Johann Baptist Wallishausser III.
1831–1904

(Photos aus den Jahren 1860 und etwa 1885, ÖNB, Portraitsammlung)

Johann Baptist Wallishausser III. übernahm von seiner Mutter Josefine die Buchdruckerei, die Buchhandlung ging in fremde Hände über, behielt aber den Firmennamen „Wallishausser’sche Buchhandlung“. Josefine Wallishausser, nun schon lange verehelichte Neuwirth, übergab ihrem Sohn einen wohlgeordneten Betrieb. Sie hatte beim Tode ihres Gatten Johann Baptist Wallishausser II. im Jahre 1831 sechs alte Holzpressen, eine neue und eine alte Packpresse übernommen (Durstmüller irrt mit fünf Holzpressen). Durch den vorausschauenden und zeitgemäßen Umbau des Hauses und der Druckerei in der Josefstadt 48–49 hatte Josefine ihrem Sohne eine gut funktionierende Druckerei mit vier eisernen Handpressen und einer Sigl’schen Schnellpresse übergeben. Es lag nun an Johann Baptist III., der von Grund auf das Gewerbe erlernt hatte, seine neuen Ideen zu verwirklichen und er ging mit sehr viel Elan ans Werk.

Der Anfang

Knapp vor dem Tode des Vaters Joh. Baptist Wallishausser II. wird am 4. August 1831 Johann Baptist III. geboren, zu einer Zeit, wo Kummer und Leid sich in der Familie Wallishausser niedergelassen hatten. Josefine hatte mit eisernem Willen und sicher auch mit der Hilfe ihrer Mutter die Kinder großgezogen und um dem Sohn eine gute Ausbildung angedeihen lassen, einen Teil seiner Schulzeit absolvierte er im Schottengymnasium. Bei Engelmann in Leipzig, der ein Geschäftspartner der Firma Wallishausser war, lernte er das Gewerbe des Buchdruckers und Buchhändlers. Durch das Passprotokoll können wir das Datum seiner Reise nach Leipzig sogar genau angeben, der Reisepass war auch für die verschiedenen Teile der k. k. Österreichischen Staaten ausgestellt, wovon er sicherlich Gebrauch machte. Schon nach kurzer Zeit, am 12. September 1850, reichte Josefa Wallishausser um Altersnachsicht für ihren 19jährigen Sohn an. Ein Jahr später, am 18. Juli 1851, wird Johann Baptist III. großjährig erklärt. Nach seiner Rückkehr aus Leipzig kann Josefine die Übergabe der Druckerei an ihren Sohn vorbereiten und 1854 legte sie die Druckereibefugnis zurück. Von dieser Übergabe wird am 2. Juni 1855 das Handelsgericht verständigt. Mit einem Informationsschreiben gibt Wallishausser die Firmenübernahme bekannt.

Das erste Produkt, das seine Presse verließ, war der kostspielige Druck des von Dr. Johann N. Vogl verfassten und von E. Elsinger illustrierten Festgedichtes, in für die damalige Zeit prächtigem typographischem Farbdruck anlässlich der Vermählung des Kaisers Franz Josef im Jahre 1854. Solche Geschenke wurden beim k. k. Oberst-Kämmerer mit einem untertänigsten Schreiben abgegeben [HHStA, OKÄA/A 49/1854]. Wie sehr der Farbdruck noch eine ungewohnte Erscheinung in der damaligen Buchdruckerwelt war, können wir aus einer Kritik in der Wiener Theaterzeitung vom 10.5.1854 ersehen.

Obersthofmeisteramt

Auch die Verbindung mit dem Obersthofmeisteramt blieb automatisch aufrecht, da sich die Firma nicht geändert hatte, sondern nur der Besitzer. Die „Hofzeremoniell-Drucksorten“ wurden jetzt halbjährig abgerechnet und für die Bezahlung war die Burghauptmannschaft zuständig. Diese Arbeiten für den Hof werden bis inklusive 1867 geliefert, dann ist keine Verbindung mehr mit der Wallishausserschen Druckerei zu ermitteln.

Theaterzettel

Den Druck der Theaterzettel für die Hoftheater setzte Johann Baptist III. reibungslos nach seiner Mutter fort. Die „Theaterzetteldruckerei“ befand sich nach wie vor in der Dorotheergasse, um in der Nähe der Theater zu sein, damit allfällige Änderung schnell durchgeführt werden konnten. Die Verbindung mit der General Intendanz hat bis zum 15.10.1868 ohne Differenzen bestanden. An diesem Tag bekam Wallishausser die Kündigung des Vertrages. In einer Hofoperntheater-Organisations-Coõn [Commissions]-Sitzung wurde der Beschluss gefasst, den bestehenden Vertrag mit der Buchdruckerei Wallishausser per 1. Jänner 1869 zu kündigen, aufgrund eines Reiseberichts des Cassadirektors Knapp, in dem er berichtete, dass in Berlin die Druckerei Littfaß einen wesentlich günstigeren Vertrag für die Theaterdirektion eingegangen sei. Es wurde wohl darauf hingewiesen, dass die Lieferung der Theaterzettel fast über 70 Jahre mit einer Unterbrechung von 2 Jahren von der Wallishausser’schen Hoftheater Druckerei durchgeführt wurde, doch die Kostenfrage müsse neu diskutiert werden. Der tägliche Bedarf an Theaterzetteln belief sich auf 150 große und 200 kleine Theaterzettel. Es wurden Offerte verlangt, um einen ökonomisch günstigeren Vertrag für den Druck der Theaterzettel zu erzielen. Gustav Heines Druckerei unterbot das Angebot von Wallishausser. Gleichzeitig verlangte Heine den Titel einer k. k. Hoftheater Druckerei. Somit gingen ab 1869 die Arbeiten für die Theaterverwaltung an den Verleger des „Fremdenblattes“, Baron Gustav Heine. Den Unterlagen nach kann gesagt werden, dass dieses Vorgehen den geschäftlichen Gepflogenheiten entsprach. [HHStA, Gen.Int.Kart. 63/Burgtheater 1868/1869. Akt 1123B/GJ/Akt ad 1134B/GJ/Akt ad 1208B/GJ]

Wallishausser druckte auch das „Hofopern-Jahrbuch“, natürlich vergaß er nicht, in einer Anzeige auf seine Offizin hinzuweisen:

Im Jahre 1870 ging auch dieser Auftrag an Baron Heine und es gab keinen Hinweis mehr auf Wallishaussers Offizin. Der Verlust der Arbeiten für den Hof war sicher eine Einbuße für Wallishausser. Er musste sich nun anderweitig um Aufträge umsehen und da kamen ihm die Arbeiten für die Gemeinde sehr gelegen.

Eheschließung

Im Jahre 1856 heiratete Johann Baptist Wallishausser Aloisia Ludovika Völkl, eine um fast 20 Jahre ältere Frau, zur damaligen Zeit eine eher ungewöhnliche Ehe. Das Aufgebot erfolgte in der Pfarre Mariahilf, die Trauung wurde jedoch in Hütteldorf vollzogen. Sein Trauzeuge war der Stiefvater Johann Neuwirth, zu dem er ein gutes Verhältnis gehabt haben muss. Aloisia Ludovika starb am 15. November 1888.

 

Wallishausser III. versucht den Verlag über seine Hoftheater-Buchdruckerei weiterzuführen

Wallishausser versuchte, über die Druckerei den Verlag weiterzuführen, er verlegte einzelne Bücher, aber ein richtiges Verlagsgeschäft konnte er nicht aufbauen, obwohl er belletristische Werke von Adolf Bäuerle, Eduard Breier, Adolf Schirmer, Josef Weiler verlegte.

Dichter und Maler

Eines seiner Büchlein, das er 1866 unter dem Pseudonym G. Waldhaus veröffentlichte, war „Schnadahüpfln in der Montur“.

Es handelt sich um eine patriotische Schrift und wurde dem Oberst-Kämmerer-Amt am 27. Juni 1866 zur Unterbreitung an Seine Majestät vorgelegt. Wallishausser spendete 10.000 Exemplare zur Verteilung in der k. k. Armee, natürlich nach Bewilligung durch das Kriegsministerium.
Ob er Maltalent besaß, wissen wir nicht, da keines seiner Bilder auffindbar ist.

Zeitungswesen

Im Herbst 1854 erschien die von A. Varry redigirte Wochenschrift „Der Teufel in Wien“. Eine Anzahl von Wochenschriften oder halbmonatlichen Zeitschriften wurde bei Wallishausser gedruckt, z.B. „Figaro“, „Mußestunden“, „Gerichtshalle“, „Wiener allgemeine medicinische Zeitung“, „Volkswirth“, „Neueste Erfindungen, “Jäger-Hans-Jörgel“, „Deutsche Küche“, u. „Frater Hilarius“, „Cursalon“ und nicht zu vergessen ab 1857 die „Jagd-Zeitung“ von Albert Hugo. Es war die erste Jagdzeitung überhaupt. Am 1. October 1858 ist die erste Nummer des Theaterjournals „Zwischen-Act“ erschienen. Wallishausser war der Herausgeber dieses Journals, zusätzlich schrieb er auch journalistische Artikel, musste aber in Folge der Concurrenz nach elfjährigem Kampfe und erheblichen Verlusten die Herausgabe des Journals einstellen [Mayer: Buchdruckergeschichte. Bd. II. S. 328]. Wallishausser hat dieses Journal dem Pariser Vorbild und auch Ernst Littfaß nachempfunden, der im Jahre 1849 eine Theaterzeitschrift „Der Zwischenakt“ herausgegeben hat.

 

Dienstjubiläum

„In der Wallishausserschen Buchdruckerei wurde vergangenen Sonntag das 50jährige Dienstjubiläum des Faktors Philipp Lowitsch in Gegenwart des ganzen Druckereipersonales festlich begangen. Der Lehrbrief des Jubilars, der noch unter dem Großvater des jetzigen Druckereichefs in dasselbe Geschäft trat wurde verlesen und dem Jubelgreise ein werthvoller Brillantring überreicht. Ein Festmahl, an welchem das ganze Personal theilnahm, beschloß die seltene Feier.“
So zu lesen in der Wiener Theaterzeitung vom 15.12.1858. Man muss bedenken, dass Herr Lowitsch einer der wenigen Menschen war, der die Buchdruckerei von den Anfängen her kannte. Nicht einmal J. B. Wallishausser kannte seine Vorfahren so, wie Herr Lowitsch sie kannte.

 

„Concordia“

Die Unterlagen des Journalisten- und Schriftsteller-Vereins „Concordia“ wurden 1938 beschlagnahmt und nach Berlin gebracht. Durch Zufall haben wir eine Festschrift zur 50-Jahr-Feier 1909 entdeckt, die jedoch nur fragmentarisch erhalten ist. Die Gründung der „Concordia“ 1859 als Journalisten- und Schriftsteller-Verband in einer politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeit war eine sehr wichtige und notwendige Tat. Leider ist es hier nicht möglich auf die Arbeit der „Concordia“ einzugehen und auch nicht auf die soziale Komponente, die eine große Rolle in diesem Verein spielte.
Die erste Verwaltung begann am 1. Oktober 1859. Johann Baptist Wallishausser III. war schon ab dem ersten Gründermonat Mitglied des „Concordia“-Vereins. Über ihn gibt es folgenden Absatz in der Festschrift:
„Johann Baptist Wallishausser, der Chef der bekannten Wiener Buchdruckerei und Verlagshandlung, kaiserlicher Rat und Handelskammerrat, geb. 1831 zu Wien, gestorben (während einer Reise) zu Düsseldorf am 14. Oktober 1904, gab durch 11 Jahre eine tägliche Theaterzeitung, den „Zwischenakt“ heraus, die er nicht ohne Geschick führte. Unter dem Pseudonym G. Waldhäusl veröffentlichte er Skizzen, die Anklang fanden. In unseren Kreisen war Wallishausser sehr beliebt. Durch vier Jahrzehnte der „Concordia“ angehörend, hat er viele Jahre im Ballkomitee eifrig gewirkt.“ [Stern, Julius und Sigmund Ehrlich: Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia“, 1859–1909. Eine Festschrift. Wien 1909. S. 54–55.]

Concordia-Ball, Sofiensaal, 29.1.1894. Tanzordnung am Beginn einer Gedichtsammlung in ledergebundenem Büchlein mit rotemailliertem Emblem der Concordia. Verlag von Edgar von Spiegl, J. B. Wallishausser´s k. u. k. Hochbuchdruckerei, Wien. [Ballspenden - Kostbarkeiten aus galanter Zeit. Katalog des Heeresgeschichtlichen Museums. Ausstellung vom 25. Jänner bis 13. Mai 1990.]

 

J. B. Wallishausser III. bringt Cajetan Felder in die Politik und damit „in die Tinte“

Wallishausser war ein sehr am täglichen Leben interessierter Mann, auch die Politik betreffend. Am besten geben uns die „Erinnerungen eines Bürgermeisters“ von Cajetan Felder Auskunft. Alles fing im Jahre 1861 an. Es handelte sich um die Wahl der von den einzelnen Bezirken zu stellenden Vertreter für den Gemeinderat. Dabei ging es um die Wahl des Bezirkes Josefstadt (damals noch der VII. Bezirk). Die Herren Wähler waren eingeladen zu einer Besprechung am 18.1.1861 im Saale „Zum goldenen Sträußl“ um 6 Uhr abends zu erscheinen. Der Sträußl Saal befand sich im Theatergebäude. Der amtierende Bezirksvorsteher Franz Thill stieg auf das Podium, ging zu dem kleinen Tisch und hielt folgende Ansprache: “Meine Herren, ich habe Sie zusammenberufen, weil es mehrere gewünscht haben. Machen Sie nun, was sie wollen, ich empfehle mich. Sprach´s, setzte seinen Hut auf und verschwand. Dumpfes Gemurmel im Publikum war die Folge, bis einige riefen: „Thill hinauf!“ und andere: „Nein, nein!“ Da hörte ich plötzlich meinen Namen ertönen: „Der Dr. Felder ist da, der soll hinauf!“ Der Rufer war mein Hausherr, der Buchdrucker Johann Baptist Wallishauser, der mich im Gewühle erblickt hatte. Mehrere Stimmen sekundierten und der Ruf wurde ein allgemeiner. Es half mir nichts mehr, ich mußte hinauf. Weiß Gott, wie ich zwischen den zwei Kerzen da oben ausgesehen haben mag, da auch mir nicht gleich einfiel, was ich sagen sollte. Schon hatte ich den Mund geöffnet, um der ungeduldig werdenden Versammlung die Wahl eines Präsidenten vorzuschlagen, worüber unzweifelhaft, da nur eine einzige Person hätte erkoren werden können, ein Sturm losgebrochen wäre, als mir der gute Gedanke kam, statt dessen ein neunköpfiges Komitee zu beantragen. „Bravo!“ hieß es. „Angenommen!“ Wie aber nun diese neun Herren wählen? Ich war im Bezirke völlig unbekannt, denn ich gehörte Anno 1848 zum Nachbarbezirke Alservorstadt. „Namen nennen!“ wurde gerufen, und ich ersuchte deshalb, mir solche vorschlagen zu wollen. Nun brach ein heilloses Durcheinander aus, mindestens hundert Namen wurden gleichzeitig genannt. Konnte ich nur einen halbwegs verstehen, so rief ich ihn sofort aus, wie: Bisling-Akklamation – ja! Frühwald – ja! Leitner - ja! Meixner – ja! Schierl – ja! Schmid – ja! Uhl – ja! Wallishauser – ja! Und dann kam selbstverständlich als Neunter noch meine Wenigkeit hinzu. [...] [...] Das Wohlwollen meines jungen Hausherrn brachte meine gute Absicht zu Schanden und mich in die Tinte.“ [Felder, Cajetan: Erinnerungen eines Bürgermeisters. Wien [etc.]: Forum Verlag, 1964. Seite 134–35.]

 

Die Arbeit in und mit der Gemeinde Wien

Wie aus dem vorigen Absatz ersichtlich, wurde Wallishausser in das neunköpfige Komitee für die Josefstadt gewählt, nach drei Jahren gab er jedoch diese politische Position auf, da es sich zeitmäßig mit seinen anderen Aufgaben nicht vereinbaren ließ. Im Jahre 1861 begann die Zusammenarbeit Wallishaussers als Buchdrucker mit der Gemeinde Wien. Vor dem Jahre 1861 wurden die Gemeinderats-Protokolle noch handschriftlich geführt. Wallishausser druckte nun die Gemeinderats-Protokolle.

In der 9. Sitzung des Gemeinderates 1861 berichtet Gemeinde-Rath Dr. von Stubenrauch im Namen der 1. Sektion in Betreff der Drucklegung der Protokolle der Plenarversammlungen: „Was die Drucklegung anbelangt, so wäre die Wallishausser’sche Druckerei bereit, die Arbeit gegen vierteljährige Kündigung abzuschließen“. Dieser Bericht wird genehmigend zur Kenntnis genommen und die Sektion ermächtigt mit der genannten Druckerei bis zum Betrag von 18 fl. per Bogen abzuschließen. In der 11. Sitzung unter e) bringt der Referent zur „Kenntniß der Versammlung, dass der Buchdruckereibesitzer J. B. Wallishausser sich laut des mit ihm aufgenommenen Protokolles verbindlich gemacht hat, den Druck der Sitzungsprotokolle des Gemeinderathes und zwar in einer Auflage von 630 Exemplaren in der vom Gemeinderathe genehmigten Weise zu übernehmen, gegen einen Preis von 17 fl 40 kr. pr. Druckbogen und daß er sich verpflichtet, die ersten 130 Exemplare 2 Tage nach Empfang des Manuskripts zu liefern.“ [WStLA, Sign. B 6/7-1861]

Anzeige in der Wiener Zeitung am 20.4.1862

Die Druckarbeiten dehnten sich auch auf andere Abteilungen aus, wie diese Abrechnung vom 21. Juni 1878 zeigt.

„Wien, den 21. Juni 1878.
Herrn E. Stenzinger, Magistrats-Sekretär, hier!

200 Berichte über die auf das Kanalisirungswesen der Stadt Wien und auf die Abfuhr der Fäkalstoffe bezüglichen Fragen, 8 1/2 Bogen und Umschlag Satz, Druck & Papier à Bogen f. 20.-
f.
170
.-
  Umschlag, Satz, Druck & Papier
f.
5
.43
  Buchbinderarbeit sammt Einlagentafeln
f.
8
.-
Weitere 200 Exemplare: Druck, Papier, Umschlag sammt Buchbinderarbeit
f.
51
.38 kr.
Jedes folgende 100 Exemplare detto
f.
36
.47 kr.

Hochachtungsvoll ergebenst
E. Kainz Faktor
[WStLB, Sign. A2 81/1877]

 

Die Annoncensäulen (1877)

Paris und London waren die ersten Städte, die Anschlagsäulen aufstellten, vor dieser Zeit wurden die Plakate an Pferdewagen befestigt und durch die Straßen der Stadt gefahren. Ernst Th. Littfaß, Buchdruckereibesitzer in Berlin, stellte nach dem Vorbild der Pariser Anschlagsäulen im Sommer 1855 die ersten 100 Anschlagsäulen auf, denen noch weitere folgten. Es ist anzunehmen, dass Wallishausser durch den Erfolg von Littfaß in Berlin auf die Idee kam, auch in Wien Annoncensäulen aufzustellen, um zur Verschönerung der Stadt beizutragen und dem Plakatwildwuchs Einhalt zu gebieten, da die vielen verklebten Wände und Zäune kein schöner Anblick waren. Durch die Anschlagsäulen konnte Wallishausser auch den Farbdruck von Plakaten forcieren.

Im Jahre 1876 in den Gemeinderaths-Protokollen vom 11.7.1876 unter Pkt. 15. (1712) finden wir folgenden Absatz:
„Der Gemeinderath beschließt, dem Druckereibesitzer Joh. Bapt. Wallishausser die Bewilligung zur Aufstellung von Annoncensäulen in Wien im Prinzipe zu ertheilen, jedoch ist über die Modalitäten und Aufstellungsplätze mit dem Bittsteller durch ein Komité (sic) zu verhandeln, welches aus dem Magistratsreferenten, dem Referenten der II. Section und einem Mitgliede des Gemeinderathsausschusses für die innere Stadt zu bestehen hat.“

Leider war der dazugehörige Akt nicht auffindbar. Schon in der Sitzung vom 30.1.1877 unter Pkt. 11 (2.) erfolgt folgender Beschluss: Die Bewilligung zur Aufstellung der Annoncensäulen auf die Dauer von 10 Jahren. So einfach ging das Aufstellen der Annoncensäulen jedoch nicht, es gab immer wieder Einsprüche und etliche Änderungen, die in Pkt. 3 vom 13.4.1877, im gestellten Dringlichkeitsantrag von Hrn. GR Fil. Kaiser und Genossen verlangt wurden. Es gab sicher einige Stimmen im Gemeinderat, die sich mit den Annoncensäulen nicht so richtig anfreunden konnten. So wurde ein Dringlichkeitsantrag des Herrn Gem.-Rathes Bärtl in der Sitzung vom 27.4.1877 Pkt. 4. u. 4. (4972) eingebracht. Aus 4. in der Sitzung vom 13.11.1877 ist ersichtlich, dass in Wien wie auch in Berlin die Annoncensäulen zur Bekanntgabe öffentlicher Mitteilungen verwendet wurden. Auch aus der Bevölkerung kamen Beschwerden, wie im Protokoll vom 23.11.1877 Pkt. 13 zu lesen ist. Wir finden in den Protokollen im Jahre 1878 den Steindrucker Jakob Weiner (der spätere Nachbar in der Lenaugasse 17), der um eine Bewilligung zur Aufstellung von Annoncensäulen in Wien ansucht. Dem Magistratsantrage wird keine Folge geleistet. Im Protokoll v. 22.3.1878 Pkt. 6 wird festgehalten, dass Wallishausser statt in der Dreihufeisengasse die Annoncensäule in der Bettlerstiegengasse aufstellen kann.
In den nachfolgenden Jahren haben wir verschiedene Protokolleinträge, die wir zusammengefasst haben. Im Protokoll vom 28.9.1880 ist jedoch ist der Pkt. 18. (843) hervorzuheben:

Sitzung 28/9 1880
18. (843.) Nach dem Sektionsantrage
werden die im Verzeichnisse zur Aufstellung der
J. B. Wallishausser’schen Annoncensäulen kom=
missionell geeignet befundenen Plätzen und zwar:
im Bezirk

I.
9
II.
2
III.
4
IV.
7
V.
2
VI.
4
VII.
2
VIII.
4
IX.
6
X.
4

zusammen 44 Plätze
genehmigt.

Durch diesen Absatz aus dem Gemeinde-Rats- Protokoll ersehen wir wenigstens, wie viele Säulen pro Bezirk bewilligt wurden, leider kennen wir aber nur vereinzelt die Standorte. Im Jahre 1886 wie aus dem Prot. V. 4.5.1886 ersichtlich wird, hat Wallishausser nun schon zwei Konkurrenten, die Fa. Weiner und die Fa. Max Sinsler. Es geht um die Aufstellung von Annoncensäulen am Ring. Die Vergebung des Auftrages hat im Offertwege zu erfolgen. 1887 wird laut Gemeinderats-Protokoll das ganze Annoncenwesen innerhalb der Gemeinde neu organisiert und so werden auch im Vertrag mit der Buchdruckerei Wallishausser etliche Änderungen vorgenommen. Weiner beschwert sich beim Magistrat über die Bevorzugung Wallishaussers. 1889 gerät Jakob Weiner in eine unangenehme Situation, es geht um einen Prozeß mit dem akademischen Maler August Stefan Kronstein, danach wird erwogen, der Firma Weiner jede Zusammenarbeit zu kündigen [WStLA, Gemeinderatsprotokolle (Sign.-Nr. B 6/45), Protokolle, 1877].
Ankündigungssäulen, die nicht auf Gemeindegrund stehen, wie z.B. auf Hof Arae [Fläche], werden vom kaiserlichen Hof bewilligt. Hier geht es um die Ankündigungssäule in der Heugasse vis à vis No 62 oberhalb des k.k. Belvedere Ausgangs. Der Bescheid des Obersthofmeisteramtes brachte eine Ablehnung, Wallishausser musste diese Säule abmontieren.
Nachdem er die Druckarbeiten für die k.k. Theater verloren hatte, wurde die Filiale in Wien I. Spiegelgasse 14 das Büro für die „Wiener-Ankündigungs-Säulen.“

Aus den Druckaufträgen für Johann Baptist Wallishausser III.

Die beliebten und auflagenstarken „Post-Bücheln“, von denen jährlich mehrere Ausgaben erschienen, kamen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts aus der Offizin Johann Baptist Wallishaussers III. Erst ab 1897 zeichnete die Druckerei Raimann & Godina dafür verantwortlich. Auch das Wiener Telephonbuch, damals noch nicht „amtlich“, sondern von der Wiener Freiwilligen Rettungs-Gesellschaft herausgegeben, trägt den Druckvermerk „J. B. Wallishausser“.

Es gelang Wallishausser ziemlich umfangreiche Drucksortenlieferungen für die k.k. Telegraphen-Anstalt zu tätigen. Nicht übersehen werden darf der nun stark erweiterte Plakatdruck durch die Ankündigungssäulen. Dabei konnte Wallishausser den Farbdruck forcieren, für den er eine große Vorliebe hatte. Lt. Mayers Buchdruckergeschichte tätigte Wallishausser auch Drucksortenlieferungen für die Marinesection des k.k. Kriegs-Ministeriums und die Herstellung des beinahe ganzen Fahrkartenbedarfes für die ins Leben getretenen Transportunternehmungen.

 

Gesellschaft der Musikfreunde

Die Druckarbeiten für die Gesellschaft der Musikfreunde wurden von Joh. Bapt. Wallishausser III. seit der Betriebsübernahme fortgesetzt. Jahrzehntelang druckte er die verschiedensten Arbeiten, z. B. „Jährlicher Rechenschaftsbericht der Direktion“, erstmalig im Jahre 1869, in einer Größe von 13,2 x 20,2 cm in hellblau oder im Jahre 1870 14,2 x 22,6 cm in grün die „Berichte des Conservatoriums und der Schauspielschule der Gesellschaft“. Wie schon seine Eltern war auch J. B. Wallishausser III. Mitglied des Musikvereines. Im Anhang des Jahresberichtes haben wir die Mitglieder der Gesellschaft angeführt: 1855 scheint Joh. Bapt. Wallishausser neben seiner Mutter und seinem Stiefvater als Mitglied auf, ab 1859 nur mehr alleine. Auch Konzertprogramme wurden ab 1856 von Wallishausser gedruckt [Gesellschaft der Musikfreunde, Sign. 2712/47,1872–1903, Sign. 8195/Z 20 1962–1872,1872–1882, Sign. 8196/Z44, Sign. 8399/125,1847–1961].

 

 

Titel eines k.k. Hofbuchdruckers

Am 27. April 1887 reichte J. B. Wallishausser beim Obersthofmeisteramt um den Titel eines k.k. Hofbuchdruckers an. Dieses Ansuchen gibt uns durch den beigelegten Polizeibericht einen guten Einblick in das Leben Wallishaussers und seine Tätigkeiten, seien sie humanitärer und sozialer Art und die verschiedenen Mitgliedschaften, aber auch über die Beschäftigungspolitik seines Betriebes [HHStA, OHMA, 1891/ Nr. 1694]. Im Jahre 1854 hat er von seiner Mutter im Bestand der Buchdruckerei eine Schnellpresse kleineren Formats und 2 Handpressen (es waren vier!). Der Stand der Betriebseinrichtung im Jahre 1887 belief sich auf 7 Schnellpressen, 1 Handpresse, 1 Tiegldruckpresse mit Gas-Motor in der Lenaugasse und in der Dorotheergasse 7 Geräte: 2 Schnellpressen, 1 Handpresse und eine Tiegldruckpresse mit Handbetrieb. Dies zeigt von einer enormen Entwicklung und Wallishausser muss sehr geschäftstüchtig gewesen sein, um für die vielen Pressen auch dauerhafte Aufträge erhalten zu haben. Sicher waren auch die Aufträge für die Plakate der Annoncensäulen sehr wichtig.

J. B. Wallishausser war mehrere Jahre Armenvater im VIII. Bezirk, bei der Beschaffung des Fonds für eine wertvolle Orgel in der Josefstädter Pfarrkirche und den Ausbau des Turmes war er tätig, sowie bei Sammlungen und Veranstaltungen von mehreren Concerten und Theatervorstellungen für soziale Hilfe. Er saß in Comités für die Rückkehr der Truppen aus der Herzegowina und war im Bezirksausschuß des VIII. Bezirkes durch mehrere Jahre beeideter Schätzungscommissär. Seit etlichen Jahren war er Mitglied des Vorstandes des Gremiums der Buchdrucker, wurde 1885 auch in die n.ö. Handels- u. Gewerbekammer gewählt und von der Gewerbeschulkommission zum Gewerbeschulinspektor ernannt. Außerdem war er Gründungsmitglied des Ornithologischen Vereins, des Josefstädter Kirchenmusikvereins, des n.ö. Gewerbevereins, des graphischen Clubs, mehrerer Krankenvereine, des Vereins für verwahrloste Kinder, für entlassene Sträflinge, im Spar- u. Unterstützungsverein für Kinder, für Feriencolonien und Seehospize, er war Ehrenmitglied des Tierschutzvereins und auch Bürger von Wien. Hieraus können wir ersehen, wie sehr Wallishausser der soziale Bereich am Herzen lag.
1887 war er auch verantwortlicher Redakteur der gegenwärtig von Künast herausgegebenen, im Wallishausser’schen Etablissement gedruckten „Jagdzeitung“ A. Hugos. In den Überprüfungsberichten der Polizei werden auch Wallishausser sämtliche Strafen aufgezählt, es handelt sich um lauter Vergehen gegen das Pressegesetz. Im Betrieb hatte er 60–70 Arbeiter, die meisten der im Betrieb Beschäftigten waren schon seit 20–25 Jahren in der Druckerei tätig. Dies lässt auf ein gutes Verhältnis zu seinen Arbeitern schließen.
Die Eingabe um den Titel eines Hofbuchdruckers hatte eine Erledigungsdauer von 4 Jahren. Nach Bezahlung der vorgeschriebenen Gebühr von fl 250 am 18.3.1891 bekam J. B. Wallishausser III. das Ernennungsdekret am 28. März 1891. Er darf den Hoftitel k.u.k. Hof-Buchdrucker führen, solange er das Geschäft aufrecht und persönlich betreibt und die Firma unverändert bleibt.

 

Plakatdruck und Anschlagzettel

Die ergiebigste Quelle dafür ist die Plakatsammlung der Wien-Bibliothek. Hier finden wir über 200 Objekte, ein endgültiges Resümee zu ziehen ist aber schwer, da hauptsächlich die Ankündigungen der jeweiligen Aufführungen oder auch die für soziale Zwecke stattfindenden Vorstellungen der k. k. Hoftheater als Unterlagen dienen. Sie machen das Gros der Sammlung aus. Diese Ankündigungen für die k. k. Hoftheater gehen bis zum Jahr 1869, dann brechen sie ab, da in diesem Jahr Baron Heine die Arbeiten für die General Intendanz übernommen hat. Andere Quellen finden wir nur sporadisch, hier eine Anzeige für das Carl Theater unter der Direktion von Johann Nestroy.

2. Eheschließung

J. B. Wallishaussers erste Gattin Louise verstarb 1888. Am 16. Mai 1889 heiratete er Maria Anna Josefa Jaggi, die Enkelin seiner Tante Maria Anna Passy geb. Wallishausser, der Schwester seines Vaters. Die Trauzeugen waren Bürgermeister Eduard Uhl, mit dem Wallishausser schon sehr lange befreundet war und Dr. Ignaz Mikosch, der Mann seiner Nichte Hermine geb. Sonnleithner. Auch die Ehe mit Maria Anna blieb kinderlos.

 

Grundbesitz

Lenaugasse 19

Wieder stehen uns für die Lenaugasse 19 Konskriptionsbögen und Fremdentabellen vom Jahre 1857 zur Verfügung. Hier finden wir den Eintrag von Dr. Kajetan Felder als Mieter, aber auch Kasimir Henop. Wir hatten auch schon Eduard Hügel als Mitbewohner zu Zeiten von Josefine Wallishausser. In der Festschrift des Vereins „Concordia“ haben wir folgende Absätze in der Gründerliste Oktober 1859 (wie J.B. Wallishausser III.) gefunden:

„Kasimir Henop,
am 15. Jänner 1820 zu Altona geboren, war er evangelischer Theologe und wirkte anfangs der Vierzigerjahre längere Zeit als Prediger in Russland. 1847 kam er nach Wien, um sich für eine volkswirtschaftliche Lehrkanzel auszubilden. Das Jahr 1848 warf ihn jedoch in die Journalistische Laufbahn; er beteiligte sich an der „Presse“ und später an der „Reichszeitung“, 1860 übernahm er von Dr. K. v. Mayer das Wochenblatt „Der Volkswirt“, verkaufte es aber bald und begründete die „Wiener Geschäftszeitung“. Er starb am 27. Jänner 1869.“
[Stern, Julius und Sigmund Ehrlich: Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia“, 1859–1909. Eine Festschrift. Wien 1909.]

„Maler Sebastian Wegmayer
In diesem Hause starb am 20.11.1857 einer der berühmtesten Blumenmaler seiner Zeit, Sebastian Wegmayer, geb. 7.2.1776 als Sohn eines Berchtesgardener Arbeiters in Wien, der ab 1807 Korrektor und ab 1812 Professor an der k.k. Akademie der bildenden Künste gewesen war.“
[Mehr über Wegmayer siehe in Thieme/Becker XXXV, 254, und in Czeike, Historische Lexikon der Stadt Wien, V, 595.]

Auch Josef Ritter Kutschera von Aich, k.k. Hofrath, wohnte in der Lenaugasse 19.

Gedenktafel für Anton Wildgans
„In diesem Haus verlebte Anton Wildgans von 1893 bis zum Mai 1905 einen Teil seiner Jugend.“ So lautete eine jahrelang am Haus angebrachte Gedenktafel.

Die Wallishausser hatten von Anfang an interessante und bekannte Mieter in ihren Häusern und das setzte sich auch weiterhin fort. Heute ist Lenaugasse 19 im Besitz der Gemeinde Wien und wurde 1983 luxussaniert, der m2 kostete 14.000 Schilling. Am 9.8.1990 schreibt „Die ganze Woche“:
„Altes Haus glänzt wieder. Das 1847 erbaute Haus in der Lenaugasse 19 im 8. Bezirk wurde mit einem Kostenaufwand von 40 Millionen Schilling ins 20. Jahrhundert katapultiert. Dazu gehören: ein Aufzug, eine Tiefgarage, der Anschluß an die Fernwärme und die Ausstattung aller Wohnungen mit Zentralheizung und Badezimmer. Durch einen Neuanstrich der Fassade und der Fenster glänzt das Haus auch nach außen hin wieder wie neu.“

Im Jahre 1994 wurde der Name des Hauses auf „Oskar Werner Hof“ geändert [Die ganze Woche, 7.10.1994], die Esche im Hausgarten steht unter Naturschutz.

Dornbach

Joh. Bapt. Wallishausser war seit 1857 als Hausbesitzer in der Pichlergasse 40 eingetragen [Kaltenberger, Franz: Geschichte d. Ortschaften Dornbach und Neuwaldegg. Wien 1884. S. 113]. Diese Villa gehörte ihm noch 1889 und in seinem damaligen Testament verfügte er, dass das Gebäude im Besitz der Familie bleibt. Im darauffolgenden Testament von 1903 scheint die Villa nicht mehr auf.
Seit 1888 gibt es im 17. Bezirk, Dornbach, die Wallishaussergasse, benannt nach Johann Baptist Wallishausser dem Älteren und den Jüngeren.

Trautmannsdorf

Da es verschiedene Ortschaften namens Trautmannsdorf gibt, haben wir über diese Villa leider keine Unterlagen.

 

Wallishausser III. erwirbt 1890 das Gut Marbach

Marbach ist eine relativ kleine Ortschaft und hatte 1910 nur 48 Einwohner. J. B. Wallishausser hat am 13.10.1890 das gesamte Gut Marbach von August Lohre übernommen. Dieser Vertrag ist leider nicht auffindbar. Nach dem Tode des Grafen Thürheim erwarb Wallishausser aus dessen Verlassenschaft das sogenannte Freiholz (Heute Gst 486 KG Mauthausen), welches direkt an die Gründe des Gutes Marbach angrenzte und vergrößerte dadurch die Waldungen des Gutes, auch dieser Vertrag ist nicht mehr auffindbar [Bezirksgericht Mauthausen; Bezirksgericht Linz (Grundbuch 43106 Marbach, Einlagezahl 437; Grundbuch 43107 Mauthausen, Einlagezahl 250].

Für das Freiholz zahlte Wallishausser an die Erben des Grafen Thürheim K 7.500,00. Der zweite Teil der Erbschaft, das Schloß Pragstein, ging an den Gewerker Leopold Heindl um K 8.500,00 [Mayr, Josef: Geschichte des Marktes Mauthausen. Steyr: Wilhelm Ennsthaler, 1974. S. 93]. Da Wallishausser ein passionierter Jäger war, war der Kauf des Freiholzes eine schöne Vergrösserung seines Jagdgebietes.

Er besaß das Gut nur 10 Jahre und verkaufte es mit Kaufvertrag vom 28.6.1898 an Josef und August Huber, Bankiers aus Constantinopel.
Durch diesen Kaufvertrag erfahren wir, dass J. B. Wallishausser noch eine Realität besaß, das Haus Nr. 5. in Marbach, Grundbuch-Einlage Zahl 98 der Catastralgemeinde Marbach und eine Wohnung in Gmunden in der Färberstraße 6. In dem Kaufvertrag von Schloss Marbach ist alles beinhaltet, was zu diesen Besitzungen gehörte. Durch eine Inventarliste des Schlosses ist es uns möglich, einen Einblick auf die Ausstattung eines solchen Besitzes zu werfen. Es gab auch eine eigene Kapelle

 

Die letzten Jahre

Die Druckerei florierte, die Auftragslage durch die öffentlichen Aufträge war stabil, Wallishausser konnte sich mehr seinen sozialen Tätigkeiten und der Jagd widmen. 1893 finden wir ihn auch als kaiserlichen Rat [Hof- u. Staatshandbuch, HHStA, Bibl.Sign. 37/Kl/1893]. 1898 schenkte er, laut den Zeitgenossen, seinem langjährigen Betriebsleiter Engelbert Kainz und dem Faktor Rudolf Liebhart die Hauptdruckerei in der Lenaugasse 19. Die Filiale in der Dorotheergasse ging an den Mitarbeiter Georg Skalnik [Durstmüller, Anton: 500 Jahre Druck in Österreich. Korneuburg: Ueberreuther, 1981–1988].
Es gibt eine kleine, aber sehr feine Beilage zur „Österreichisch-ungarischen Buchhändler-Zeitung“ 1899, Nr. 8 über J. B. Wallishausser, Druck und Verlag von Friedrich Jasper in Wien. Der letzte Absatz davon kann auch als Schlusswort genommen werden:

„Die Concessionsverleihung an Herrn Kainz bedeutet nun das definitive Scheiden des Herrn Walllishausser aus dem Kreise der Wiener Buchdrucker, in deren Annalen sein und seiner Vorgänger Namen in Ehren prangen. Mehr als fünfzig Jahre hindurch weihte dieser Mann, der sich nun nach Ruhe zu sehnen berechtigt ist, sein reiches Wissen und seine bewährte Thatkraft auch dem Wohle der gesammten Buchdruckergemeinde Wiens. In dieser langen Reihe von Jahren finden wir ihn stets als einen der Ersten, wo es galt, das Ansehen der Buchdrucker zu wahren und für die Interessen derselben einzutreten, aber auch an der technischen Förderung der Typographie zu arbeiten. Schon in seinen Zwanzigerjahren betheiligte sich Herr Wallishausser sehr intensiv an den Arbeiten des Gremiums, dem er bis zum heutigen Tage ununterbrochen als Ausschussmitglied angehörte. Im Jahre 1882 war er Obmann der Festsection der Säcularfeier der Einführung der Buchdruckerkunst in Wien. Seit vielen Jahren ist er aber auch eines der eifrigsten Mitglieder der Handels- und Gewerbekammer, woselbst er öfter Gelegenheit fand, seine Fachkenntnisse zu Gunsten der Buchdrucker zu verwerthen. Bei all dem dient er noch den Musen als Zeichner und Maler. Seine geistige und körperliche Frische verdankt er aber der Jägerei, der er seit Langem mit Vorliebe obliegt. In seiner Officin herrschte allezeit das angenehmste Verhältnis zwischen ihm und seinem Personale, was daraus hervorgeht, dass ein grosser Theil desselben seine Angehörigkeit zu diesem Hause auf zwanzig, dreissig und mehr Jahre zurückzudatiren vermag. Schwer wird er daher vermisst werden in jenen Kreisen, in denen er durch viele Jahrzehnte zum besten der ihm anvertrauten Angelegenheiten oft mit Selbstaufopferung gewirkt, denen er als treuer Berather zur Seite gestanden, sowie von allen Jenen, denen er sein Wohlwollen in anderer Weise zu Theil werden liess.“

1904 reiste J. B. Wallishausser nach Düsseldorf, um seinen Vetter, den Opernsänger Anton Passy zu besuchen. Ganz überraschend verstarb Wallishausser am 14. Oktober 1904 in seinem Hotelzimmer in Düsseldorf an Herzversagen. Sein Leichnam wurde nach Wien überführt und das letzte Stück dieser Reise wurde er per Schiff von Passau nach Wien transportiert. Die sterblichen Überreste wurden in der Familiengruft am Zentralfriedhof bestattet.
Sein hinterlassenes Vermögen war beträchtlich. Seine Witwe kam in den lebenslangen Fruchtgenuss dieser Erbschaft und in der Folge erbten seine Nichte und deren Töchter den ganzen Besitz, außer einigen Legaten, die sofort ausbezahlt wurden. Das Vermögen belief sich auf Kr. 674.016,77. Wenn wir diesen Betrag laut Statistik Austria mit Bemessungsgrundlage vom Aug. 2007 umrechnen, ergibt es einen heutigen Wert von € 3,686.871,73. Ein stolzer Betrag, wenn man bedenkt, dass sein Großvater vor etwas mehr als 100 Jahren mit fast nichts angefangen hatte.
Ein letzter Eintrag von 1911 lautet: „S.M. Obersthofmeisteramt bei den gelöschten Hoftitel: Johann Wallishauser, Buchdruckerei in Wien, Gewerbezurücklegung: Firma gelöscht“ [HHStA/OHMA, Karton 1938/1911. Akt 12/5/13202].

 

Nachfolger Engelbert Kainz

Engelbert Kainz, ein langjähriger Mitarbeiter, hatte in der Druckerei Wallishausser das Gewerbe erlernt, dann auf die Wanderjahre verzichtet und ist im Laufe der Zeit zum Geschäftsleiter aufgestiegen. 1898 hat sich J. B. Wallishausser ganz aus den Geschäften zurückgezogen und nun führt Engelbert Kainz mit Rudolf Liebhart die Buchdruckerei unter eigener Regie. Die Druckerei wird unter dem Namen „E. Kainz vormals J. B. Wallishausser“ geführt. Kainz trennte sich nach einem Jahr von Rudolf Liebhart und führte das Geschäft allein weiter. In der Position des Chefs waren Engelbert Kainz nur einige Jahre gegönnt, er verstarb 1906 63jährig.

Witwenbetrieb Karoline Kainz

Die Witwe Karoline Kainz übernimmt nun den Betrieb. Aus dieser Zeit gibt es einen Akt des Magistratischen Bezirksamts Josefstadt vom 15. März 1911 [WStLA, Bauamt]. Hier geht es um die Genehmigung der Betriebsanlage der Buchdruckerei. Sehr interessant sind die gewerbebehördlichen Auflagen zu jener Zeit.

Friedrich Regensdorfer

Friedrich Regensdorfer bekam die Buchdruckerkonzession am 28. August 1913. Durstmüller schreibt auf S. 157:
„Die Druckerei des berühmten Grillparzer-Verlegers befand sich 1918 im Besitze von Friedrich Regensdorfer und meldete 70 bis 80 Beschäftigte. Da er vorwiegend Werk- und Zeitschriftendruck besorgte, geriet er mit dem damaligen Weiner-Inhaber Adolf Weiner (Lenaugasse 17) der sich hauptsächlich auf Buch- und Steindruckplakate spezialisiert hatte, nicht in Rivalität. Als die wirtschaftliche Lage schlechter wurde, stand die Offizin Kainz zum Verkauf.“
Aus dieser Zeit sind in der Wien-Bibliothek drei Plakate vorhanden.

Adolf Weiner

erwarb sie 1929 als willkommene Ergänzung. Weiner war der ehemalige Konkurrent von Wallishausser bei den Anschlagsäulen und erwarb nun gleich die ganze Druckerei. Doch schon am 30. Mai 1935 starb er und seine Witwe

Hedwig Weiner

führte beide Betriebe weiter. Ab 24. Juni 1940 mußte auf Weisung des Bezirkswirtschaftsamtes der Betrieb Kainz zwecks Freimachung von Arbeitskräften stillgelegt werden. Mit Buch- u. Steindruckkonzession vom 13. März 1943 erscheint als neuer Eigentümer beider Betriebe der 1910 in Troppau geborene

Ferdinand Repper

auf. Nach 1945 finden wir beide Firmen unter dem

öffentlichen Verwalter Karl Jestl.

Im Jahre 1948 wurde Repper die Konzession entzogen (mit Rechtskraft vom 14. März 1952). Per 17. Juni 1952 verzichtete die in ihr Besitzrecht wiedereingetretene Hedwig Weiner auf den Witwenfortbetrieb. Das Unternehmen firmierte seit der Aufhebung der öffentlichen Verwaltung ab 15. Jänner 1952 als

Ferdinand Reppers Nachfolger Cermak & Co. KG.“

Hier haben wir als Druckvermerk den Namen E. Kainz vorm. J. B. Wallishausser, Wien VIII. gefunden.

„Doch wurde die Gesellschaft 1954 infolge Konkurs aufgelöst, die Konzession per 12. Juli 1961 zurückgelegt und die Firma 1965 gelöscht.“ [Durstmüller, Anton: 500 Jahre Druck in Österreich. Korneuburg: Carl Ueberreuter, 1981. S. 157]

So endete die Buchdruckerei Wallishausser 1965 und unabhängig davon wurde die Buchhandlung am 24. November 1964 von Amts wegen gelöscht. Es sieht ganz so aus, als wäre das große Familiengeschäft müde seines Daseins gewesen und eingeschlafen.