshandel, und führte mit den Buchhandlungen ausser Oesterreich keine Rechnung. Von nun an soll diess geschehen und, alle meine soliden Handlungsverwandten hiemit um Eröffnung eines Conto geziemend ersuchend, enthalte ich mich einer Aufzählung von Vorzügen, die den Character des Ausstellers in den gewöhnlichen Circulären aussprechen sollen, ich glaube genug zu thun, wenn ich gelobe, stets nach den Grundsätzen eines redlichen Mannes zu handeln, und es, wie bisher, an Ordnungsliebe in jeder Rücksicht, an pünctlicher Zahlung nicht fehlen zu lassen. Dass ich mein Wort halte, wird die Zeit lehren, und ich wünsche nur mit eigenem Masse gemessen zu werden.
Bey meinem künftigen Sortiments-Geschäft werde ich, so viel möglich, meine Druckerey benützen, daher darf auch hier ihrer erwähnt und gesagt werden, dass sie in einem guten Zustande ist, welches meine neuen Verlagswerke, die sämmtlich aus ihr hervorgingen (und von welchen ich hier nur das Taschenbuch Aglaja nenne), hinlänglich darthun werden. Wollen Sie selbe zur Verbreitung Ihres Verlages benützen, so sollen Sie neben Bereitwilligkeit die grösste Billigkeit finden. Ich habe meinen Wirkungskreis genau in’s Auge gefasst, und werde Ihnen ferner gewiss nützlich seyn können.
Von nun an werde ich also meinen Verlag selbst, und nicht mehr durch die C. G e r o l d’sche Buchhandlung verrechnen, und dieser Tagen mit dem Theile meiner Neuigkeiten, der fertig ist, die erste Zusendung für Rechnung des Jahres 1820 beginnen, wünschen Sie mehr davon, so belieben Sie zu verlangen; die W e y g a n d’sche Buchhandlung besorgt, a l s m e i n C o m m i s s i o n ä r i n L e i p z i g, die Auslieferung. Von ihren Neuigkeiten bitte ich mir einstweilen (mit Ausnahme von unbedeutenden, kleinen oder Localsachen) von jedem 6–10 Expl. zu senden, von juristischen jedoch nur 3 Expl.
Für die Handlungen, die im südlichen Deutschland mit fl. und kr. verrechnen, ist hier die nothwendige Bemerkung zu machen, dass ich mit ihnen, da ich in Leipzig ausliefern lasse, aus Ordnungsliebe ebenfalls in Rthlr. und Gr. die Rechnung führen muss.
Noch ersuche ich Sie, mir vor dem Erscheinen Ihrer Neuigkeiten, so schnell wie möglich davon Nachricht zu geben, welche ich sodann bestens benützen, und, wenn Sie es wünschen, diess bey meinen Verlag entgegnen werde. Gewähren Sie diesem letzten Wunsche Ihre besondere gütige Aufmerksamkeit, und lassen Sie überhaupt dieses Umlaufschreiben nicht unbemerkt.
Mit Hochachtung Ihr ergebenster J. B. Wallishausser.

[Fußnote: Im Laufe des vorigen Jahres wurden durch diese Handlung folgende Artikel meines Verlags pro Novitate versandt, und ich ersuche Sie hiermit dringend, genannter Handlung in der bevorstehenden L. J. M. davon durchaus nichts zur Disposition zu stellen, sondern alles, was sie nicht debitirten, oder auf feste Rechnungs behalten wollen, in Natura zu remittiren, damit dieselbe im Stande ist, nach der Messe mit mir rein abzuschliessen: Aglaja für 1820. – Castelli, dram. Sträusschen 4r. – Cancellieri, Ceremonien. – Conversationsblatt. – Grillparzer Ahnfrau. – Dessen Sappho. – Körner, dram. Beyträge, 3 Bde. – Liechtenstern, Uebersicht. – Passy, Odeon. – Schaffenberg, Wetteranzeiger. – Weissenthurn, Graf Lohrenburg.]
[Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler Leipzig, Sammlung Geschäftsrundschreiben]

 

Neuer Merkantilakt

Vor der Übergabe des Geschäftes musste noch die finanzielle Situation der Firma geklärt werden. Wie wir uns erinnern, gab es acht Teilhaber. In der Zwischenzeit sind drei der Kinder majorenn (großjährig) geworden, für die vier minderjährigen Kinder bleibt die Vormundschaft Dr. Schöllers bestehen. Es existiert ein aufschlussreiches Dokument und zwar eine Eingabe von Dr. Schöller an den Magistrat der Stadt Wien um Genehmigung des Testaments, in dem Theresia Wallishausser auf das ihr verbliebene Viertel der Handlung zugunsten der fünf Kinder aus erster Ehe verzichtet. Den Kindern aus erster Ehe bleibt nun je Kind ein Anteil von Fl 5.500 [das wären umgerechnet lt. Statistik Austria Dez. 2006 € 85.855,--], den Kinder aus zweiter Ehe ein Anteil von Fl 4.050,--. Wie man daraus ersehen kann, wurde das Erbe der Kinder von Dr. Schöller und Theresia bestens verwaltet und vermehrt und die Witwe verhielt sich gegenüber den Kindern aus erster Ehe ausgesprochen großzügig.
Der neue Merkantilakt wird nun unter der Nr. 177 fas. 3/51 Fol. geführt. Wieder gibt es einen regen Schriftverkehr zwischen dem Merkantilamt und Wallishausser und am 12. Februar 1820 bekommt J. B. Wallishausser den Bescheid der Fondsausweiung von fl. 10000 W.W., der Vorlegung der bezahlten Kammeraltaxen, der Buchhandelsbefugnis, sowie auch die Verleihung des Bürgerrechtes, der Bilanz und der Zeugnisse seiner kaufmännischen Eigenschaften:

Buchhandlungsbefugnis
Die k:k: n:ö: Landes Regierung hat Inhalt Dekrets
vom 31 vorigen Empfang G dieß Monats die von der The=
resia Wallishauser angezeigte unbedingte Zurücklegung
ihres Buchhandlungs= und Buchdruckerey= Befugnißes angenommen und dem Johann Bapt: Wallishauser ein
neues Solches verliehen.
Welches demselben mit dem Bedeuten eröffnet wird, daß er mit Beilegung des ihm von dem Wiener Magistrat zukommenden wirklichen Verleihungsdekrets und Ausweisung seines Fonds pr 10000 f W:W: dann in so fern er den Handlungs Stralzio der Theresia Wallishauser übernehmen wollte, mit Anschluß der Billanz ihrer Handlung, endlich der Zeugniße über seine kaufmännischen Eigenschaften und der Firma um die Protokollirung seines BuchHandlungsbefugnißes ansuchen solle.

Freyh v. Töger

Vom k:k: nö: Merkantil und Wechselgerichte
Wien den 17. Februar 820
Paurnfeind

[WStLA, Merkantil-Akte 1820 W/Nr.177Fs 3]

Zeugniss.

Unterzeichnete Vorsteher des bürgl. Buchhandlungs=
Gremium bezeugen hiermit, daß Hl. Joh. Baptist
Wallishausser, laut Gremialbuch seit dem 15. Oktober
1805 in der Handlung seines seel. Vaters gleiches
Namens, nachdem er daselbst die Handlung vorschrift=
mäßig gelernet, erst als Comis dann als Buchhalter
gestanden. Sie können ihm ferner zur Steuer der
Wahrheit das Zeugniß nicht versagen, daß er
nach dem Tode seines Vaters die Geschäfte für die
hinterlassene Wittwe, Theresia Wallishausser, nicht
nur leitete, sondern ihres Wissens sogar einige Geschäfte mit Glück und Einsicht ausgeführt habe.
Wien den 18. März 1820.

Joh. Georg Binz,
Vorsteher des bürgerl:
Buchhandlungs Gremium.

Phil. Jos. Schalbacher
Vorsteher des
obgedacht. Gremiums

[WStLA, Merkantil-Akte 1820 W/Nr. 177 Fs 3]


Photokopie aus dem Bürgerbuch [WStLA, Bürgerbücher 1820]. Mitte links Unterschrift von Wallishausser, rechts daneben Josef Binz

 

Billanz
über den Vermögens-Stand des Joh. Bapt. Wallishausser,
priv. Buchhändler u. Buchdrucker.

Nr.  
Geldbetrag
Nr.
Geldbetrag
   
fl
xr    
fl
xr
1 An vorräthigem Waarenlager
44500
  1 Conto der Frau Theresia Wallishausser ...........
18000
 
2 An Werth der Buchdruckerei
6646
06 2 Väterliches Erbtheil der vier Kinder aus
 
3 An Werth der Leihbibliothek
4000
  3 erster Ehe lt.beil.obervormundschaftlichen
 
4 An ausstehenden guten Schulden
1100
    begenehmigten Ausweis, f. jedes Kind f 5500
22000
 
5 An halbeinbringlich dtto Fl 800
400
    dtto für die zwey Kinder aus zweiter Ehe
 
6 An Kasse in Baarem
2600
  4 für jedes f 4050
8100
 
   
    An reinen Handlungsfond
11146
06
 
fl
59246
06  
fl
59246
06

Wien den 14. März 1820

J.B. Wallishausser Carl Kupffer
priv. Buchhändler und
Bücher = Schätzmeister des
löbl. k.k. Wechselgerichts.

Joh. Georg Binz
Vorsteher des bürgl Buch=
händler Gremiums und
beeideter Schätzmeister.

[Wiener Stadt- und Landesarchiv Sign. B 8/2, Repertorium Z:D: Merkantil Dokumente, Band II 1798–1823]

Nehmen wir den Umrechnungskurs Dez. 2006 der Statistik Austria von 1 Gulden = € 15,61 für das Jahr 1820, so beträgt der Wert der Firma 11.146 fl 06 xr = € 173.990,62.

 

Der Schriftverkehr setzt sich fort, es gibt eine neuerliche Bilanz, der Merkantilakt ist auszugsweise als Link nachzulesen. Nur ein wichtiges Dokument aus dem Jahr 1815 heben wir heraus:

Nach vorher gepflogenem Einvernehmen mit der Hoch=
löbl k.k. Polizey= Hofstelle hat die hohe Landesregierung
auf den von hier aus erstatteten Bericht unterm 14.
d.M. den Herrn Johann Baptist Wallishausser für wür=
dig gefunden das Befugniß zu einer Leihbibliothek
gegen vorschriftsmässigen Revers und Einlegung einer
Caution von 500 fl 2 ½ Procento auf seinen Namen
lautende Banko Obligation zu ertheilen.
Indem man nun den Herrn Wallishausser zur
Ausübung dieses Befugnisses so wie zur Erlegung der
Caution hiemit verständiget und auf die bestehen=
den Directio-Regeln vom 26. Jänner 1811 in Hin=
sicht der Ausübung zur genauen Nachachtung verweiset,
wird derselbe unter Einem in die Kenntniß ge=
setzt, daß die diesfällige jährliche Rekognition
von 100 f W:W: vom Tage der Eröffnung in halb=
jährigen Raten an die Kasse der Strafhäuser=
Direktion abzuführen sey.

Wien den 26. April 1815.

Edler von Siber m.p.

Col------------------------------------la-----------------------------tion
und mit dem hierorts auf einen 15x Stempel
ausgefertigten Originaldekret gleichlautend
befunden.
Von der k:k: Polizeyoberdirektion.
Wien am 8. April 1820
La Ròze ... Regierungsrath

[WStLA, Merkantil-Akte 1820 W/Nr. 177 Fs 3]

Den 9. Juni 1820 wird Joh. Bapt. Wallishausser in das Bürgerbuch der Stadt Wien aufgenommen. Vorgestellt wird er von Joh. Georg Binz, Vorsteher des Buchhändler Gremiums [WStLA B 12/1820 Bürgereids-Buch 1820. S. 152].
Am 11. September 1820 kann er endlich um Protokollierung seiner Firma ansuchen [WStLA, Merkantil-Akte 1820 W/Nr.177 Fs 3].

Anzeige

Meiner Firma, die ich bey der mir hierorts verliehenen Buch=
handlungs Freyheit von Heute an führen werde, als

Johann Baptist Wallishausser wird firmier J.B.Wallishausser

Urkund dessen meine eigenhändige Fertigung.
Wien den 17 April 1820

J.B.Wallishausser
k.k.pr. Buchhändler

[WStLA, Merkantil-Akte 1820 W/Nr.177 Fs 3]

Wir müssen etwas zurückgreifen, um auch sein patriotisches Wesen hervorzuheben. In den Jahren 1807 und 1808, also mit 17 bzw. 18 Jahren war Johann Baptist Corporal bei der Bürgerwehr [WStLA, Sign. A 283/Standeslisten der Bürgerwehr].


Wiener Bürgerregiment aus: Festgabe der Gemeinde Wien zu Erinnerung an die Befreiungskriege 1813. Wien: Gerlach & Wiedling, 1913. S. 44.

Auch die Wohnsituation hatte sich geändert, er wohnte in der Stadt 1184, in der Dorotheergasse, sicher in einer größeren Wohnung als in der Tuchlauben. Die Familie war ja noch immer groß, die Kinder sind in der Zwischenzeit erwachsen geworden, die finanzielle Lage hat sich gebessert. Heute trägt das Haus die Nr. 6, es ist dasselbe Haus, in dem Franz Grillparzer in den Jahren 1821 bis 1823 wohnte. Das Geschäft war nach wie vor in der Neuburgergasse. Bereits im selben Jahr, am 28.10.1820, erscheint eine Anzeige in der Wiener Zeitung, Intelligenzblatt, Seite 779.

Mit dieser Adresse beginnt nun die Ära der Buchhandlung und des Verlags am Hohen Markt.

Das Haus Hoher Markt Nr. 543 (heutige Nr. 3) um ca. 1850 [Kaiser, Hans Jörg: Die Rekonstruktion der Fassaden am Hohen Markt in Wien. VWGÖ, 1987. (Architektur und Städtebau, Österr. Kunst-u. Kulturverlag, 1. Bd.)]

Geschäftsstandorte in der Ära Wallishausser II.

 

Annoncen

Wie aus dem unten angeführten Diagramm ersichtlich, hat Johann Baptist dem Medium Zeitung einen größeren Stellenwert eingeräumt als seine Stiefmutter. Wir erfahren z.B. über den Unterricht zu Seiden=Culturen für den österr. Kaiserstaat von Herrn Joseph Blaskovits, Seiden=Culturs=Director, eine Radicalkur für Wasserscheue, über Pferdezucht und Pflege des Gartens, Länder und Völkerkunde, den berühmten Wandsbecker Bothen, etc. Es wurden nicht nur Bücher über Theater und Oper annonciert, obwohl diese Sparte im Vordergrund stand, sondern alle Zweige der Literatur waren vertreten. Einen Titel wollen wir noch anführen: „Das Weib im gesunden und kranken Zustand“ und das nachfolgende Buch „Der Schönheitsfreund oder ärztlicher Rathgeber die Schönheit zu erhalten“.

Die Buchhandlungen annoncierten nicht nur Bücher, sie waren auch Anlaufstellen für verlorene Gegenstände, wie z.B. „Zitternadeln“, oder auch Anzeigen freier Wohnungen.

Im Oesterreichischen Beobachter finden wir z. B. folgende Anzeige:
Die Eintrittskarten zu dem großen Concerte, welches bekanntlich Sonntag, den 4. April, um 7 Uhr Abends, in dem k. k. großen Redouten = Saale gegeben wird, sind vom 31. März, bis einschließlich 3. April zu 2 Gulden C. M. in den Saal, und zu 4 Gulden C. M. auf die Gallerie, an nachstehenden Orten zu haben; nämlich in der Kunst = und Musikalienhandlungen der HH. D. Artaria und Comp. am Kohlmarkte; P. Mechetti, im Michaelerhaus; Tobias Haslinger und A. Diabelli und Comp. am Graben, ferner in der Buchhandlung des Hrn. J. B. Wallishausser, am hohen Markte. [
ÖNB, Sign. MF 5528 Ö.B. Nr.89/30.3.1830, S. 13331/32]

Wie erinnerlich haben wir schon bei Johann Baptist I. erwähnt, wie Bäuerle beschloss, die Theaterzeitung zu gründen. In seinem Blatt hat Bäuerle auch einen Literarischen Wegweiser, und zwar schreibt die Redaktion: „Literarischer Wegweiser. Diese Rubrik wird fortan die neusten Erscheinungen im Gebiethe der Literatur berühren. Alle neuen Bücher, Zeitschriften, Journale, Broschüren ec. ec. sollen darin beleuchtet und besprochen werden, auch oft nur kurze Anzeigen, dass sie erschienen sind, vorkommen. Schriftsteller und Buchhändler, welche ihre neuesten Werke wollen ankündigen und beurtheilen lassen, schicken von Büchern und Broschüren zwey Exemplare an die Redaktion, wofür sodann eine unpartheyische Schilderung und Anzeige erfolgt.“ Wallishausser hat auch diese Gelegenheit genutzt, und Wert auf Buchbeschreibungen gelegt. Auch über „Aglaja“ gab es jedes Jahr eine Beschreibung, die voll des Lobes war. („Die Redaktion macht sich’s zur angenehmen Pflicht das Publikum auf ein, in der Buchhandlung bey Hrn. Wallishausser neu erschienenes, und Sr. Excellenz dem in außerordentlichen Sendung hier befindlichen Hrn. Bothschafter Demeter von Tatistscheff zugeeignetes Gedicht: „Elegie auf den Tod Seiner Russisch Kaiserlichen Majestät Alexander des Ersten“, aufmerksam zu machen.“) In den 20er-Jahren des 19 Jahrhunderts hat die Anzahl der Zeitungen und Zeitschriften sehr stark zugenommen. So finden wir in diesem Zeitraum ca. 50 Zeitungen und 200 Zeitschriften, also eine Vielfalt der verschiedensten Informationen und dadurch wurde es notwendig, in den unterschiedlichsten Zeitschriften Bücher zu inserieren.

 

Obersthofmeisteramt

Schon 1819 suchte Wallishausser um ein Zeugnis bei dem Obersthofmeisteramtes an, das ihm auch ausgestellt wird. [HHStA/OmeA/Karton 287/1817/196]

Vom 21. März 1819 findet sich ein Akt, in dem J. B. Wallishauser um die Ehrenstelle eines k. k. Hofbuchhändlers ansucht, er lautet:

Euer Majestät
Der gehorsamst Unterzeichnete waget es, um/ die in den k. k. österreichischen Staaten noch un=/besetzte Ehrenstelle eines k. k. Hofbuchhändlers/ ehrfurchtsvoll zu bitten, und sein dießfälliges/ allerunterthänigstes Gesuch auf folgende Gna=/de zu stützen:/ 1tens der Gefertigte ist in Wien gebohren/ und erhielt seine erste Bildung in den hiesigen/ öffentlichen Lehranstalten/ 2. Als er die Buchhandlung seines verstor=/benen Vaters, eine der ältesten auf dem Wie=/nerplatze, übernahm, war er vorzüglich be=/müht, durch die ihm zustehenden Mittel/ nach seinen Kräften für Verbreitung religiöser/ und Erbauungsschriften, für Bildung der Ju=/gend und Beförderung gemeinnütziger Wis=/senschaften mitzuwirken, und nie hat er selbst/ seine Firma durch den Druck geistloser und/ sittenverderbender Romane bemackelt. Nicht/ unerheblich dürfte auch dasjenige seyn, was/ über Oekonomie, Landwirthschaft, Statistick etc./ aus seinem Verlage hervorging. Mit Stolz/ darf der Unterzeichnete hier noch ein litera=/risch= artistisches Unternehmen erwähnen,/ welches er ohne fremde Unterstützung aus/ eigener Kraft und mit dem bedeutendsten/ Kostenaufwande begründete und consequent/
fortzusetzen gedenkt: es ist dieß das Taschen=/buch Aglaja. Die huldvolle Belohnung Eurer Majestät, der einstimmige Beyfall/ des Inn und Auslandes sind ihm eine ehren=/volle Aufforderung diesem Unternehmen in/ der Folge die größtmöglichste Vollendung zu/ geben./ 3. Der Gefertigte war nie müde, wo ihm/ sein Beruf Gelegenheit both, zur Erreichung/ schöner und wohlthätiger Zwecke mitzuwir=/ken. Zur Herausgabe des Denkbuches für/ Fürst und Vaterland, dessen reiner Ertrag/ den unglücklichen Bewohnern von Kulm be=/stimmt ist, hat er nicht nur thätigst mitgewirket/ sondern auch den alleinigen Debit dieses/ vaterländischen Werkes mit Hintansetzung/ eigener Geschäfte ganz unentgeldlich besorgt/ und bis jetzt an reinen Ertrag bey 13000 fl /W:W: an die Behörden abgeführt. Da auch/ seit 20 Jahren eine Buchdruckerey mit sei=/ner Handlung vereiniget ist, so suchte er/ durch diese doppelte Geschäfts= Cathegorie ei=/nigen hiesigen wohlthätigen Instituten be=/sonders dem Handlungs= Kranken= und Ver=/pflegungs= Institute durch die unentgeldliche/ Lieferung ihrer benöthigten Druckarbei=/ten nützlich zu seyn.
4. Besitzt der Unterzeichnete ein schulden=/freyes Geschäft und darf sich durch seine soli=/de Handlungsweise eines ausgezeichneten/ Credites in der Monarchie, so wie im Auslan=/de erfreuen./ 5. Die für den allerhöchsten Hof und die kai=/ serlichen Sammlungen ec benöthigten auslän=/dischen Werke würde der Gefertigte zu den möglichst/ billigsten Preisen zu liefern um so/ mehr im Stande seyn, da er den Bedarf vom/ Auslande, größtentheils mit seinem eigenen/ bedeutenden Verlage saldiren kann; ein Vorzug/ dessen sich nicht viele der österreichischen Buch=/händler erfreuen dürften./ 6. Was endlich seinen moralischen Charakter/ als Mensch und Staatsbürger betrifft, so darf/ er sich hierüber selbst keine Äusserung erlau=/ben, nur bekennen darf er, dass er in dem Ver=/trauen der ihm vorgesetzten hochlöblichen Be=/hörden, besonders der k. k. Polizey= und Cen=/surs= Hofstelle, so wie in der Achtung sei=/ner Mitbürger, ein Zeugniß für die redli=/che Erfüllung der heiligen Menschen= und/ Bürgerpflichten gefunden habe.
Euer Majestät

Wien den 12ten März 1819 allerunterthänigst treugehorsamster
J.B.Wallishauser k .k. Buchhändler und Buchdrucker

[HHStA, OMeA, Karton 266/Akt 200–261/1820/Akt 236/954]

Dieses Ansuchen um den Titel eines k.k. Hofbuchhändlers hat Wallishausser zu einem ungünstigen Zeitpunkt eingereicht, da er 1819 noch Geschäftsführer bei Theresia war und sich gerade im Übergang zum selbstständigen Buchhändler befand. Diese Tatsache und auch die Größe des Geschäftes waren die Gründe, warum sein Ansuchen abgelehnt wurde, allerdings nicht ganz zu Recht, da im Gesuch genügend Gründe für die Verleihung des Titels angeführt waren. [HHStA, OMeA/Karton 266/1820/Akt 20–261]. Diese Ablehnung scheint Wallishausser sehr verletzt zu haben.

Die unter Theresia begonnene Zusammenarbeit mit dem Obersthofmeisteramt wurde nun weiter fortgeführt und ausgebaut. 1822 wurde folgender Revers getroffen:

Revers

Da die von Seite des k: k: Obersthofmeisteramtes benöthig=
ten Druckarbeiten insbesondere die Hofansagen von dem
Buchdrucker und Buchhändler Hl Johann Baptist Wallishauser
besorget werden, in so lange als man ihm diese Arbeit zu
überlaßen findet, ist es nöthig erachtet worden, zur sicheren
und besonders zur schnellen Beförderung dieser Druck=
arbeiten, folgende Bestimmungen festzusetzen:
1o) Nachdem es in den öfter vorkommenden dringenden
Fällen, besonders darauf ankömt, die benöthigte Druck=
arbeit in der möglichst kürzesten Zeit, das ist manchmal
binnen einiger Stunden zu erhalten, und der Buchdru=
cker Joh: Baptist Wallishauser erkläret, daß mittels
der Lythographie, dieser Zweck nicht erreicht werden
könne, weil zur Auftragung der Schrift auf die Stein=
platte, und zum Abdruck einiger Hundert Exemplare,
wenigstens ein Tag erfordert wird; übernimmt es der Buch=
drucker Wallishauser derley dringend und schnelle Druck=
arbeiten zu besorgen;
2o) Derselbe verbindet sich zu diesem Ende, bey besonders
dringenden Fällen, die zu druckenden Hofansagen oder
andere dieser an Umfang gleich kommende Aufsätze binnen
Vier Stunden und zwar mit wenigstens Sechshundert Exemplaren zu liefern.
3o) Minder dringende derley Druckarbeiten in eben
dieser Anzahl von Exemplaren, verspricht er binnen Sechs
Stunden zu liefern.
4o) Die gewöhnlichen Hofansagen jedoch wovon in der
Regel Neunhundert Stück d.i. Vierhundert Stück, für die Kavalliers und anderen Innhalts, Fünfhundert Stück für die Damen benöthiget werden, macht er sich verbindlich,
stets vom Tage als ihm solche zugestellt werden, über Nacht,
das ist bis den anderen Morgen früh 7 Uhr an das k: k: Oberst=
hofmeisteramt abzuliefern.
5o) Jedem zum Drucke gelangenden Aufsatze, wird
beigefüget werden, ob dabei eine größere oder mindere
Dringlichkeit eintrette, und binnen welcher der obge=
dachten Zeitfristen die Einlieferung benöthiget werde.
6o) Hinsichtlich der hier zuletzt erwähnten Druck=
arbeiten, wird das bisherige Format, Lettern, Papier
und etwaige Verzierung, beyzubehalten seyn;-
bei dringenden und schnell zu verfertigenden Arbeiten,
wird gestattet, daß, in so weit, als es die Schnelligkeit
erheischt davon abgewichen werde, jedoch ohne dabei gegen
den stets zu berücksichtigenden Anstand zu verstoßen.
7o) Endlich, verbindet sich der Buchdrucker Johann Bap.
Wallishauser in seiner – in der Neuburgergaße
N0 1111 befindlichen Druckerey, eine solche Ver=
anstaltung zu treffen, daß daselbst täglich von 6 Uhr
Früh bis 10 Uhr Abends, ein Individium gegenwärtig
seyn wird, welches die begehret werdenden Druckarbei=
ten übernimmt, nach Maaßgabe der obgedachten Punkte
verläßlich besorget, die fertige Arbeit in der vorge=
zeichneten Frist, und zur Beseitigung jedes Zeit=
verlustes, ohne vorher einzusendender, sondern selbst
zu versehender und dafür zu haftender Korrektur,
einliefert, und daher in allen diesen Beziehungen gehö=
rig instruirt und bevollmächtiget ist.
Außer obgedachten Stunden übernimmt Hlr: Wallis=
hauser selbst in seiner Wohnung in der Dorotheergasse
No 1118 die dießfälligen Anordnungen für die sichere
Einhaltung dieser Bestimmungen, macht sich der Buchdru=
cker und Buchhändler Joh. Bap. Wallishauser
hiemit durch seine eigenhändige Unterschrift verbind=
lich, und es werden von gegenwärtigen, von dem k: k:
Hofrath und Kanzleydirektor des k: k: Obersthofmei=
Steramtes
Herrn Freyherrn v. Löhr durch seine Un=
terschrift bestättigten Revers, zwey gleichlautende
Exemplare ausgefertiget, wovon eines dem Hlrn
Wallishauser übergeben, und das andere in den
Akten des k. k. Obersthofmeisteramtes aufbe=
wahret wird.

Wien den 11t September 1822
Vidi
Trautt
Franz Freyherrn: Löhr
[Siegel] k. k. Hofrath
[Siegel] JB. Wallishauhser

[HHStA, OMeA. 1822 r.64/91]

Durch dieses Dokument bekommt man einen guten Einblick, wie schwer es war, Geschäftsverbindungen zu halten und unter welchen Bedingungen. Trotzdem war Wallishausser Zeit seines Lebens mit dem Obersthofmeisteramt in Verbindung geblieben, da es eine regelmässige Einnahme für die Buchdruckerei bedeutete und auch prestigemässig wichtig war. Regelmäßig zum Militär-Quartal (das Militärjahr wird gerechnet von Oktober bis Oktober) legte Wallishausser seine Rechnungen für die Druckarbeiten dem Obersthofmeisteramt vor. Später wurde die Verrechnung auf normale Quartalsabrechnung umgestellt. Die Rechnungen für die Druckarbeiten für das vergangene Quartal werden einen ganzen Monat später gelegt, zu welchem Zeitpunkt die Bezahlung erfolgte, ist nicht ersichtlich.
Es gab eine Vielfalt von Hofansagen, Ordensfesten des Goldenen Vließes, Konzerten, Déjeûner dansants um 11 Uhr etc.; hier können wir mit einer schlichten Einladungskarte Sr. Hoheit Erzherzog Kronprinz Ferdinand aufwarten.

Für uns heute außergewöhnlich ist auch die folgende Anzeige für die österliche Fußwaschung der zwölf armen Männer und Frauen. [HHStA, Obersthofmeisteramt/1822/7/61]

Beim Druck der Hofansagen und Theaterzettel scheinen sich häufig kurzfristige Änderungen ergeben zu haben, da Wallishausser die Möglichkeit bekommt, gleich im Theater die Drucksorten anzufertigen. Jetzt beginnt wieder der Kreislauf der Anträge von einer an die andere Abteilung des Hofes. Die Direktion der Hoftheater unter Direktor Graf v. Dietrichstein schickt ein Ansuchen an den Obersthofkämmerer.

Hochgeborner Graf!
Unter die eben so unentbehrlichen als bedeutenden......... lagen einer Theater Verwaltung gehört jene auf Buchdrucker Arbeiten. Ich habe ve[rsucht] den Buchdrucker Wallishauser, der schon seit vielen Jahren diese Arbeiten für die [Hof-]theater leistet zu einem billigeren Preise herabzustimmen; derselbe hat sich je[doch] zu einem sehr unbedeutendem Abschlag herbeigelassen; mit der Angabe, dass er, der Eh[re?] Arbeiten wegen, ein grösseres Gewölbe in der Stadt miethen muß, als er sonst nöthig [hät]te, weil es durchaus erforderlich sey, wegen der oft spät, oft plötzlich vorfallenden Än[der]rungen des Theater- Anschlag-Zettels, in der Nähe zu seyn.
Da er sich zu einer beträchtlicheren Herabsetzung des Preises verstehen zu woll[en er]klärte, wenn man ihm ein unentgeltliches Lokale zum Druck der Theaterzettel anweis[en woll]te; bin ich der Meinung, dass dieses neben dem Eingang in das Hoftheater nächst der [.....] in dem ehemaligen Theater Musik-Verlag zu finden seyn dürfte, den ich bald nach [meinem] Antritte der Hoftheater Direction als unschicklich, und sich nicht rentirend, aufgehoben [und] das Hoftheater-Musik-Archiv dahin versetzt habe, und wo hinreichend Platz für zw[...] zer und zwei Hand-Pressen wäre.
Es haben als noch der Musikverlag bestand, unter der Leitung und zum Vortheil [des] verstorbenen Sängers Stegmayer immer 5 bis 6 Copisten dort geschrieben; und ich g[laube] nicht, dass Drucken dem Locale unanständiger sey, als Copiren. Jene Copisten arbeiteten täglich noch spät Abends bei Kerzenlicht, und es mußte [den] Winter ihretwegen geheitzt werden, in welch beiden Beziehungen daher keine Ne[....] entstände, und die Feuer Gefahr nicht als vergrößert betrachtet werden könnte.
Demnach nehme ich mir die ehrfurchtsvolle Freyheit, Euer Excellenz in höch[ster] Eigenschaft eines k.k. Oberstkämmerer, um die gütige Entscheidung zu bitten, ob [der] Hoftheaterkasse auf diesem Wege eine Erleichterung zugeführt werden könnte, und [den]ke nur noch, daß es vielleicht dem k.k. Obersthofmeisteramte erwünscht wäre, eine [...]lung der Druckerey des Wallishauser, bei dem alle, oft schnell nothwendigen [...]gen gedruckt werden, in solcher Nähe zu haben.
Die nöthige Anzeige an den Herrn Obersthofmarschall würde ich nach Euer E[xcellenz] erhaltenen hohen Genehmigung zu erstatten nicht unterlassen.
Wien den 2ten September 1822.
Moriz Grafen Dietrichstein

[HHStA/Theaterakte 1822/Nr. 426]

Postwendend ergeht an das Obersthofmeisteramt folgendes Schreiben:

Auf das Einschreitten der k.k. Hoftheater Direktion
Haben Seine Majestät über den mündlichen Vortrage des
Herrn k.k. Oberstkämmerers allergnädigst zu genehmigen
geruhet, dass dem Buchdrucker Wallishauhser das Lokal
des ehemaligen Hoftheater Musikverlages, gegen
Herabstimmung in den Preisen der Theaterzettel
Hofansagen, und dergleichen, zum Drucken über=
lassen werden dürfe.
Man gibt sich demnach die Ehre, Ein Löbl:
k.k. Obersthofmeisteramt in Dienstfreundschaft
zu ersuchen, an die k.k. General Hofbaudirektion
den wegen etwa nothwendiger Reinigung und
Zurichtung des gedachten Lokales erforderlichen
Auftrag gefälligst erlassen zu wollen.
Wien den 7ten Oktober 1822
In Abwesenheit und auf Befehl Sr: Excellenz des Herrn
k.k. Oberstkämmerers. Vesque v. Püttlingen[?]/Hofrath
[HHStA, Karton 284 OMA 1822/r.64/67-99]

Daraus ersehen wir, wie viele Instanzen nötig waren, um diesen Auftrag durchzuführen. Die Hoftheaterdirektion trägt den Wunsch beim Kaiser vor, der gibt den Wunsch mit Zustimmung an den Oberstkämmerer, diese Abteilung schreibt an das Obersthofmeisteramt, dieses schreibt an die Generalhofbaudirektion, diese beauftragt die durchzuführende Abteilung und nebenbei natürlich noch den Hofr. V. Settele auf die Preisminderung der Druckarbeiten zu achten.

 

Polizei Hofstelle

J. B. Wallishausser war ein rühriger Verleger und so überreichte er jährlich ein Exemplar seines Taschenbuches „Aglaja“ seiner Majestät dem Kaiser als Beweis seines Strebens für die Ehre der vaterländischen Industrie. Es zeichnete sich vor allem durch typographische Eleganz und meisterhaft ausgeführte Kupferstiche aus. Im Jahre 1824 ehrte Kaiser Franz Wallishausser für seine Leistungen und ließ ihm einen brilliantenen Ring überreichen. Diesen Akt haben wir als LINK [Öst. Staatsarchiv, AVA Pol. Hofst. Akt 8051/1824]. Das war aber nicht die einzige Verbindung mit der Polizei Hofstelle, denn J. B. Wallishausser erledigte auch deren Druckarbeiten. So finden wir 1831 einen Akt über gelieferte Verzeichnisse der in Wien erschienenen Werke vom März 1826 bis Ende Dezember 1830. Leider liegt dem Akt kein Verzeichnis bei.

Vor 1823 wohnte J. B. Wallishausser in der Dorotheergasse 1118, über die Ausstattung dieser Wohnung schrieb Franz Gräffer:
„Wallishausser besaß eine Reihe von kostbaren Dosen, Ringen ec., Dedications=Präsente für sein Taschenbuch Aglaja, welches Anfangs der Regierungsrath Sonnleithner, späterhin Schreyvogel redigirte. Diese Präsente konnte man dem würdigen Verleger wohl gönnen, denn aus vaterländischem Industrie=Eifer opferte er dieser Unternehmung große Summen. Dem Kupferstecher John zahlte er für jede dieser kleinen Platten 80 Ducaten in Gold, in den letztern Jahren gar 100. Diese Präziosen=Gallerie zeigte er eines Tages [Zacharias] Werner. Der überschaute stillschweigend den Schatz, ging ein paar Mahl im Zimmer auf und ab, und recitirte ein köstliches Impromptu, das wohl 2 Druckseiten ausmachen dürfte.“ [Gräffer, Franz:
Alt Wiener Guckkasten. Herausgegeben von Paul Wertheimer. Wien: Verlag Paul Knepler (Wallishausser’sche k.u.k. Hofbuchhandlung, 1912). S. 77.]

Aus diesem Jahr haben wir auch einen Nachweis über einen Angestellten Wallishaussers, Herrn Kriebitz, Faktor in der Wallishausser’ schen Buchdruckerei. Wohnhaft in der Stadt 471. [WStLA Officiosa /1823/FS 2/ Akt 943]. Diesen Angestellten finden wir auch noch im Jahre 1831 in der Buchdruckerei. [WStLA, Merk. Akt. 177/FS 3/S 85/Okt.1831].

Kauf des Hauses in der Josefstadt 48–49

Entweder 1824 oder 1825 erwarb J. B. Wallishausser die Häuser 48 und 49 am Glacis in der Josefstadt. Die beiden Häuser wurden auch „Michaelerhaus“ genannt, da im 18. Jahrhundert eine Zeit lang das Collegium St. Michael hier im Hotrakt (erbaut 1776), dessen dreiachsiger Mittelrisalit durch eine Pilastergliederung betont und von der 1945 verstümmelten Statue des Erzengels Michael bekrönt wird, untergebracht war. Über den Ställen gab es eine Plastik eines Pferdekopfes. Ergänzt wurde das Objekt durch einen schönen Garten mit einer Esche, die heute unter Naturschutz steht [Czeike, Felix: Wr. Bezirkskulturführer, VIII. Josefstadt. Wien: Jugend und Volk, 1980. S. 53]. Nicht unwesentlich war sicher, dass man auch gut essen konnte: „Am Glacis St. Michael 49. Garten. Mittags und Abends wird man mit Speisen bedient“. [„Der Prater in Wien“ zur fünfzigjährigen Jubelfeier der Eröffnung des Praters. Als eines Vergnügungsortes für Jedermann. Nebst einem Verzeichnisse aller in Wien befindlichen öffentlichen Gärten und Bäder. Wien 1826. Gärten in der Vorstadt, Josephstadt, Seite 31.]

1825 ließ sich J. B. Wallishausser II. als frischgebackener Hausbesitzer rechts einen zwei Stockwerk hohen Seitentrakt anbauen. Am 17. November 1826 bekam er den Bescheid der k. k. nö. Landesregierung zugestellt, dass es „keinem Bauführer gestattet“ sei, „von dem von der competirten Behörde genehmigten Bauplan auch nur im geringsten abzuweichen“. Also musste er Fenster, die er in die Mauer zum Nachbarhaus einsetzen liess, wieder zumauern, da es den Bauvorschriften nicht entsprach. [WStLA Baukonsense 8. Bez., Unterkammeramt 11710/1835, 2. Reihe. Sch A 33/63 u. 11791/1826]

Vasquez, Carl Graf: Der k. k. Polizey Bezirk Josephstadt. Wien 1827.

Etwa 1826–1827 verlegte J. B. Wallishausser die Buchdruckerei, die bisher am Hohen Markt mit fünf hölzernen Pressen betrieben wurde, in sein Haus in der Josefstadt. Er legte großen Wert auf eine typographisch schöne und geschmackvolle Ausstattung seiner Verlagswerke und hatte sich auch auf diesem Gebiet bereits einen hervorragenden Ruf erworben. Da er nun über genügend Platz verfügte, konnte er auch die Buchdruckerei nach seinen Wünschen gestalten und ausbauen.

Leider ist es nicht möglich, die Konskriptionsbögen genau der Zeit nach zu ordnen, da die Bezeichnung der Jahre nicht ganz stimmt.

 

Konskriptionsbogen 182? Josefstadt 48/49
Besitzer Johann Wallishauser [!]
In der Stadt 1118

Haus Wohn. Name Geb.
Jahr
Qualifikation    
48 1 Friedrich
Scheurer
795 Comis Mahrburg in
Hessen
Ausländer
/823 [sic]

Friedrich Scheurer war der spätere Geschäftsführer in der Wallishausser’schen Buchhandlung.

Konskriptionsbogen Josefstadt 48
Aufnahmebogen von 1827

Besitz geb. Qualifikation   Haus
Nr.
Joh. Wallishauser[!] 790 k.k.priv.u.bgl.
Buchhändler
u. Buchdrucker
Stadt Wien.
Bürger
Gewerbs-
inhaber
48
Antonia Wallishauser 794 obigen Schwester   48

Franz Grillparzer wohnte in diesem Haus, um den Druck seiner Dramen zu überwachen [Czeike, Felix: Bezirkskulturführer Josefstadt. S. 53].

Konskriptionsbogen 1830

Haus Wohn. Name Geb. Jahr Qualifikation
48 18 Karl
Wallishauser
1805 Ziegelofendirektor
in Stadt Wien
    Maria 1808 Ehegattin

Fremden Tabelle 1830 Josefstadt 48–49

Haus Wohn. Name Geb.
Jahr
Qualifikation männl. Anm.
49 1 Ferdinand
Scheurer
[1]795 Comis v.
Mahrburg Hessen
/
1820
49 1 Ludwig
Scheyrer
[1]796 Buchhändler
Geschäftsführer
Marburg
in Hessen
   
49 1 Adolf Hansen 1812 Handler
dtto Leipzig
   
49 1 Eduard Hügel 1817 dtto v. Raab Ungarn    

Interessant ist auch die letzte Zeile: Eduard Hügel, geboren 1817, ist also spätestens ab 1830 in Wien nachweisbar. Er wohnte zunächst im Haus Johann Baptist Wallishaussers in der Josephstadt Nr. 48 und 49 und war später in der Herrengasse 6 als Buchhändler und Verleger tätig, und zwar ab 1847 in der Firma Jasper, Hügel und Manz, ab etwa 1854 in der Firma Jaspers Witwe und Hügel und danach bis ungefähr 1875 als Alleininhaber einer (Verlags-) Buchhandlung.

 

Stift Klosterneuburg

Für Wohltätigkeitszwecke wurde immer schon gesammelt. Es ist interessant, den Erfolg einer solchen Bemühung aufzuzeigen und da kam uns ein Fund im Archiv des Stiftes Klosterneuburg zu Gute. Der k. k. Rath und Archivdirektor der Hofkammer Johann Georg Megerle von Mühlfeld hat der k. k. Landesregierung das Anerbieten gemacht, die Abdrücke jener Erinnerungstafel, „in welcher die während der Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz I. in das Leben getrettenen vorzüglichen Institute tabellarisch zusammen gestellt erscheinen, zum Besten des Blinden Institutes, und zunächst der künftigen Gründung eines Stiftungsplatzes“ in der Art zu verkaufen, dass die, durch das Einwirken der k.k. Landesstelle und der Kreisämter dafür eingehenden Geldbeträge über Abzug des Erzeugungspreises diesem Zwecke gewidmet werden sollen. Bei Wallishausser gibt es eine zwei Seiten lange Ankündigung des Druckes des Werkes. Wir haben von einigen Ortschaften die Subscriptionsbögen und hier finden wir z. B. Obermeidling 0, Kritzendorf 0, Weidling 0, Ottakrinn [sic] 0 Subscriptionen. Im ganzen sind 33 Exemplare auf Velin und 39 Exemplare auf Schreibpapier zusammengekommen, die von der Stiftsherrschaft Klosterneuburg abgerechnet werden [Stift Klosterneuburg, Archiv, Karteikarten-Wallishausser, Karton 3657, Nr.60].

 

Das Ende der Leihbibliothek

Im Jahre 1827 gibt es im NÖ. Landesarchiv einen Akt, in dem Joh. Bapt. Wallishausser um Übertragung seiner Leihbibliotheksbefugnis auf seinen Bruder Franz ansucht. 1828 wird die Rückgabe der Befugnis angenommen, aber Franz bekommt die Bewilligung zur Eröffnung der Leihbibliothek nicht. Leider sind auch diesmal keine Akten vorhanden [NÖ Landesarchiv. Gewerbereg. A 1827 Bd. 46 u. A 1828, Bd. 47], nur im Staatsarchiv, AVA-Polizeihofstelle liegt ein Dokument auf, es ist aber ein Brandakt und nur teilweise lesbar. Da zu dieser Zeit keine Leihbibliotheksbefugnisse mehr ausgegeben wurden, und die Behörden versuchten, die bestehenden Befugnisse zu vermindern, um die Leihbibliotheken ganz aufzulösen, wurde Franz mitgeteilt, er könne keine Befugnis bekommen, obwohl er festhielt, er wolle ja keine neue Befugnis, sondern nur die seines Bruders Joh. Bapt. und dass er alle Voraussetzung für die Führung einer Leihbibliothek besitze, da er für 15 Jahre Zeugnisse über seine Tätigkeit in der Buchdruckerei, im Buchhandel, aber auch in der Leihbibliothek, vorgelegt habe. Er habe schon Bücher angekauft, ein Lokal gemietet und die Kaution von fl 5000 bereits erlegt, also mögen sie ihm doch die Befugnis erteilen, da es um seine Existenz gehe. Alles nützte nichts, die Leihbibliotheks-Befugnis von Joh. Bapt. wurde eingezogen und Franz bekam sie nicht [Öst. Staatsarchiv/AVA/Polizeihofstelle Akt 737/1828]. Daraufhin wurde er Schriftsteller und brachte sich recht und schlecht durch, da er meistens einen Teil des Gewinnes der Veröffentlichungen für wohltätige Zwecke spendete. Er war Ehrenbürger der Stadt Teplitz [ÖNB, Sign. MFS 5754, Wr.Theaterzeitung 22.12.1831/S 620] und starb völlig verarmt 31jährig am 27. Nov. 1832 an der Brustwassersucht.

 

Familiengründung

J. B. Wallishausser war 1829 ein wohlhabender Buchhändler und seine Verlagswerke waren durch ihre korrekten und topographisch schönen Ausführungen bekannt. Besonders durch sein Taschenbuch „Aglaja“ war er im In- und Auslande bestens bekannt. Er war also eine „gute Partie“. Relativ spät, am 20. April 1829, heiratete J. B. Wallishausser im 39. Lebensjahr Josepha Theresia Tusch, Tochter des Franz Tusch Kappen- und Hutüberzugmachers seel. und der Theresia Tusch, wohnhaft Spittelberg 131, in der Kirche St. Ulrich. Die Braut war 27 Jahre. Die Beistände waren Anton Edler von Würth, Herrschafts- u. Hausbesitzer, wohnhaft Stadt 1098 und Johann Hähnel fürstl. Colloredoscher Rath, Stadt 943 (Schwager von Joh. Bapt.). Das Glück schien perfekt, ein Jahr später wurde die Tochter Pauline geboren, die Patin war Anna Passy, die ältere Schwester Wallishaussers. Ein Jahr danach kam der Stammhalter zur Welt, aber zu diesem Zeitpunkt muss Wallishausser schon krank gewesen sein. Das Söhnchen bekam den Namen Johann Baptist und die Patin war die Großmutter Theresia Schöller.

Correspondenz

Wir haben glücklicherweise einen noch vorhandenen Schriftverkehr in der Wiener Stadt- u. Landesbibliothek. So schreibt Ignaz Franz Castelli 1831 an Joh. Bapt. Wallishausser:

„Werther Freund! Ich bin wieder da, und wenn vom dramatischen Sträußchen etwas zu corregiren ist, so ersuche ich es nur mir wieder in mein Bureau zu schicken. Da ich nun von Ihnen für das Sträußchen 1000 fr, für die Ihnen gelieferte Erzählung 50 fl- zusammen 150 f zu empfangen habe, so bitte ich dem Uiberbringer hievon gleich 50 fl einzuhändigen, die übrigen 100 fl werde ich und zwar 50 fl am 1ten November und 50 fl am 1ten Dezember abholen lassen, jedesmahl gegen Empfangsschein, wovon der erste beiliegt. Ihr bereitwilliger JF Castelli“ [WStLB, HSS IN 40542].

Aus diesem Schreiben ist ersichtlich, dass Castelli seinen anfangs gehegten Groll [1805] gegen Wallishausser vergessen hat und ein gutes Einvernehmen bestand. Etliche Schreiben, auch den Schriftverkehr mit Grillparzer, der ein sehr freundschaftlicher war, haben wir als Beilage verlinkt. Außerdem haben wir eine Kostenübersicht für die Werke „König Ottokars Glück und Ende“ und „Der Diener zweier Herren“, die uns Aufschluss über die Kosten Wallishaussers bei deren Druck aufzeigen. Das internationale Ansehen Wallishaussers kann man auch aus einem Schreiben des Buchhändlers Georg Joachim Göschen in Leipzig an Baron v. Münchhausen ersehen, in dem er diesem Wallishausser als seriösen Verleger empfiehlt.
Ein anderes Schreiben und zwar von Johanna Schopenhauer aus Weimar möchten wir noch hervorheben. Frau Schopenhauer schreibt:

„d.26. Die.1828 Ich schäme mich indem ich die Feder ergreife um an Ihnen zu schreiben, lieber Herr Wallishauser ich muß Ihnen wortbrüchig erscheinen, aber urtheilen Sie nicht zu hart von mir, ich bin nicht so, schuldig als Sie es vielleicht meinen. Familienangelegenheiten und eine Reise in die Niederlande die ich unternehmen musste, und von der ich erst im Spätherbst zurückkehrte, waren an der Verzögerung der Hinsendung der für Ihre Aglaia Ihnen versprochenen Erzählung Schuld. Sie ist jetzt beinahe vollendet, ich kenne das Format Ihrer Aglaie nicht genau, nach meiner Rechnung wird sie fünf bis sechs Bogen füllen, und ich frage an, ob sie Ende Januar zu spät käme, um noch in das Taschenbuch von 1830 aufgenommen zu werden, wäre dieses der Fall, so gebe ich sie Herrn Sauerlaender für sein Rheinisches Taschenbuch, dessen beständige Mitarbeiterin ich bin, und bin bereit Ihnen künftigen Herbst eine andere auf das Jahr 1831 zu schreiben, wenn Sie es wünschen. Haben Sie die Güte mir mit umgehender Post eine freundliche Antwort auf diese Anfrage zu schicken, und zürnen Sie nicht Ihre Ergebene J .Schopenhauer.“ [ÖNB, HSS, Sign. 12/81-1]

Auch in diesem Schreiben lesen wir, dass mit Wallishausser gerne zusammengearbeitet wurde und so kann daraus geschlossen werden, dass der Bekanntheitsgrad des Verlages Wallishausser ein wesentlich größerer war als der seines Vaters. Auch über eine Reise nach Leipzig haben wir eine Aufzeichnung, obwohl er sicher öfters in Leipzig gewesen war.

Der Eintrag im Passprotokoll lautet:
Datum: 17. April 1828
Name: Wallishausser Johann
Stadt 544
Aufenthalt: für sich
Geb.Ort: Stadt Wien
Profession: k.k. priv. Buchhändler
Reist nach: Leipzig in Sachsen
Dauer d. Passes: 4 Wochen
Personenbeschr: Hr. Baron Watzdorf
k.k. Pol. O. Kommiss. gibt Auskunft
[WStLA, B5/3Pass Index für die Jahre 1824–1830]

 

Es gibt einen Akt der Staatskanzlei, im dem es um ein Privilegium der Großherzoglichen Badischen Regierung von 1825 gegen den Nachdruck von Grillparzers "Ottokar" geht. Hierin wird der österreichische Gesandte in Karlsruhe bemüht, diese Angelegenheit in Cassel zu klären, da Wallishausser die Gebühren schon erlegt hat [HHuStA, Staatskanzlei, Karton 25, Korr. 1825 VII-1826 VII].

Die Möglichkeit, günstig Papier einzukaufen, ließ sich Wallishausser nicht entgehen, als Anton Strauß k.k. priv. Buchdrucker und Eigentümer der Papierfabrik in Unterwaltersdorf 1827 verstarb und in der Verlassenschaft seine Papiervorräte versteigert wurden. Unter den Kauflustigen waren die Fa. Salzer, Kaufmann Sieger, die Franzenthaller Papierfabrik, verschiedene Buchhändler und Buchdrucker, sowie J. B. Wallishausser. Bei der Versteigerung konnte Wallishausser als Meistbietender unter anderem
105 Rieß Median Kanzlei, 75 Rieß Groß Kanzlei Druck, 10 Rieß Median Postdruck, 35 Rieß Median Kanzlei, 180 Rieß klein Kanzlei, 120 Rieß Klein Kanzlei, 19 Rieß Postmedian Druck und 160 Rieß Klein Druck ersteigern [WStLA, Offiziosa/Fasc. 2/5145/1827].

 

Gesellschaft der Musikfreunde

Die Gesellschaft der Musikfreunde wurde im Jahre 1812 gegründet. Schon 1815 scheint J. B. Wallishausser bei den unterstützenden Mitgliedern auf. 1825 ist er unter den wahlfähigen Mitgliedern. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern und bleibt es bis zu seinem Tod. 1828 ist auch Franz Wallishausser bei den unterstützenden Mitgliedern [Ges. der Musikfreunde. Sign. 8399/125/1. Verzeichniß und Mitglieder d. Ges. d. Musikfreunde d. österr. Kaiserstaates].

Aber aus reinem gesellschaftlichen Prestige war Wallishausser nicht Mitglied der Gesellschaft. Er versuchte auch hier Aufträge für die Druckerei zu erlangen, was ihm auch gelang. Zu finden waren Monatsberichte der Gesellschaft der Musikfreunde für die Jahre 1829 und 1830, die auf Kosten der Gesellschaft in Commission bei T. Haslinger, Musikalienhändler in Wien, bei J. B. Wallishausser gedruckt wurden [Ges. d. Musikfreunde. Sign. 30/11 ad II].

So druckte er auch für Herrn von Paganini die Plakate für dessen Konzert am 27. Juni 1828 [Wien-Bibliothek, Handschriftensammlung, Sign. 228.037].

Interims-Note

für Hrn. v. Paganini´s Conzert am 27. Juny 1828.

300
Conzert-Nachrichten in Placat, aus Kanzley-Druckpapier, zum aufschlagen CMze f 4.30 x
1500
do in 4to, zum austragen " 4 "
80
Bogen-Anweisungen, aus blauem Naturpapier " 2 "
  CMze F 10.30 x

Saldiert
K. K. pr. Wallishaussersche
Buchdruckerey

 

Die letzten Monate

Mit 41 Jahren, mitten im Geschäftsleben stehend, sehr aktiv und umtriebig, muss J. B. Wallishausser sich schon so krank gefühlt haben, dass er im Februar 1831 die, ihm sicher sehr am Herz gelegene, Buchhandlung seiner jungen Frau schenkte, die mit einem einjährigen Kind und wieder schwanger schon voll ausgelastet war.

Schenkungsurkunde

Kraft welcher ich Endesgefertigter Johann Bapt.Wallis=
hauser meiner innigst geliebten Gattin Josepha Wallis=
hauser geb.Tusch in Rücksicht der mir jetzt erwiesenen
besonderen Liebe und Anhänglichkeit zum fortwährenden
Andenken an meine Gegenliebe zu ihr schon jetzt einen
Betrag von Gulden 8000 fl in Conv. Münz aus freien
Willen hiermit schenke, welcher Betrag aber nicht
in baaren Gelde, sondern in den gesamten in meinem
Handlungsgewölbe am hohen Markt allhier oder
anderwärts befindl[.] Vorrath an Büchern und
ausstehenden Handlungsschulden dann in sämtl.
zum Betrieb meiner Buchdruckerei erforderlichen
Typen Requisiten und Utensilien besteht und ich er=
kläre zugleich diese meine gegenwärtige Schenkungs=
urkunde auf keinen Fall jemahls zu widerrufen.
Urkund dessen meine und der eigens ersuchten
Zeugen eigenhändige Nahmensunterschrift und über
so die eigenhändige Nahmensfertigung meiner
Gattin zur Bestättigung der Annahme dieser ihr
gemachten Schenkung.
Wien den 2t Febr 831.

J. B. Wallishauser
k.k. priv. Buchhändler
und Buchdrucker
Ph. Lowatsch
als Zeug
Sig Ant Steiner
als Zeug

Ich nehme diese
Schenkung mit inigem
Dank an.
Josepha Wallishauser
geb. Tusch

 

Am 14. August 1831 erstellt Johann Baptist sein sehr durchdachtes Testament:

Testament

Im Nahmen der allerheiligsten Dreyeinigkeit Gott
des Vaters, des Sohnes, und des heiligen
Geistes! Amen.
Für den Fall, daß ich Joh: Bapt: Wallishauser über kurz oder lang mit Tode abgehen muß, habe ich zur Vermeidung aller Streitigkeiten, die etwa nach meinem Ableben entstehen könnten, folgende letztwillige Anordnung, bey ganz gesunden Körper, und Geisteskräften über mein rücklassendes Vermögen hiemit festgesetzt, und zwar:
1./ Empfehle ich meine Seele Gott dem Allmächtigen und will,
daß zum Troste derselben sieben heil: Messen in verschiedenen Kirchen gelesen, und für jede derselben zwey Gulden C.M. gezahlt werden solle.
2./ Mein Leichnam solle ganz in der Stille beygesetzt, und auf den Gottesacker Schmelz zur Erde bestattet werden.
3./ Zum Normalschulfonde, Armeninstitute, und andern öffentl: wohltätigen Anstalten sollen die gesetzlichen: Gebühren bezahlt werden.
4./ Meinem ehel: Bruder Franz Wallishauser legiere ich als ein Andencken, Tausend fünfhundert Gulden, in C.M.
5./ Meinen Stiefbruder Karl Wallishauser legire ich als ein Andencken, meine goldene Uhr.
6./ Meiner eheleibl: Schwester Maria Anna derzeit verehel: Passy, vermache ich ein Legat von Zweytausend Gulden C.M. mit dem Beysatze, dass wenn sie etwa vor mir mit Tode abgehen, und ich keine andere als die gegenwärtige letztwillige Disposition rücklassen sollte, dieses Legat ihren eheleibl: Kindern zufallen sollte.
7./ Meiner eheleibl: Schwester, Johanna Hähnel geborene Wallishauser, legire ich Tausendfünfhundert Gulden C.M.
8./ Meiner ehel: Schwester Antonia Wallishauser, legire ich Tausendfünfhundert Gulden in C.M.
9./ Alle meine Dienstleuthe, die zur Zeit meines Ablebens, durch ein volles Jahr bey mir in Diesten gestanden haben, sollen als ein Andenken jedem F 20 C.M. gleich nach meinem Tode bezahlt werden.
10./ Die §.4.6.7. und 8. dieses Testaments ausgesetzten Legaten in baarem Gelde, sollen nicht eher als im Verlaufe von drey Jahren, a dato meines Ablebens gerechnet bezahlt werden dürfen, doch sind selbe nach Verlauf eines Jahres, von meinem Ableben gerechnet, bis zum Zahlungstage mit 5 % zu verinteressieren;
und es sollen diesen Legaten über ihre zu empfangen habenden Vermächtnisse, nach Abzug der gesetzl: Gebühren, über den bleibenden Rest von meiner Univers: Erbin simplen Schuldscheine ausgefertigt, und diese an selbe gegen Ausstellung einer gemeinschaftlichen Erklärg: behändigt werden, daß sie
an der Einantwortg: meiner Vlft: an meine Univ: Erbin, noch vor der Verfallzeit ihrer Legaten, keinen Anstand nehmen. Sollten
sich selbe wider Vernunften weigern, diese Erklärung auszustellen, so sollen die ihnen zugedachten Legaten aufgehoben seyn, und sie nichts zu erhalten haben; Ebensowenig
dürfen selbe, bey Verlust der ihnen zugedachten Legato eine wie immer geartete Sicherstellung begehren, sondern sie müssen sich,
wie schon eben bemerkt mit bloßen simplen, von meiner Univ: Erbin ausgestellten Schuldscheinen begnügen.
11./ Meinen bey meinen Ableben noch lebenden, während der Zeit meiner Ehe erzeugten, eheleibl: Kindern, worunter
ich auch einen etwaigen Posthumus zähle, legire ich, zu gleichen Theilen zwey Drittheile von meinen unbeweglichen Vermögen,
worunter ich Realitäten verstehe. – Sollte ein oder das andere dieser Kindern in der Minderjährigkeit mit Tode abgehen,
ohne eheleibl: Erben zu hinterlassen, so sollen die überlebenden Geschwister des Abgestorbenen zu gleichen Theilen das ver=
storbene Kind beerben, und sich sohin gegenseitig bis zu ihrer erlangten Großjährigkeit substituiert seyn – Tritt aber der Fall
ein, daß ein oder mehrere dieser mein(er) eheleibl: Kinder in der Minderjährigkeit mit Tode abgehen, und etwa eheleibl: Erben
hinterlassen sollten, so sollen diese letzteren in das Erbrecht ihres verstorbenen Vaters oder Mutter eintreten. Der Fruchtgenuß von diesem meinen eheleibl: Kindern zugedachten Legat von
zwey Drittel des unbewegl: Vermögens, solle ihre eheleibl: Mutter so lange, und zwar ohne aller Verrechnung beziehen, als die Kinder mingerjährig sind, wird aber ein solches Kind großjährig, so solle dieses in den vollen Besitz und Genuß des auf selbes entfallenden Legats aus meiner Vlft: gelangen.- Dagegen hat meine Univ: Erbin, als eheleibl: Mutter dieser meiner Kinder die Verpflichtung, daß sie ihnen, während der
Zeit ihrer Minderjährigkeit, die ihrem Stande angemessene Erziehung und Verpflegung gebe, ohne dafür etwas mehr
als den obgedachten Fruchtgenuß fordern zu können;
12./ Will und verordne ich, daß mein unbewegliches Vermögen, weder theilweise, noch ganz veräußert, oder verkauft werden solle, bevor nicht alle meine eheleibl: Kinder das Alter der Großjährigkeit erreicht haben werden.
13./ Solle der Fall eintretten, daß alle meine ehel: erzeugten Kinder in der Minderjährigkeit und ohne Rücklassung ehelicher
Leibeserben mit Tode abgehen sollten, so solle in diesem Falle, meine Univ: Erbinn jedem meiner nachbenannten eheleibl: Geschwister, und zwar namentlich: Franz Wallishauser, Maria Anna Paßy, geborene Wallishauser, Antonia Wallishauser, und Johanna Hähnel, geborne Wallishauser, einen Betrag von
zweytausend Gulden C.M. als ein Legat bezahlen, doch
solle diese Ausbezahlung nicht auf einmahl, also gleich, sondern im Laufe von drey Jahren, und zwar ohne Interessenvergütung geschehen.
14./ Da die Einsetzung eines Univers: Erben die Grundfeste eines Testaments ist, so ernenne ich hiezu meine innigst geliebte Gattin Josepha Wallishauser geborne Tusch, und will daß sie nach Abzug der im Testamente von eine für meine Kinder, Geschwister und Dienstleuthe gemachten Legaten, die einzige und alleinige Erbin meines nach besagten Abzuge, übrig bleibenden, wie immer gearteten und Nahmen habenden Vermögens seyn solle, und bestättige noch überdieß den vollen
Inhalt der ihr von mir bereits schon untern 2ten Febr(1)831 ausgefertigten, und in ihren Händen befindlichen, Schenkungs=
urkunde.
15./ Endlich schlage ich meinen dermahligen Buchhalter, Friedrich Ludwig Scheurer, wenn derselbe bey meinen Ableben noch in meiner Buchhandlung arbeiten sollte, zum Ge=
schäftsführer meiner Handlung in der Voraussetzung vor, daß er sich über die Bedingniße mit meiner Universerbinn besonders
einigen solle. Könnte Letztere diese Bedingniße nicht annehmen, so hatte es von meinen Vorschlag abzukommen, und meiner Gattin steht dann frey, sich einen anderen Geschäftsführer zu wählen, so wie derselben auch freystehen solle, sich einen Mitvormund über unsere Kinder, nach ihrem Belieben, wählen zu können.
Urkund dessen habe ich dieses mein
Testament durchaus eigenhändig geschrieben,
und unterschrieben.
Wien am 14ten August (1)831.
J.B.Wallishausser mp
k.k.priv: Buchhändler und Buchdrucker.

[WStLA, Testamente/684/60612/14. Aug. 1831]

 

Wallishausser schreibt das Testament nicht mehr eigenhändig, es wird diktiert und beim Setzen der Unterschrift sieht man, wie mühsam ihm das Schreiben fällt: mit zittriger Schrift setzt er seinen Namenszug unter sein Testament. Es war ihm bewusst, dass sein Leben zu Ende geht, aber erst Monate später, am 11. Oktober 1831 nachts um 12 Uhr, erfolgt sein Ableben. So ist ein derart hoffnungsvolles Leben durch die Tücke einer Krankheit frühzeitig beendet worden. In der Wiener Zeitung finden wir unter den Verstorbenen am 11. Oktober den Eintrag: „Hr. Johann Baptist Wallishausser, k.k. privil. Buchdrucker und Buchhändler, dann Hausinhaber Nr. 48 und 49 in der Josephstadt, alt 41 Jahr, an der Gehirnentzündung.“ [ÖNB WZ Rolle 106/S 1342].

Die Sperrs-Relation Johann Baptist Wallishausser wird eröffnet.

In der kurzen Zeitspanne seines Lebens hat J. B. Wallishausser sehr gut gewirtschaftet, wie wir aus folgender Inventur und Schätzung zum Zeitpunkt seines Todes ersehen können. Immerhin hinterließ er einen reinen Aktivstand von 15.410,23 fl. Rechnen wir dieses Vermögen mit Bemessungsgrundlage Dez. 2006 (Statistik Austria) um, so ergibt das € 266.751. Nicht mitgerechnet die Schenkung an seine Gattin Josefine von fl. 8000 (€ 138.480).

Wallishausser hinterließ seiner Witwe damit eine fundierte Grundlage, auf der sie nun erfolgreich aufbauen konnte.